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16. September 2011

Zürich, 16.09.2011 - 2001 verpflichtete sich die globale Schokoladenindustrie in einem Sechs-Punkte-Plan dazu, den schlimmsten Formen von Kinder-und Zwangsarbeit in der Kakao-Produktion ein Ende zu setzen. Zehn Jahre später ist klar, dass es sich bei dem sogenannten Harkin-Engel-Protokoll um ein leeres Versprechen handelt. Der Kakao-Sektor hat es in zehn Jahren nicht geschafft, auch nur ein einziges der sechs selbst gesetzten Ziele zu erreichen. Daher lancieren Nichtregierungsorganisationen, darunter auch die Erklärung von Bern, am zehnten Geburtstag des Protokolls, dem 19.09.2011, die internationale “10 Campaign“.

Geschätzte 1,8 Millionen Kinder arbeiten in der Kakao-Produktion in der Elfenbeinküste und Ghana, viele von ihnen unter gesundheitsgefährdenden Bedingungen. Diesem und anderen Missständen in der Kakaoproduktion sollte das Harkin-Engel-Protokoll der Kakaoindustrie wirksam begegnen. Im Auftrag der US-Regierung untersuchte die angesehene US-Universität Tulane die Umsetzung des Protokolls. Der Schlussbericht ist vernichtend: Keiner der sechs Punkte des Protokolls wurde vollständig umgesetzt. Das Scheitern der freiwilligen Selbstverpflichtung zeigt: Um die menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen in der Kakao-Produktion wirksam zu bekämpfen, braucht es eine strenge Regulierung. Von 2001 bis 2011 wurde mit Kakao-Produkten ein Umsatz in Höhe von etwa einer Billion US-Dollar gemacht – auf Kosten der Gesundheit, der Bildung und somit der Zukunft von Tausenden von Kindern.

Die globale “10 Campaign“ fordert die Regierungen daher auf, endlich Verantwortung zu übernehmen. Staatliche Regulierung soll sicherstellen, dass die Kakaofirmen ihre Lieferkette von einer unabhängigen Stelle prüfen lassen. Auch sollen die Firmen via Gesetz dazu verpflichtet werden, ihre Bemühungen zur Bekämpfung der Kinderarbeit offen zu legen. Zudem braucht es eine unabhängige Instanz, welche die Fortschritte in der Branche überwacht und Bericht erstattet. So kann die Kakaobranche ihre Sorgfaltspflicht in Bezug auf die Lieferkette nicht mehr umgehen.

„Es ist noch ein weiter Weg für die Kakao-Industrie und die betroffenen Menschen hin zu einer menschenwürdigen Produktion von Kakao“, sagt Flurina Doppler, Leiterin des Bereichs Konsum bei der Erklärung von Bern. „Deshalb fordert die “10 Campaign“ die Regierungen heute dazu auf, die Unternehmen in die Pflicht zu nehmen, so dass sie ihr Bekenntnis, die Menschenrechtsverletzungen im westafrikanischen Kakao-Sektor zu beenden, auch tatsächlich wahrnehmen“, fügt Antonie Fountain, Sprecher der internationalen “10 Campaign“, hinzu.

Die 10-Kampagne ist eine internationale Kampagne zur Bekämpfung von Kinder- und Zwangsarbeit in der Kakaoproduktion. Die Kampagne wird von verschiedenen Einzelpersonen mit Erfahrung im Bereich Kakao sowie von folgenden Organisationen getragen:

• Australien: STOP THE TRAFFIK, World Vision Australia
• Deutschland: Südwind Institut
• Belgien: STOP THE TRAFFIK
• Burkina Faso: Condéderation Syndicale Burkinabé
• England: STOP THE TRAFFIK
• Kanada: STOP THE TRAFFIK
• Niederlande: STOP THE TRAFFIK, FNV Bondgenoten, Fairfood International, Stop Child Labour
• Schweiz: Erklärung von Bern
• USA: International Labor Rights Forum (ILRF)


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