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EvB-Umfrage zeigt: Nestlé schweigt und übrige Schweizer Schoggi-Firmen verstecken sich hinter Vorzeigeprojekten

21. Juni 2010

Zürich, 21.06.2010 - Die letztjährige Osterkampagne der Erklärung von Bern (EvB) hat die Schweizer Schokoladeproduzenten aufgerüttelt: 10 von 18 Firmen haben unseren neuen Fragebogen zu Nachhaltigkeit und sozialer Verantwortung beantwortet – im Gegensatz zu nur einer Antwort 2009. Intransparente Beschaffungsketten für Kakao bleiben jedoch das grösste Hindernis, um üble Arbeitsbedingungen und die weit verbreitete Kinderarbeit auf den Kakaoplantagen Westafrikas abzuschaffen. Und Nestlé stellt sich weiter tot.

Die Bereitschaft der Schweizer Schoggi-Branche, Auskunft über Lieferketten und Einkaufspolitik zu geben, ist enorm gestiegen. Die kürzlich durchgeführte zweite EvB-Umfrage zu Nachhaltigkeit, Transparenz und sozialer Verantwortung haben 10 von 18 angefragten Firmen ausgefüllt. Von den übrigen acht haben vier immerhin ausführlich Stellung genommen, und nur die verbleibenden vier Konzerne hüllen sich weiter in Schweigen. Es sind dies Pfister, Villars, Gysi und die notorischen Geheimniskrämer von Nestlé. Ansonsten zeigen die Reaktionen im Vergleich zum letzten Jahr ein gesteigertes Interesse am Direktbezug von Kakaobohnen bei Kooperativen im globalen Süden. Wer seinen Rohstoff bei den organisierten Bauern bezieht, weiss, woher die Ware kommt und hat die Möglichkeit, mit den Kooperativen direkt über Qualität und Preis zu verhandeln. Fast alle Unternehmen präsentierten zudem mindestens ein Vorzeigeprojekt. Coop-Zulieferer Chocolats Halba etwa unterstützt ein Agro-Forstprojekt in Honduras, die Max Felchlin AG wird von bolivianischen Bauern mit Wildkakao beliefert und Chocolat Frey arbeitet mit Barry Callebaut für nachhaltige Kakaobohnen aus der Elfenbeinküste zusammen.


So vorbildlich diese Initiativen auch klingen, diese Einzelprojekte sind nur ein Tropfen auf den heissen Stein, da mit ihnen nur ein geringer Teil des Schweizer Kakaobedarfs gedeckt wird. Die Unternehmen wissen nach wie vor nicht, woher der Grossteil ihrer Kakaobohnen kommt. Die Nachhaltigkeitsprojekte und Zusammenarbeit mit einzelnen Bauernkooperativen in Lateinamerika und Westafrika eignen sich für die Unternehmen natürlich vorzüglich, um ihr angekratztes Image aufzupolieren. Hochglanzbroschüren und Feel-Good-Websites sollen den Konsumierenden das Gefühl geben, die Unternehmen nähmen ihre Verantwortung wahr. In Wahrheit hat sich die Lage der meisten Bauernfamilien jedoch nicht verändert. Sie arbeiten nach wie vor unter prekären Bedingungen, da sie wegen fehlender Abnahmegarantien und zu tiefer Preise immer noch darauf angewiesen sind, ihre Kinder auf die Plantage statt zur Schule zu schicken.

Die EvB fordert deshalb von der Schweizer Schokoladeindustrie endlich transparente Lieferketten, faire Arbeitsbedingungen und langfristige Lieferverträge mit allen Kakaobauern. Faire und nachhaltiger Kakao soll nicht nur Standard für die Premium-Schokolade sein. Jedes Kakaoprodukt, inklusive der Kakaobutter, soll in Zukunft ohne Kinderarbeit auskommen – damit den Konsumierenden die Schokolade wieder wirklich schmeckt.

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