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EvB fordert von Credit Suisse sofortigen Ausstieg aus Sachalin-Grossprojekt

27. Juni 2008

Die Credit Suisse (CS) beteiligt sich direkt an der Finanzierung des weltweit grössten Öl- und Gasförderungsprojekts auf der Insel Sachalin vor der Küste Ostsibiriens. Dies obwohl beim Hochrisiko Projekt „Sachalin II“ unzählige Fälle von krasser Verletzung internationaler Umweltstandards dokumentiert sind und es die letzten Exemplare des Westpazifischen Grauwal existentiell bedroht. Damit verliert die Behauptung der CS, Umweltanliegen ernst zu nehmen, jede Glaubwürdigkeit.

Das von Shell operativ geführte und von Gasprom kontrollierte Konsortium „Sakhalin Energy Investment Company“ (SEIC) macht seit Jahren schon Negativschlagzeilen. „Die lange Liste von Experten, welche die Umweltschäden und Standardverletzungen dokumentiert haben, zeigt den internationalen Konsens, dass Sachalin II ein Desaster ist,“ meint Dimitry Lisitsyn von der lokalen Umweltorganisation Sakhalin Environment Watch. Ein Auszug aus dem Sündenregister des Megaprojekts: Beim Bau von zwei Pipelines, die längs über die Insel führen und dabei 1100 Flüsse durchschneiden, wurden die Laichgründe sehr seltener Fischarten geschädigt. Fehlender Erosionsschutz und Erdrutsche führen zum Eintrag massiver Sedimente in die Flüsse. Und die Empfehlungen des zum Schutz der letzten Westpazifischen Grauwale eingesetzten Expertengremiums wurden von den Betreibern wiederholt missachtet. Kein Wunder also gelang es SEIC nicht, die angestrebten Finanzierungshilfen der Europäischen Entwicklungsbank sowie der britischen und US-amerikanischen Exportkreditagentur zu erhalten. Selbst die russischen Umweltbehörden verstummten erst, als der Kreml eine Mehrheitsbeteiligung von Gasprom an Sachalin II durchsetzte.

Die EvB und ihre internationalen Partnerorganisationen protestierten 2005 bereits gegen die Rolle von Credit Suisse als Beraterin („Financial Advisor“) für Sachalin II . Nach Angaben der Fachpublikation „Project Finance Magazine“ beteiligt sich die CS nun gar an einem Kredit von sechs Banken in der Höhe von 1,6 Milliarden US-Dollar für die letzte Etappe des Baus und die Inbetriebnahme. Diese aktive Unterstützung widerspricht fundamental früheren Aussagen der Grossbank, sie hätte nur ein Beratungsmandat. Da es sich um eine direkte Projektfinanzierung handelt, fällt diese unter die von der CS unterzeichneten „Equator Principles“, ein internationaler Umwelt- und Sozialstandard für solche Finanzierungen. „Sachalin II ist gegenwärtig wohl das weltweit am schlechtesten gemanagte und für Mensch und Umwelt risikoreichste Grossprojekt. Die Credit Suisse beteiligt sich als einzige der Erstunterzeichner-Banken der Equator Principles an dessen Finanzierung. Dies zeigt, dass die CS für schnellen Profit ihre eigenen Richtlinien ignoriert und selbst das Aussterben einer Walart in Kauf nimmt“, sagt Andreas Missbach, Finanzexperte der Erklärung von Bern.

Andreas Missbach, EvB-Programmleiter Banken und Finanzplatz, Tel. 044 277 70 07, amissbach[at]evb.ch

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