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Einführung Im Jahr 2000 als Gegenkonferenz zum World Economic Forum (WEF) in Davos gestartet, entwickelten sich das Public Eye on Davos mit seinem Schmähpreis zu einer stilbildenden Onlinekampagne mit globaler Ausstrahlung.

Das Public Eye on Davos warf bis zur letzten Durchführung 2015 einen kritischen Blick auf die Geschäftspraktiken von Unternehmen und bot zivilgesellschaftlichen Organisationen eine Plattform, um Verletzungen von Menschen- und Arbeitsrechten sowie Umweltzerstörung und Korruption öffentlich und medienwirksam anzuprangern. Die Public Eye Awards zeigten den Global Players, viele davon Stammgäste am WEF, dass ein menschen- und umweltverachtendes Geschäftsgebaren schmerzhafte Konsequenzen hat – primär für die davon Betroffenen, aber auch für das Firmenimage.

Die Public Eye Awards trugen zum übergeordneten Ziel der sozialen und ökologischen Gerechtigkeit bei und zeigten die Notwendigkeit von wirksamen und rechtlich verbindlichen Massnahmen auf nationaler wie auch internationaler Ebene auf. Unternehmen sollen in ihrem Sitzstaat für ihre Vergehen zur Verantwortung gezogen werden können – egal, wo sich diese zugetragen haben. 

Nach 15 Jahren Gegenkampagne zum WEF und 10 Preisverleihungen zogen wir Bilanz und vergaben 2015 den ultimativen Schmähpreis, den Public Eye Lifetime Award. Aus der Hall of Shame, in der alle Gewinner der letzten zehn Jahre verewigt sind, hatte unsere Fachjury die Shortlist für diese letzte Online-Abstimmung zusammengestellt. Fast 64'000 Menschen hatten 2015 über den Lifetime Award abgestimmt.

Die Jury    

Eine hochkarätig und international besetzte Jury hatte die Public Eye Awards mit ihrem Fachwissen unterstützt und begleitet. Die Jury setzte sich aus international renommierten Wirtschaftsethikern sowie ExpertInnen aus den Bereichen Umwelt und Menschenrechte zusammen. Ihnen fiel in den letzten Jahren die Aufgabe zu, den Gewinner des Public Eye Jury Awards zu bestimmen und die Shortlist für den Public Eye People’s Award – den Publikumspreis – zusammenzustellen. Bei der Bewertung der Fälle berücksichtigte die Fachjury stets verschiedene Kriterien wie die Stichhaltigkeit, Tragweite und Aktualität der monierten Vergehen oder die Reaktionen der nominierten Firmen auf die Vorwürfe.

Für die Public Eye Awards 2015 stellte die Jury die Shortlist für den Public Eye Lifetime Award aus allen ehemaligen Gewinnern zusammen. Dieser wurde via Online-Abstimmung vergeben.

Erfolgsgeschichten    

Die „Public Eye on Davos“-Kampagne prägte mit Veranstaltungen und Aktionen in Davos und New York sowie dem stilbildenden Online-Voting den Diskurs um die Verantwortung von Unternehmen gegenüber Mensch und Umwelt entscheidend mit

Das Aufzeigen konkreter Fälle von Menschenrechtsverletzungen und Umweltvergehen verhalf den Stimmen der Betroffenen und den Kampagnen der nominierenden Organisationen, Gehör zu finden. Die zivilgesellschaftliche Forderung nach einer transparenteren, sozial nachhaltigeren und ökologisch gerechteren Wirtschaftspolitik und Unternehmenspraxis wurde von den Public Eye Awards wirkungsvoll ins internationale Scheinwerferlicht gerückt.

Über 500‘000 Stimmen im Online-Voting, die weltweite Medienresonanz und der daraus resultierende politische Druck führten dazu, dass zahlreiche mit der Mutter aller Schmähpreise ausgezeichnete (oder dafür nominierte) Firmen, aber auch Regierungen und Finanzinstitute, zugunsten der Menschenrechte und der Umwelt reagierten:

 

  • Die britische Bank Barclays, welche 2012 den Jury Award für die Spekulation mit Lebensmitteln erhalten hatte, gab im Februar 2013 bekannt, aus der Lebensmittelspekulation auszusteigen – zu gross sei das Reputationsrisiko.
  • Der in der Schweiz ansässige Energieversorger Repower, welcher 2013 aufgrund seiner Pläne für ein Kohlekraftwerk in Italien nominiert war, musste das Projekt mangels öffentlicher Unterstützung begraben. Die mediale Aufmerksamkeit stärkte die Kampagne gegen das Projekt und trug dazu bei, dass sich eine hauchdünne Mehrheit in Graubünden für die kantonale Initiative «Ja zu sauberem Strom ohne Kohlekraft» aussprach.
  • Das südafrikanische Bergbauunternehmen AngloGold Ashanti, das 2011 den Jury Award für die Missachtung der Menschenrechte in Ghana erhielt, beugte sich ebenfalls dem Druck der Öffentlichkeit und von Investoren. Die norwegische Regierung, welche das Unternehmen in ihrem staatlichen Pensionsfonds führte, ordnete eine Untersuchung der Vorwürfe an, was die Firma dazu bewegte, die Verhandlungen mit den betroffenen Gemeinschaften wieder aufzunehmen und diese für ihr erlittenes Leid zu entschädigen.
  • Aufgrund der Berichterstattung rund um Roche und seine unethischen klinischen Versuche in China, welche dem Schweizer Pharmariesen 2010 sowohl den Jury als auch den People’s Award eingebracht hatten, strich die international tätige Triodos Bank das Unternehmen aus ihrem Anlagenuniversum. Die klinischen Versuche seien inakzeptabel und entsprächen nicht den von der Bank vorgegebenen Menschenrechtsstandards, so die Begründung.


In weiteren Fällen waren es andere Akteure, welche den unverantwortlichen Geschäftspraktiken der nominierten Firmen ein Ende setzten. Der Schweizer Pharmakonzern Novartis hatte 2007 für den Versuch, mit Patentklagen den Zugang zu bezahlbaren Generika in Indien einzuschränken, den Jury Award erhalten. Nach einem sieben Jahre dauernden Rechtsstreit entschied das oberste Gericht Indiens im April 2013, Novartis kein Patent auf sein Antikrebsmittel Glivec zu gewähren. Ein Erfolg für die Kampagne der nominierenden Organisationen sowie für die Betroffenen, der aufzeigt, dass die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung über die wirtschaftlichen Interessen von Unternehmen gestellt wird.

Das Ziel von mehr sozialer und ökologischer Gerechtigkeit sowie rechtlich verbindlicher Massnahmen für mehr Unternehmensverantwortung verfolgt die Erklärung von Bern (heute Public Eye) nun innerhalb der im Januar 2015 lancierten «Konzernverantwortungsinitiative» weiter.

Den letzten aller Public Eye Awards, den Public Eye Lifetime Award, erhielt am 23.1.2015 Chevron. An der Abschiedsveranstaltung waren die die Protestsatiriker The Yes Men zu Gast und sorgten mit ihrem „WEF-Requiem“ für einen würdigen Schlusspunkt.