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Industrieländer blockieren gerechten Zugang der Entwicklungsländer zu Grippe-Impfstoffen

18. Mai 2009

Zürich/Genf, 18.05.2009 - Angesichts der schwelenden Schweinegrippe-Pandemie wird an der heute beginnenden 62. Weltgesundheitsversammlung in Genf eine Frage im Mittelpunkt stehen: Werden die Industrieländer den Ländern des Südens einen gerechten Zugang zu Grippe-Impfstoffen ermöglichen oder nicht? Die Erklärung von Bern fordert die Regierungen des Nordens auf, ihre Blockade der Verhandlungen aufzugeben und der notwendigen Vereinfachung des Zugangs zu Grippe-Impfstoffen nicht länger im Wege zu stehen.

Anfang 2007 rückte das Problem erstmals in den Blickpunkt der Weltöffentlichkeit, als das indonesische Gesundheitsministerium bekannt gab, es werde dem “Globalen Grippe-Überwachungsnetz” der WHO (GISN) keine Vogelgrippe-Viren mehr zukommen lassen, da das System die Interessen und Bedürfnisse der Entwicklungsländer nicht beachte. Zwar bekommen Pharmafirmen über die WHO einen kostenlosen Zugang zu Viren, die daraus entwickelten Impfstoffe werden aber mit Patenten geschützt, was den Zugang für die Entwicklungsländer erschwert. Zudem platzieren viele Industriestaaten bereits im Voraus Kaufbestellungen, was – aufgrund der beschränkten Produktionskapazitäten – den Zugang für die am meisten Betroffenen nochmals behindert. Man weiss, dass es im Falle einer Pandemie weltweit zu wenig Impfstoffe gibt, doch es ist bereits klar, dass diese die Industriestaaten bekommen.

Gemäss der Biodiversitätskonvention (CBD) haben die Geberstaaten von genetischem Material das Anrecht auf eine gerechte Aufteilung des Nutzens – genau dies muss jetzt bei den Grippeviren umgesetzt werden. Die von Indonesien, Thailand, Indien, Nigeria und Brasilien angeführten Entwicklungsländer verlangen von den Pharmafirmen entweder auf Geistige Eigentumsrechte im Zusammenhang mit dem Virenmaterial zu verzichten, oder der Weltgesundheits­organisation eine gebührenfreie Lizenz abzutreten, welche an Entwicklungsländer weitergereicht werden könnte. Zusätzlich sollen mindestens 10% der produzierten Impfstoffe für die Entwicklungsländer reserviert werden.

Die Erklärung von Bern verurteilt die zynische Haltung der Pharmafirmen, welche diese Lösung ablehnen und weiterhin einen freien Zugang zu Grippeviren möchte ohne den Nutzen gerecht zu teilen. Dieselben Firmen – darunter auch die Schweizer Pharmakonzerne – versuchen gleichzeitig bei den Verhandlungen für ein Vertragswerk über den Zugang und der gerechten Aufteilung des Nutzens genetischer Ressourcen im Rahmen der CBD Pathogene auszuschliessen. Sie spielen dabei ein gefährliches Spiel, denn ohne Zugang zu den genetischen Ressourcen ist auch unsere Gesundheitsversorgung gefährdet.

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