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The Public Eye on Davos

Die internationale Kampagne «The Public Eye on Davos» wurde im Herbst 1999 von der Erklärung von Bern mit dem Ziel lanciert, die Aktivitäten des WEF kritisch zu begleiten und der von seinen Mitgliedern propagierten neoliberalen Globalisierungspolitik Alternativen einer sozial und ökologisch orientierten Wirtschaft entgegenzusetzen.

Transparenz und ein ausgewogeneres Teilnehmerfeld waren die zwei Hauptforderungen, mit denen die EvB zwei WEF-Vertreter an der Pionierveranstaltung «Wer regiert die Welt?» im Januar 2000 konfrontierte. Schnell war klar, dass eine Diskussion mit dem WEF wenig fruchtbar sein würde und sogar eine wesentliche NGO-Vertretung im WEF kaum helfen würde, das WEF herauszufordern und zu verändern. Die radikale Folgerung: Es braucht eine öffentlich zugängliche internationale Konferenz, und zwar zeitgleich zum WEF und ebenfalls in Davos. So konnte die unausgewogene Beteiligung von Vertretern der Wirtschaft einerseits und von Politik und Zivilgesellschaft andererseits medienwirksam angeprangert werden. Zudem erlaubte die eigene Konferenz, die negativen Auswirkungen der von den WEF-Mitgliedern geförderten globalen Finanz- und Handelsliberalisierung eingehender zu thematisieren. 

Die erste Alternativkonferenz «The Public Eye on Davos» fand im Januar 2001 statt. An die zwanzig NGO-VertreterInnen beziehungsweise kritische Wissenschaftler aus nördlichen und südlichen Ländern legten ihre Kritik an der einseitigen wirtschaftlichen Globalisierung und deren Auswirkungen auf Umwelt und Gesellschaft dar. Diskutiert wurden auch alternative Ansätze einer sozial gerechten und ökologisch nachhaltigen Wirtschaft. Die Gegenkonferenz wurde während der nächsten drei Jahre zeitgleich zum WEF durchgeführt.

Als das WEF 2002 einen Abstecher nach New York machte, folgte ihm die Public Eye-Gegenveranstaltung. Die Konferenz war ein voller Erfolg: Vierzig RednerInnen, darunter der damalige Schweizer Bundespräsident Kaspar Villiger, sprachen vor mehr als 1500 Besuchern.

Von der Konferenz zum Schmähpreis

2005 entschloss sich sich EvB, die Kampagne „Public Eye on Davos“ neu auszurichten. Das WEF hatte mit dem sogenannten Open Forum auf die Kritik an der Abgeschlossenheit und am nicht repräsentativen Teilnehmerfeld zu reagieren versucht. Eine weitere Gegenkonferenz war nicht mehr geeignet, um jene Medienaufmerksamkeit zu erlangen, die nötig war, um als Herausforderer für das WEF wahrgenommen zu werden.

Zudem führte das 2001 entstandene Weltsozialforum die ursprüngliche Idee einer internationalen Gegenveranstaltung zum WEF weiter. Die Verleihung eines Negativ-Preises für «besonders üble Vergehen an Mensch und Umwelt» durch Unternehmen, deren Chefs möglicherweise zeitgleich in den Hallen des WEF die Probleme der Welt zu lösen versprachen, zündete die nächste Stufe des Gegenanlasses. Die Public Eye Awards waren geboren. Als offenes und transparentes Kritikgefäss konzipiert, bestimmte die Öffentlichkeit jeweils den Gewinner des Public Eye People’s Award. Die Jury kürte den Gewinner des Public Eye Jury Award. 23 Unternehmen haben einen oder gar mehrere Public Eye Awards verliehen erhalten.

Ab 2009 führte die Erklärung von Bern die Public Eye Awards gemeinsam mit Greenpeace Schweiz durch, und erreichte so ein noch breiteres Publikum. Die Preisverleihung wandelte sich von einer die WEF-Show karikierenden Verleihungszeremonie mit Prominenten zu einer politischen Medienkonferenz. Dank bekannten Rednern und Substanz – im Gegensatz zum «WEF-Geschwurbel» – genoss sie stets hohe Medienaufmerksamkeit.

Neben unzähligen Vertreterinnen und Vertretern der Zivilgesellschaft sowie Opfern von Konzernaktivitäten sprachen an Public-Eye-Veranstaltungen so unterschiedliche Persönlichkeiten wie Oskar Lafontaine, Mary Robinson, John Ruggie oder Joseph Stiglitz. Nach 15 Jahren der Kampagne „Public Eye on Davos“ und 10 Preisverleihungen zogen die Trägerorganisationen Bilanz und vergaben im Januar 2015 den ultimativen Schmähpreis, den Public Eye Lifetime Award. Auf der Shortlist standen sechs ehemalige Public-Eye-Award-Gewinner. Schliesslich hatte Chevron die zweifelhafte Ehre, sich ein weiteres Mal mit dem berüchtigten Schmähpreis schmücken zu dürfen.