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5 Jahre nach Rana Plaza: Offener Brief an Schweizer Modefirmen fordert Beitritt zum Gebäudesicherheitsabkommen

23. April 2018

Am 24.4. jährt sich zum fünften Mal jener Super-GAU der Textilindustrie, der 1138 Menschen in Bangladesch getötet und mehr als 2000 teils schwer verletzt hat. Damit eine solche Katastrophe nie mehr geschehen kann, hat die Clean Clothes Campaign zusammen mit anderen Organisationen ein Gebäudesicherheitsabkommen initiiert. Dieser bahnrechende „Accord“ wurde schon von 145 internationalen Modekonzernen unterzeichnet -- in der Schweiz bislang allerdings nur von Tally Weijl. Darum lanciert Public Eye nun einen offenen Brief an Chicorée, Coop & Co.

Am 24. April 2013 ist in einem Aussenbezirk von Dhaka der Rana-Plaza-Fabrikkomplex eingestürzt und hat tausende Menschen unter sich begraben. Anlässlich des fünften Jahrestags dieses durch Baumängel und Profitgier verursachten Unfalls fordern Public Eye und die Clean Clothes Campaign alle in Bangladesch produzierenden Bekleidungsfirmen auf, endlich dem „Accord on Fire and Building Safety in Bangladesh“ beizutreten. Mehr als 145 internationale Unternehmen haben das kürzlich verlängerte Abkommen bereits unterschrieben. Mit Tally Weijl ist darunter aber bislang nur eine Schweizer Firma. Andere Schweizer Kleiderproduzenten wie Chicorée, Coop, Mammut, Manor, Migros und Zebra lassen zwar ebenfalls billig in Bangladesch produzieren, ignorieren das Abkommen aber und setzen allenfalls auf freiwillige Initiativen.

Dabei wurde das Gebäudesicherheitsabkommen nach Rana Plaza geschaffen, um eben diesen Flickenteppich aus unverbindlichen Einzelmassnahmen mit oft unklarer Wirkung durch ein flächendeckendes und rechtsverbindliches Programm zu ergänzen. Fakt ist: Der „Accord“ hat die Arbeitsplätze von rund zwei Millionen Textilarbeiterinnen und -arbeitern sicherer gemacht. Inspektionsteams haben bis heute mehr als 1600 Fabriken unter die Lupe genommen und über 118 500 Gefahren im Bereich Feuerschutz, elektrische Installationen und Statik identifiziert. 83 Prozent dieser Gefahren sind inzwischen behoben worden.

All jene in Bangladesch produzierenden Unternehmen, die dem Abkommen trotz seiner anerkannten Wirkung nicht beitreten, stellen firmeneigene, freiwillige Massnahmen über verbindliche, branchenweite Programme. Angesichts der Dimension des Problems können solche Massnahmen aber bestenfalls eine Ergänzung, aber sicher kein Ersatz für das branchenweite und rechtsverbindliche Gebäudesicherheitsabkommen darstellen. Deshalb appelliert Public Eye an die Schweizer Bevölkerung, durch die Unterzeichnung des offenen Briefs „Nie wieder Rana Plaza“ den Druck auf die weiter abseits stehenden Schweizer Modefirmen zu erhöhen.

Mehr Informationen hier oder bei:
David Hachfeld, Textilexperte von Public Eye, 044 277 79 14, david.hachfeld[at]publiceye.ch 

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