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Das IOC ignoriert die Botschaft von 523’048 Menschen

12. August 2004

Zürich und Athen, 12.08.2004 - Die Kampagne «Play Fair bei Olympia» präsentiert heute in Athen die Resultate der weltweiten Mobilisierung für bessere Arbeitsbedingungen in den Sportbekleidungsfabriken. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) weigerte sich aber, die Unterschriften am Vorabend der Eröffnung der Sommerspiele Athen 2004 entgegenzunehmen.

Mit den Aktionen in Athen ist eine der bisher grössten Kampagnen für bessere Arbeitsbedingungen in den Sportbekleidungsfabriken auf dem Höhepunkt. In den vergangenen fünf Monaten haben sich in über 50 Ländern Hunderte von Organisationen und Sporttreibenden an der Kampagne «Play fair bei Olympia» beteiligt die das IOC auffordert, bei ihren Sponsoren und Lizenznehmern bessere Arbeitsbedingungen durchzusetzen.

Heute traf das 25-köpfige Veloteam aus Belgien und Holland in Athen ein, das vor 14 Tagen in Leuven (Belgien) zu einer Solidaritätsvelotour quer durch Europa gestartet war. Auf ihrer über 2000 km langen Reise machten sie unter anderem in Luzern und Bellinzona Zwischenhalt. „Mit dieser Tour haben wir alle unsere eigenen Rekorde gebrochen“, sagte Jef Verhoof, der Sprecher des Teams, «jeden Tag einen Rekord erbringen auch die Näherinnen und Näher in den Sportbekleidungsfabriken. Während uns diese Leistung viel Spass und Freude bereitete, ist die Leistung in den Fabriken eine unmenschliche Schinderei.»

In Athen sollten 523’048 weltweit gesammelte Botschaften mit der Forderung nach besseren Arbeitsbedingungen dem IOC übergeben werden. Doch die Sportfunktionäre weigerten sich, die Unterschriften entgegen zu nehmen. Bereits am 10. August versammelten sich deshalb 20 Frauen mit Nähmaschinen auf einem Dach in Sichtweite der Akropolis. Mit gesichtslosen Masken bekleidet, machten sie in einem stillen Protest auf die miserablen Arbeitsbedingungen von Hunderttausenden von Fabrikarbeiterinnen aufmerksam: Hungerlöhne, Belästigungen und 16-Stunden Arbeitstage gehören in den Sportbekleidungsfabriken zum Alltag.

Selbst fürs IOC widersprechen die vorherrschenden Arbeitsbedingungen dem olympischen Geist. Dennoch weigert sich das IOC bisher strikt, die olympischen Werte von Ethik und Fairplay auch bei ihren Sponsoren und Lizenznehmern durchzusetzen (Wert der Verträge von 2000 – 2004: 1,42 Milliarden US-$). Nach einem ersten Treffen im Mai 2004 brach das IOC den Dialog mit der internationalen Kampagne wieder ab. «Die Solidarität aktiver Sportlerinnen und Sportler sollte dem IOC ein Vorbild sein und doch noch ein Umdenken herbeiführen», fordert Stefan Indermühle von der Erklärung von Bern (EvB).

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