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Killer-Jeans: Migros und Manor folgen Aufruf zum globalen Bann der Sandstrahltechnik

22. Dezember 2010

Zürich, 22.12.2010 - Sandstrahler geben neuen Jeans den trendigen Vintage-Look und bezahlen dafür häufig mit dem Leben. Betroffen davon sind Tausende von Textilarbeitern weltweit. Bei einer Konferenz in Istanbul mit mehr als 100 Organisationen aus über 40 Ländern verabschiedeten die Clean Clothes Campaign (CCC) und ihre Partner ein Manifest und fordern von den Modefirmen, darunter Schweizer Produzenten, einen sofortigen Produktionsstopp sandgestrahlter Jeans. Migros und Manor reagierten gestern und künden die Einstellung dieser Bearbeitungstechnik an.

Brandneue Jeans sollen so aussehen, als wären sie schon lange getragen worden. Das Geschäft mit Vintage-Style und Used-Look ist entsprechend lukrativ. Teuer für diesen Trend bezahlen aber nicht nur die Kundinnen, sondern vor allem die Sandstrahler, welche dafür in Bangladesch, Mexiko, Ägypten oder China riskieren, akute Silikose zu bekommen. Diese Lungenkrankheit ist unheilbar und oft tödlich. Allein in der Türkei, wo Sandstrahlen bis März 2009 erlaubt war, sind heute 46 Todesfälle infolge Sandstrahlens bekannt und gegen 1200 Krankheitsfälle registriert. Von den geschätzten 10`000 türkischen Sandstrahlern dürfte rund die Hälfte an Silikose erkrankt sein. Weltweit wird von einer hohen Dunkelziffer ausgegangen.

Jeans werden oft in Ländern produziert, wo selbst grundlegende Massnahmen zur Arbeitsplatz- sicherheit nicht respektiert werden. Modefirmen können daher die Einhaltung der hohen Sicherheitsvorschriften, die für risikoarmes Sandstrahlen nötig sind, nicht garantieren. Das Solidaritätskomitee der Sandstrahlarbeiter, die in der Schweiz von der EvB koordinierte Clean Clothes Campaign und Dutzende weiterer NGO fordern deswegen einen sofortigen globalen Bann dieser fatalen Technik in der Jeansproduktion. Modefirmen sollen durch geeignete Überprüfungs- mechanismen in Zusammenarbeit mit den örtlich ansässigen Gewerkschaften und NGO die Durchsetzung dieses Stopps in der gesamten Produktionskette sicherzustellen und Verantwortung für die bereits erkrankten Arbeiter übernehmen. Zudem ermuntern sie die Regierungen, Importverbote für sandgestrahlte Jeans zu prüfen. Und die KonsumentInnen werden aufgerufen, beim Einkauf nach sandstrahlfreien Jeans zu fragen und den Firmen zurückzumelden, dass sie keine Killer-Jeans wollen.

Aus der Modeindustrie kommen erste ermutigende Zeichen. So haben H&M, Levis und C&A angekündigt, per Ende 2010 aus dem Sandstrahlgeschäft auszusteigen. Und die Migros will per sofort die Sandstrahltechnik nicht mehr anwenden, während Manor ein entsprechendes Verbot bis im zweiten Semester 2011 umsetzen will. Auch Lee, Wrangler und Benetton künden an, nachzuziehen, allerdings erst per Ende 2011. Bisher bleibt jedoch in allen Fällen unklar, wie bereits erkrankte Arbeiter versorgt werden sollen. Es gibt zudem immer noch viele Firmen, die diese tödliche Technik nicht verbieten, darunter auch PKZ oder Schild. Luxusmarken wie Armani, Prada, Versace oder Dolce & Gabbana haben zu entsprechenden Anfragen noch gar nicht Stellung bezogen.

In der Türkei fordert das Solidaritätskomitee für alle betroffenen Sandstrahler eine Invalidenrente – unabhängig davon, ob diese im formellen oder informellen Sektor gearbeitet haben. „Die Hersteller müssen ihre Verantwortung wahrnehmen und den Sandstrahlopfern medizinische Hilfe und angemessene Entschädigungen zukommen lassen“, so Yesim Yasin vom türkischen Solidaritätskomitee.

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