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Die Hölle auf dem Schiffsfriedhof

Welche Verantwortung tragen Schweizer Reedereien?

© Public Eye, Video : www.emanuelbuechler.com / Ausschnitte Shipbreaking : © Isacco Chiaf


Was macht die verschwiegene Schweizer Schifffahrtsindustrie mit Frachtern und Tankern, die ihr Lebensende erreicht haben? Nicola Mulinaris und Gie Goris haben sich vorgenommen, zwischen den Ufern des Lac Léman und den Schiffsfriedhöfen in Südasien nach Antworten zu suchen.

Heute werden über neunzig Prozent der Güter, die wir konsumieren, auf dem Seeweg trans-portiert. Die Schifffahrt ist Herzstück und Schrittmacher der Globalisierung. Aber was passiert mit den Schiffen, wenn sie nicht mehr gebraucht werden? Längst werden diese nicht mehr, wie früher, in Industrieländern demontiert. Heute werden jährlich hunderte dieser „Monster der Meere“, die voll sind mit giftigen Stoffen, an den Küsten Bangladeschs, Indiens und Pakistans auseinander genommen – mit blossen Händen.

Die Hölle auf dem Schiffsfriedhof

Die Arbeiter, oft Migranten, schuften unter extremsten Bedingungen. Immer wieder kommt es zu tödlichen Unfällen. Giftige Dämpfe und Materialien wie Asbest und Blei verursachen schwere Krankheiten. Die sozialen und ökologischen Schäden sind immens. Dabei gäbe es durchaus sicherere und sauberere Methoden des Abwrackens. Doch die Reedereien bürden die Kosten für die Entsorgung ihrer Schiffe weiterhin lieber den Menschen in armen Ländern auf. Berüchtigt ist der Markt für alte Schiffe auch für seine Intransparenz und dass die Beteiligten zur Umgehung geltender Rechtsvorschriften neigen. Flaggen von Ländern mit vorteilhaften Konditionen, Registrierung in Steueroasen, Zusammenarbeit mit dubiosen Vermittlern: Die Unternehmen nutzen zahlreiche Tricks, um sich ihrer Verantwortung zu entziehen und Ärger mit der Justiz zu entgehen.

In unruhige Gewässer tauchen

Obwohl sie keinen Meerzugang hat, ist die Schweiz Sitz riesiger Reedereien. Nicola Mulinaris von der NGO Shipbreaking Platform und Gie Goris vom flämischen MO* Magazine wollen zusammenspannen, um diesen Sektor zu ergründen und dabei folgenden Fragen nachzugehen: Wie werden diese Unternehmen ihre alten Schiffe los? Welche Gewinne werden dabei erzielt? Und zu welchem menschlichen Preis? Ihre Antworten werden den Opfern der unkontrollierten Verschrottung von Schiffen – einer Form von „giftigem Kolonialismus“ – ein Gesicht und eine Stimme geben.