Nominiert für den Public Eye People’s Award 2012
von Finance Green Watch, www.financegreenwatch.org
In Kürze
Mit Risikoblindheit zum GAU: Der grösste japanische Energiekonzern Tepco hat wider besseren Wissens aus Kostengründen die bauliche Sicherheit seiner Atomkraftwerke stark vernachlässigt. Der GAU von Fukushima und somit die radioaktive Verstrahlung von Mensch, Land und Meer hätte von Anfang an verhindert werden können. Mit den gewaltigen Naturkräften konfrontiert, kapitulierten zuerst die technischen Einrichtungen und danach das Notfallmanagement vor Ort. Ausserdem informierte der Konzern nachweislich falsch oder sehr verspätet - bei Tepco herrschte eine Kultur der Begünstigungen, Verschleierungen und Fälschungen.
Unternehmensinfo
Hauptsitz:Tokio, Japan
Branche:Energie
In Besitz von: börsenkotiert
Mitarbeitende: 38’000
Präsident: Toshio Nishizawa
Website: www.tepco.co.jp
Unverantwortliches Konzernverhalten
Tepco hat mehrere gravierende Mängel und Risikogutachten seiner AKW missachtet. Beispielsweise wurden 2007 aufgrund eines Erdbebens die Reaktoren in der Fukushima-Nachbarspräfektur Niigata beschädigt. Obwohl die Untersuchungen im Nachhinein ergaben, dass Tepco das Risiko für Naturkatastrophen massiv zu tief eingeschätzt hat, wurden keinerlei Überprüfungen oder Nachrüstungen bei den restlichen AKW vorgenommen. Sicherheitsüberprüfungen wurden gar gefälscht, Mängel in der Baukonstruktion nicht behoben. Beim Bau von Fukushima war ursprünglich ein 35 Meter hoher Schutzwall gegen Tsunamis geplant. Gebaut wurde aus Kostengründen ein lediglich 10 Meter hoher Schutzwall, der den GAU von Fukushima erst möglich machte. Tepco versagte zudem im Krisenfall: Die Notfallorganisation war schlecht gestellt, das Personal überfordert, die Information von den Interessen von Tepco geleitet. Ein schlechtes Bild gibt Tepco auch mit der schleppenden bis gar nicht stattfindenden Entschädigung von Opfern ab.
Folgen
Die Folgen eines GAU sind nicht genau bezifferbar aber auf jeden Fall immens: Zehntausende Menschen wurden vorübergehend hoher Strahlung ausgesetzt und mussten Haus und Boden zurücklassen. 360'000 japanische Kinder und Jugendliche werden auf mögliche Strahlenschäden untersucht. Weite Teile des Landes um Fukushima sind radioaktiv verseucht und unbewohnbar geworden. Radioaktiv belastetes Wasser gelangt immer wieder ins Meer. Das Ausmass der gesundheitlichen Folgen - mögliche Krebserkrankungen und Folgen für das Erbgut - sind heute schwer einzuschätzen.
Aktueller Stand und Forderungen an das Unternehmen
Tepco muss die Aufräumarbeiten schnellstens vorantreiben und sich viel stärker um Entschädigungen kümmern. Ausserdem muss Tepco die Sicherheit aller Reaktoren prüfen und massiv erhöhen und gleichzeitig in ein Smart-Grid investieren, dass die Nutzung von erneuerbaren Energien vorantreibt und die Abhängigkeit Japans von Atomstrom schnellstmöglich drastisch reduziert.
Weitere Informationen
Website von Finance Green Watch
Wie Tepco bewusst das Risiko eines GAU in Kauf nahm (Artikel in Japan Times)
Fukushima verseucht 168 mal mehr als Hiroshima (Artikel in Japan Today)
Grosse Proteste gegen Tepco in Japan
«Nature» über die von Tepco heruntergespielten Auswirkungen Fukushimas