Navigationspfad

Offener Brief

Hintergrundinformationen zum offenen Brief "Nie wieder Rana Plaza. Sicherheit geht vor!" an Schweizer Modeunternehmen.

Was ist das Gebäudesicherheitsabkommen?

Der Accord on Fire and Building Safety in Bangladesh ist das weltweit erste rechtlich verbindliche Gebäudesicherheitsabkommen. Es wurde am 23. Mai 2013 von Gewerkschaften und Markenfirmen unterzeichnet. Die Clean Clothes Campaign hat das Abkommen als Zeugin unterschrieben. Trotz vieler schwerer Fabrikkatastrophen hatten sich internationale Markenfirmen lange geweigert, Verantwortung für die Sicherheit der Produktionsstätten in ihren Lieferketten zu übernehmen. Doch nach dem Einsturz von Rana Plaza, bei dem 1138 Menschen ihr Leben verloren, wurde der öffentliche Druck zu gross.

Das Programm für mehr Gebäude- und Brandschutzsicherheit ist einzigartig in Bezug auf Rechtsverbindlichkeit, Umfang, Verpflichtungen der Firmen, Transparenz und Inspektionen. Das Abkommen wurde zwischen den globalen Branchengewerkschaften IndustriALL Global Union, UNI Global Union sowie bangladeschischen Gewerkschaften und international tätigen Markenfirmen geschlossen. Einerseits hat es präventiven Charakter (z.B. durch unabhängige Inspektionen und ArbeiterInnenkomitees) und andererseits verpflichtet es die unterzeichnenden Firmen, Missstände in ihren Zulieferfabriken zu beheben. Über 200 Firmen haben das Abkommen bereits unterzeichnet, welches nun 1‘600 Fabriken und über 2 Millionen ArbeiterInnen in Bangladesch abdeckt.

Weshalb sollte der Accord auf weitere Firmen ausgeweitet werden?

Die Zahl der Toten und Verletzten in Textilfabriken in Bangladesch ist seit der Unterzeichnung des Accords erheblich gesunken. Der Accord umfasst allerdings lediglich 1600 Fabriken und damit ungefähr zwei Millionen Angestellte. Insgesamt arbeiten in Bangladesch über vier Millionen Menschen in etwa 3500 Fabriken. Die Hälfte der Fabriken ist heute also potentiell immer noch unsicher. Aus diesem Grund ist es notwendig, dass mehr Firmen den Accord unterzeichnen.

Warum muss das Gebäudesicherheitsabkommen verlängert werden?

Im Juni 2017 ist eine dreijährige Verlängerung des Abkommens vereinbart worden. Die Verlängerung soll sicherstellen, dass die erzielten Verbesserungen beibehalten werden. Ferner kann der Accord nun auch auf Fabriken, die Schuhe oder Heimtextilien herstellen, oder auf Spinnereien sowie auf bisher nicht abgedeckte Risiken wie Boilerexplosionen ausgeweitet werden. Langfristig soll die Verantwortung für die Überprüfung der Fabriken an die Behörden in Bangladesch übergehen.

Warum sollten auch Schweizer Firmen ihre soziale Verantwortung wahrnehmen?

Die Clean Clothes Campaign fordert alle in Bangladesch produzierenden Bekleidungsfirmen auf, dem erweiterten Abkommen beizutreten. Von den Schweizer Unternehmen hat dies bis im April 2018 lediglich Tally Weijl getan. Obgleich Schweizer Firmen wie Chicorée, Coop, Mammut, Manor, Migros und Zebra in Bangladesch produzieren lassen, weigern sie sich bisher, das Abkommen zu unterzeichnen und setzen stattdessen auf freiwillige Massnahmen.

Offener Brief: Nie wieder Rana Plaza. Sicherheit geht vor!

Aus diesen Gründen fordert Public Eye alle Schweizer Firmen, die in Bangladesch produzieren lassen dazu auf, die Verlängerung des Gebäudesicherheitsabkommens zu unterzeichnen. Engagieren Sie sich mit uns.