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Killer Jeans: Luxuslabels und Billigmarken lassen weiter sandstrahlen

6. April 2011

Zürich, 06.04.2011 - Ungeachtet der zum Teil tödlichen Folgen für die ArbeiterInnen wenden viele Unternehmen die Sandstrahltechnik weiterhin an. Anlässlich des morgigen Weltgesundheitstags fordert die Clean Clothes Campaign von Modefirmen darum einen sofortigen Produktionsstopp von sandgestrahlten Jeans. Eine Firmenübersicht auf www.evb.ch/sandstrahlen zeigt den KonsumentInnen, welche Firmen sich in dieser Frage wie verhalten.

Vintage-Jeans werden mit der Sandstrahltechnik auf alt getrimmt – mit tödlichen Nebenwirkungen für die Arbeiter, die innert kürzester Zeit an der unheilbaren Lungenkrankheit Silikose erkranken. Die Clean Clothes Campaign macht seit Herbst 2010 Druck auf die dafür verantwortlichen Hersteller. Über 20 Markenfirmen haben inzwischen öffentlich ein Sandstrahlverbot für ihre Jeansprodukte erlassen, darunter bekannte Namen wie Benetton, C&A, Coop, Esprit, Jack&Jones, H&M, Levis, Mango, Manor, Migros, Replay oder Vero Moda.

Die meisten Luxusmarken zeigen sich jedoch unbeeindruckt von den CCC-Forderungen. Einzig Gucci hat reagiert, ein Sandstrahlverbot erlassen und in Zusammenarbeit mit lokalen Gewerkschaften eine Untersuchung eingeleitet. Armani, Dolce&Gabbana, Roberto Cavalli und Versace hüllen sich weiter in Schweigen, ebenso die Billigkette Orsay. Die Trendmarke New Yorker, mit 842 Filialen in 31 Ländern vertreten, will gar an der tödlichen Technik festhalten. «Es ist beschämend, dass Unternehmen wie New Yorker das Leben der ArbeiterInnen mit diesem Modetrend wissentlich aufs Spiel setzen und dass Luxusmarken wie Armani die Forderung völlig ignorieren.» empört sich Christa Luginbühl von der Erklärung von Bern / Clean Clothes Campaign. Und sie fordert: «Alle Firmen müssen jetzt ein lückenloses Verbot durchsetzen. Und sie müssen endlich Verantwortung für die vielen schon erkrankten ArbeiterInnen übernehmen.»

Aufgrund des immensen Produktionstempos und den körperlichen Anforderungen werden meist junge Männer, oft Wanderarbeiter, als Sandstrahler angestellt. Die ersten in der Türkei bekannt gewordenen Todesfälle betrafen zwei Jugendliche, die im Alter von 13 und 14 Jahren als Sandstrahler anfingen und mit 18, respektive 19 Jahren an Silikose starben. Alleine in der Türkei sind über 1200 Erkrankungs- und 46 Todesfälle bekannt. In Bangladesch boomt die Jeansindustrie und die Situation ist ähnlich dramatisch wie in der Türkei. CCC-Partner schätzen, dass es dort bereits mehrere hundert Kleinfabriken gibt, die Jeans behandeln.

Um Jeans-KäuferInnen eine Orientierungshilfe zu geben, zeigt die CCC unter www.evb.ch/sandstrahlen wie sich welche Markenfirma zur Sandstrahltechnik positioniert. Und sie ruft KonsumentInnen auf, in den Läden diesbezüglich nachzufragen und nur Produkte zu kaufen, die nicht sandgestrahlt wurden. Zudem lanciert die CCC anlässlich des Weltgesundheitstages eine Online-Protestaktion gegen die Ignoranten unter den Firmen.

Die Clean Clothes Campaign (CCC) setzt sich für Verbesserungen der Arbeitsbedingungen in der globalen Bekleidungsindustrie ein. Sie unterhält nationale Kampagnen in 15 europäischen Ländern und ein Netzwerk von 250 Organisationen weltweit. In der Schweiz wird die CCC-Arbeit von der Erklärung von Bern koordiniert und von 19 nationalen NGO mitgetragen.

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