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60 mal weniger Abgas-Schwefel: Aufatmen in Accra und Lagos, Schweigen in Bern und Genf

5. Juli 2017

Knapp zehn Monate nach Veröffentlichung von „Dirty Diesel" sind am 1. Juli in Ghana und Nigeria massiv tiefere Schwefel-Höchstwerte für importierte Treibstoffe in Kraft getreten. Der Bericht von Public Eye hatte das Geschäftsmodell mit minderwertigen Treibstoffen und die Rolle der Schweizer Rohstoffhandelsfirmen enthüllt. Unterstützt vom weltweiten Medienecho nutzten die afrikanischen Partner von Public Eye die öffentliche Empörung für einen wirksamen Politikwechsel. Bundespräsidentin Leuthard kann sich davon Mitte Juli bei ihrem Staatsbesuch in Ghana ein Bild machen.

Nach Ghana und Nigeria importierter Diesel darf neu maximal 50 ppm (parts per million, millionstel) Schwefel enthalten. Beim Benzin in Ghana sind es ebenfalls 50 ppm, in Nigeria 150 ppm. Zuvor lag der gesetzliche Grenzwert bei 3000 ppm für Diesel und 1000 ppm für Benzin. In der Schweiz gelten lange schon 10 ppm. Weil beide westafrikanischen Länder einen Grossteil ihres Treibstoffbedarfs importieren müssen, wird sich die Feinstaubbelastung in urbanen Ballungsräumen wie Accra und Lagos massiv reduzieren.

Im Dirty Diesel-Bericht forderte Public Eye folgende vier Akteure zum Handeln auf:

  • Zeitgemässe Schwefel-Grenzwerte von den Regierungen der betroffenen Länder
  • Exportbeschränkungen von den Behörden im Raum Amsterdam, Rotterdam und Antwerpen, wo schwefelreiche Treibstoffe primär produziert werden
  • Von der Schweizer Regierung verbindliche Sorgfaltspflichten für Firmen, die sich auch auf Produkte erstrecken
  • Verzicht der Schweizer Rohstoffhändler auf ihr toxisches Geschäftsmodell mit „African Quality“-Treibstoffen

Ghana wie auch Nigeria haben innert Jahresfrist gehandelt und in den Niederlanden sowie Belgien läuft immerhin eine politische Debatte über deren Export gesundheitsschädlicher Treibstoffe. Nur die Schweizer Regierung steckt den Kopf weiter in den Sand. Und die hiesigen Rohstoffhandelsfirmen wie Trafigura und Vitol sind nach wie vor nicht bereit, freiwillig etwas weniger hohe Profite in Kauf zu nehmen, um die Gesundheit der Menschen in Afrika zu schützen und verteidigen ihre Dirty Diesel-Deals, so lange sie irgendwo noch legal ist. In Nigeria versuchen derweil unter anderem jene Treibstoffimporteure, die mit Schweizer Rohstoffhändlern zusammenarbeiten, die Umsetzung des neuen Treibstoff-Standards zu torpedieren. Rob de Jong, der Transportverantwortliche beim UNO-Umweltprogramm UNEP sagt dazu: „Wir sind besorgt, dass Falschinformationen bezüglich der mit der Schwefelsenkung verbundenen Kosten die Einführung in Nigeria beeinflussen könnten. Dabei waren die Preiseffekte überall, wo auf solch neue Standards umgestellt wurde, völlig vernachlässigbar.“

Public Eye fordert von den Schweizer Rohstoffhandelsfirmen, dass sie zumindest ihr Bekenntnis zur Respektierung von Schwefel-Höchstwerten einhalten, nicht gegen die Implementierung lobbyieren und dies auch von ihren Geschäftspartnern in Nigeria verlangen.

Mehr Informationen hier oder bei:

Oliver Classen, Mediensprecher, oliver.classen[at]publiceye.ch, 044 277 79 06

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