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Ballonbotschaft an Berset: Über 13‘000 Unterschriften gegen unethische Medikamentenversuche

Bern, 22. November 2013

Bern, 22.11.2013 - In der Bevölkerung hat das „Berseticum forte“ der EvB bereits Wirkung gezeigt. 13‘017 BürgerInnen haben Gesundheitsminister Alain Berset aufgefordert, der Zulassungsbehörde Swissmedic strengere und verbindlichere Kontrollen bei klinischen Medikamententests vorzuschreiben. Bei der heutigen Übergabe des Petitionspakets wurden Berset-Ballons in den Himmel geschickt mit der Botschaft: Es braucht mehr als fromme politische Wünsche, damit Menschen in Entwicklungs- und Schwellenländern nicht mehr Versuchskaninchen der Pharmakonzerne werden.

Ballonbotschaft an Berset: Über 13‘000 Unterschriften gegen unethische Medikamentenversuche

Ballonbotschaft an Berset: Über 13‘000 Unterschriften gegen unethische Medikamentenversuche
© Erklärung von Bern/ Rita Peter

Wegen strategischer und finanzieller Vorteile führen Unternehmen ihre klinischen Versuche zunehmend in Entwicklungs- und vor allem in Schwellenländern durch. Dies gilt auch für Schweizer Pharmagrössen wie Roche, Novartis und Actelion. Die Auslagerung von Medikamententests in solche Länder findet in einem intransparenten Umfeld statt und geht mit schwerwiegenden ethischen Verstössen einher. Damit das für die Medikamentenzulassung in der Schweiz zuständige Institut Swissmedic diesem Skandal endlich entgegenwirkt, hat die EvB konkrete Missstände dokumentiert und ist damit beim verantwortlichen Bundesrat Alain Berset vorstellig geworden.

Die zweimonatige EvB-Kampagne hat die heikle Thematik ins Bewusstsein der Schweizer Öffentlichkeit gerückt. Das Problem wird von diversen Ethik-Instituten anerkannt und einige davon – z. B. die Kantonale Ethikkommission des Kantons Zürich – unterstützen Massnahmen gegen diese Missstände. Die rund 13‘000 heute beim Eidgenössischen Departement des Innern (EDI) deponierten Unterschriften setzen ein weiteres Ausrufezeichen hinter die Forderungen der Kampagne (siehe unten). Auf dem Schweizer Markt sollen künftig keine ethisch fragwürdig getesteten Medikamente im Umlauf sein und in diesem heiklen Geschäftsbereich der Pharmafirmen braucht es mehr behördliche Kontrolle und grössere Transparenz. Als politischer Auftraggeber der Zulassungsbehörde kann Alain Berset für eine ethisch einwandfreie Testpraxis sorgen und in der Leistungsvereinbarung von Swissmedics so griffige Kontrollen festschreiben, wie sie im EU-Raum bereits angestrengt werden.

Zurzeit laufen immerhin erste Gespräche zwischen Bundesrat und Behörde, wie Alain Berset kürzlich in seiner Antwort auf eine parlamentarische Anfrage mitgeteilt hat. Eine Interpellation zu dieser Frage im Nationalrat muss in der kommenden Wintersession vom Bundesrat beantwortet werden. Es ist zu hoffen, dass dabei in der neuen Vereinbarung von Swissmedics neue, verbindliche und überprüfbare Kontrollaufgaben festgelegt werden. Denn bislang holen auch Schweizer Pharmafirmen bei ihren Tests in Entwicklungs- und Schwellenländern zuweilen Einverständnisse von Testpersonen nicht korrekt ein, verabreichen missbräuchlich Placebos, brechen Behandlungen zu früh ab oder entschädigen gravierende Nebenwirkungen nicht. Swissmedic müsste die Einhaltung der diesbezüglichen Standards strenger und konsequenter überwachen.

Mehr Informationen bei:

Oliver Classen, EvB-Mediensprecher, Tel. 044 277 70 06, oliver.classen(at)evb.ch

Hintergrund„Berseticum forte“ – Zusammensetzung des politischen EvB-Präparats1) Swissmedic soll für klinische Versuche in Schwellen- und Entwicklungsländern, die der Medikamentenzulassung in der Schweiz dienen, nachträgliche ethische Kontrollen einführen.2) Alle, also auch im Ausland durchgeführte Medikamententests, die der Schweizer Marktzulassung dienen, sollen in dem geplanten nationalen Register erfasst werden.3) Swissmedic soll sämtliche Berichte zu den Versuchen veröffentlichen, welche als Entscheidungsgrundlage für eine Zulassung dienen.4) Die Pharma-Industrie soll Entwicklungs- und Schwellenländer nicht als Labore betrachten und Menschen aus Profitüberlegungen als Versuchskaninchen missbrauchen.5) Klinische Versuche sollten nur noch dann im Ausland durchgeführt werden, wenn die lokale Bevölkerung wirklich und direkt von deren Ergebnissen profitieren kann.

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