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Grösste Schweizer Raffinerie profitiert von Schmuggelgold aus Kinderarbeit

Zurich/Lausanne, 10. September 2015

Woher kommen die Schweizer Goldimporte aus dem westafrikanischen Togo, das über gar keine solchen Vorkommen verfügt? Der EvB-Report „Ein goldenes Geschäft“ deckt auf: Das Gold stammt aus kleingewerblichen Minen in Burkina Faso, wo Zehntausende Kinder es unter lebensgefährlichen Bedingungen aus dem Boden holen. Das kostbare Gut wird nach Togo geschmuggelt, von wo es eine Genfer Handelsfirma importiert und an die Tessiner Raffinerie Valcambi weiter verkauft. Der Fall zeigt die Notwendigkeit einer gesetzlichen Sorgfaltsprüfungspflicht für Schweizer Unternehmen.

© Pep Bonnet/Noor/Keystone, 2015

Allein 2014 wurden knapp sieben Tonnen Gold aus Togo in die Schweiz eingeführt. Abgebaut wurde es jedoch im Nachbarland Burkina Faso: Dies belegen auf exklusiven Dokumenten beruhende EvB-Recherchen, die den verschlungenen Weg dieses Edelmetalls erstmals nachzeichnen. Demnach wird es fast zur Hälfte von Kinderhänden gefördert. Ein libanesischer Familienkonzern mit Genfer Hauptsitz, die Ammar-Gruppe, kauft den Rohstoff dann in Lomé, wäscht ihn per Export weiss und liefert das Gold an die Tessiner Raffinerie Valcambi. Rund 70 Prozent des weltweit jährlich produzierten Goldes werden von Schweizer Firmen verarbeitet. Für den Rohstoffplatz Schweiz mit seinen vier Grossraffinerien, die alle schon in Skandale verwickelt waren, bedeutet dies ein besonderes Reputationsrisiko.

Die Mineure in Burkina Faso leisten 12-Stunden-Schichten und sind existenziellen Sicherheits- und Gesundheitsrisiken ausgesetzt. 30 bis 50 Prozent davon sind minderjährig. Nach den Kriterien der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) verrichten sie die „schlimmste Form von Kinderarbeit“. Durch den Schmuggel entgehen Burkina Faso, einem der ärmsten Länder der Welt, zudem wichtige Steuereinahmen. Für 2014 schätzt die EvB diesen Verlust (äusserst konservativ) auf fast 7 Mio. Franken. Das entspricht einem Viertel all jener staatlichen Schweizer Gelder, die letztes Jahr in dieses traditionelle Schwerpunktland unserer bilateralen Entwicklungszusammenarbeit geflossen sind.

Die Ammar Gruppe wie auch Valcambi müssten eigentlich um den fragwürdigen Ursprung dieses Goldes wissen. Die Tessiner Grossraffinerie hat sich in ihrem „Code of Conduct“ sogar explizit zur freiwilligen Überprüfung ihrer Lieferkette verpflichtet. Auch die offizielle Schweiz schaut weg und vertraut weiter den Versprechen der Firmen. Zur Verhinderung der Beteiligung von Schweizer Unternehmen an solchen und ähnlichen Menschenrechtsverletzungen hat eine breite NGO-Koalition, darunter auch die EvB, im April eine Volksinitiative für verantwortungsvolle multinationale Konzerne lanciert. Das Vertrauen der Schweizer Politik in Firmenmassnahmen kritisierte kürzlich auch der UNO-Ausschuss für Kinderrechte. Das gewichtige Gremium zeigte sich „besorgt, dass (die Schweiz) allein auf freiwillige Selbstregulierung setzt“ und forderte die Erarbeitung eines „klaren regulatorischen Rahmens“.

Bilder aus den Minen sind (unter Beachtung des Copyrights) zur freien Verfügung.

Weitere Infos hier oder bei

Oliver Classen, EvB-Mediensprecher, 044 277 70 06, oliver.classen(at)evb.ch

Report "A Golden Racket - The True Source of Switzerland's 'Togolese' Gold"

— Woher kommen die Schweizer Goldimporte aus dem westafrikanischen Togo, das über gar keine solchen Vorkommen verfügt? Der 40seitige englischsprachige EvB-Report „A Golden Racket“ deckt auf: Das Gold stammt aus kleingewerblichen Minen in Burkina Faso, wo Zehntausende Kinder es unter lebensgefährlichen Bedingungen aus dem Boden holen.

Executive Summary "A Golden Racket: The True Source of Switzerland‘s 'Togolese' Gold – A Berne Declaration Investigation" (PDF, 2.2 MB)

— Executive Summary of the original 40 pages report "A Golden Racket: The True Source of Switzerland‘s “Togolese” Gold – A Berne Declaration Investigation" (English).

Ein goldenes Geschäft: Eine Sonderausgabe der "erklärung!" (PDF, 5.9 MB)

— Auf 22 Seiten wird im deutschsprachigen Bericht "Ein goldenes Geschäft" die wahre Geschichte der Herkunft der Schweizer Goldimporte aus Togo erzählt. Das Gold stammt ursprünglich aus kleingewerblichen Minen in Burkina Faso, wo Zehntausende Kinder es unter lebensgefährlichen Bedingungen aus dem Boden holen. Das kostbare Gut wird nach Togo geschmuggelt, von wo es eine Genfer Handelsfirma importiert und an die Tessiner Raffinerie Valcambi weiter verkauft. Der Fall zeigt die Notwendigkeit einer gesetzlichen Sorgfaltsprüfungspflicht für Schweizer Rohstoffunternehmen.

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