Nominiert von
Students and Scholars Against Corporate Misbehaviour (Sacom), Hongkong // Video-Statement
In Kürze
Der taiwanesische Elektronikhersteller Foxconn produziert High-End-Geräte für Apple, Dell, HP, Nintendo, Nokia, Sony Ericsson, Motorola und andere Weltmarken. Aufgrund von miserablen Arbeitsbedingungen und Dumpinglöhnen in den gigantischen chinesischen Fabriken nahmen sich 2010 mindestens 18 Arbeiter das Leben, weitere Selbstmordversuche sind wahrscheinlich. Alle Suizide wurden von 17- bis 27-jährigen Wanderarbeitern begangen.
Die Arbeiterinnen leiden unter dauernder Überstundenpflicht und systematischen Repressionen. Sie werden selbst beim Gang auf die Toilette durchsucht und zugelassen ist einzig eine konzerneigene Scheingewerkschaft. Zwar hat Foxconn auf massiven öffentlichen Druck hin versprochen, die Gehälter zu erhöhen. Aktuelle Recherchen zeigen aber, dass sich die Arbeitsbedingungen nicht verbessert haben und zudem rund 100'000 Studenten von ihren Schulen zur Arbeit bei Foxconn gezwungen werden
Unverantwortliches Konzernverhalten
Exzessive und zwangsverordnete Überstunden, schlechte Entlöhnung, militärisches Management und demütigende Bestrafungen: Die Arbeitsbedingungen beim weltgrössten Elektronikzulieferer Foxconn haben sich auch nach den Suiziden von Mitarbeitenden nicht verbessert. Dies zeigt eine im Oktober 2010 veröffentlichte Studie der NGOs SACOM, Brot für alle und Fastenopfer. Demnach sind die Arbeitsbedingungen bei Foxconn unethisch bis illegal.
Allein in China beschäftigt Foxconn rund 900’000 Mitarbeitende. Das konstante Wachstum des Riesenunternehmens ist nur möglich, weil der Produktionsdruck der prominenten Kunden direkt an die Mitarbeitenden weitergegeben – in Form immer höherer Arbeitsbelastung, rigider Disziplin und Tiefstlöhnen. Nach dem öffentlichen Aufschrei wegen der Selbstmordwelle erhöhte Foxconn den Grundlohn seiner Fliessbandarbeiter zwar von 900 auf 1200 Yuan monatlich.Doch das ist kaum mehr als der für die Region gesetzlich festgelegte und völlig ungenügende Minimallohn. Ein existenzsichernder Grundlohn müsste abhängig von den Lebenskosten in der jeweiligen Region zwischen 1684 und 2239 Yuan betragen. Nach den Suiziden kündigte Foxconn auch eine Überstundenbegrenzung auf 80 Stunden pro Monat an. was immer noch weit über dem gesetzlichen Maximum von 36 Stunden liegt.
Die Teilnahme an Versammlungen, bei denen Manager Produktionsquoten, Arbeitsziele und Disziplinnoten verliest, sind zwingend, gelten aber nicht als Arbeitszeit. Für das Nichterreichen von Produktionszielen, Montagefehler oder zu lange Toilettenpausen gibt’s drakonische Strafen. Zur Disziplinierung werden "Bonuspunkte" entzogen oder vor versammelter Belegschaft „Geständnisse“ erpresst. Zudem kommt es regelmässig zu verbalen und physischen Bedrohungen durch interne Sicherheitskräfte. 30-40 Prozent der Belegschaft sind studierende "PraktikantInnen". Sie leisten dieselben Überstunden wie Fliessbandarbeiter. und werden von ihren Schulen für Foxconn abgestellt.
Folgen
Der psyichische und physische Überdruck auf junge Wanderarbeiter und Studentinnen besteht weiter.
Aktueller Stand und Forderungen an das Unternehmen
Wie seine Konkurrenten produziert Foxconn in anderen Ländern für alle grossen Elektronikmarken. Deshalb müssen Foxconn, andere Zulieferer und die Auftrag gebenden Markenfirmen gemeinsam die Verantwortung für die systematische und anhaltende Verletzung grundlegendster Arbeitsrechte übernehmen und dagegen vorgehen. Die Brachenvereinigungen "Electronic Industry Citizenship Coalition" (EICC) und "Global e-Sustainability Initiative" (GeSI) müssen dabei eine Führungsrolle übernehmen. Die Garantie der Vereinigungs- und der kollektiven Verhandlungsfreiheit ist dabei ein erster zentraler Schritt.
Video-Statement
Informationen zum Unternehmen
Hauptsitz: Taipei, Taiwan
Branche: Elektronik, Computer, IT
Umsatz/ Gewinn: 59,3 Mrd. Dollar / 2,2 Mrd. Dollar (2010)
In Besitz von: börsenkotiert
Mitarbeitende: ca. 920’000
CEO: Terry Gou (aka Gou Tai-ming)