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Kambodscha: Landesweite Lohnproteste gegen H&M, Adidas und Co

Zürich, 17. September 2014

Tausende von TextilfabrikarbeiterInnen protestieren heute gegen die Salärpolitik von H&M, Adidas, GAP, Levis, C&A, Inditex und Puma. Sie tragen T-Shirts mit der Forderung nach 177 Dollar Mindestlohn und verlangen von den Hauptkunden der kambodschanischen Bekleidungsindustrie, dass sie sich öffentlich zu dieser Untergrenze bekennen. Die Clean Clothes Campaign (CCC) unterstützt sie dabei mit Solidaritätsaktionen in Europa.

(c) Heather Stilwell

Dem heutigen nationalen Protesttag ging ein Jahr intensive Gewerkschaftsarbeit in Kambodscha voraus. Schon Ende 2013 wurde eine kollektive Lohnerhöhung gefordert. Der damalige Protest in den Fabriken und auf der Strasse eskalierte, als Polizei und Militär gewaltsam intervenierten. 4 Menschen starben, um die 40 wurden verletzt und 23 weitere für mehrere Monate inhaftiert. “Markenfirmen drücken die ohnehin schon tiefen Preise. Es ist höchste Zeit, für einen Existenzlohn. Die Anhebung des gesetzlichen Mindestlohns auf 177 Dollar wäre ein Schritt in diese Richtung“, so Ath Thorn, Präsident der federführenden Gewerkschaft C.CAWDU.

Die kambodschanischen Gewerkschaften und die in der Schweiz von der EvB koordinierte Clean Clothes Campaign fordern H&M, Adidas, GAP, Levis, C&A, Inditex und Puma sowie alle weiteren Kunden der kambodschanischen Bekleidungsindustrie auf, den gesetzlichen Mindestlohn von 177 Dollar öffentlich zu unterstützen. Darüber hinaus erwartet die Zivilgesellschaft von den Firmen folgende drei Schritte in Richtung Existenzlohn:

  • Ein öffentliches Bekenntnis zu langfristiger Produktion in Kambodscha, auch bei einem Lohnanstieg.
  • Eine Anhebung der eigenen Einkaufspreise zur Ermöglichung des höheren Mindestlohns.
  • Direkte Verhandlungen mit den Textilgewerkschaften und die Unterzeichnung von Kollektivvereinbarungen.

H&M als einer der grössten Kunden in Kambodscha sollte dabei vorangehen. Der Konzern hatte im November 2013 einen „Aktionsplan für einen fairen Existenzlohn“ präsentiert und ein Pilotprojekt in Kambodscha angekündet. Offen bleibt bis heute, welche Lohnhöhe dabei als „fair“ angestrebt wird. Am 1. Oktober 2014 starten weitere Verhandlungen zum gesetzlichen Mindestlohn für die Textilindustrie. Der Arbeitgeberverband sprach sich bisher für eine  Anhebung der Löhne auf lediglich 115 Dollar auf. Damit blieben die über 500‘000 kambodschanischen Textilarbeiterinnen trotz langen Arbeitstagen in der Armutsspirale gefangen. Viele sind infolge der Dumping-Löhne mangelernährt. Ein Existenzlohn müsste fast viermal höher sein als der aktuelle gesetzliche Mindestlohn von 100 Dollar.

 Mehr Informationen über Existenzlöhne hier oder bei

Christa Luginbühl, CCC-Koordinatorin bei der EvB, 044 277 70 19, ccc(at)evb.ch

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