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25. Oktober 2000

Kinderarbeit für Schweizer Modefirmen - Die Clean Clothes Campaign fordert Konsequenzen von Vögele und Jumbo

Die Reportage des Kassensturz-Teams belegt, was von der Schweizer Bekleidungsindustrie oft bestritten wird: Indische Kinder sitzen an der Nähmaschine, damit wir in der Schweiz billige Kleider kaufen können.
Die Clean Clothes Campaign ruft die Konsumierenden auf, den beteiligten Firmen Charles Vögele SA und Jumbo–Markt AG Beschwerdebriefe zu senden. Es liegt an diesen Firmen, die untragbare Situation zu ändern.

Kinderarbeit ist ein Skandal. Wo Kinder Arbeiten müssen, verlieren sie ihr Recht auf Bildung. Ihre persönliche Entwicklung ist gefährdet. Wo Kinderarbeit herrscht, sind die Bedingungen meist für alle Beschäftigten schlecht: tiefe Löhne, lange Arbeitszeiten, etc. Ein Team der Sendung Kassensturz von Fernsehen DRS besuchte das indische Textilzentrum Tirupur. Vor Ort stellten sie fest, dass Kinderarbeit in den Kleiderfabriken weit verbreitet ist.
Die Sendung vom 24. Oktober 2000 beweist, dass auch für die zwei Schweizer Firmen Charles Vögele AG und Jumbo-Markt AG Kinder hinter der Nähmaschine sitzen. Derart produzierte Kleider sind untragbar!

Ein Boykott der Firmen würde die Situation aber verschlimmern. Vögele und Jumbo müssen nun vielmehr Verantwortung übernehmen und bei den betreffenden Lieferanten direkt für bessere Arbeitsbedingungen sorgen. Erwerbslose Eltern müssen die Kinder am Arbeitsplatz ersetzen. Wo dies nicht möglich ist, muss sicher gestellt werden, dass die Kinder neben der Arbeit wenigstens zur Schule gehen. Dazu müssen ihnen finanzielle Unterstützung, Zeit und Transportmöglichkeiten zugesichert werden. Die Clean Clothes Campaign (CCC), welche in der Schweiz von der Erklärung von Bern, von Brot für alle und Fastenopfer getragen wird, fordert die Firmen zudem auf, einen vollständigen Verhaltenskodex auf der Basis der Konventionen der Internationalen Arbeits­organisation (ILO) einzuführen. Zur Einhaltung dessen bei sämtlichen Lieferanten müssen unabhängige Kontrollen durchgeführt werden, welche u.a. den Beschäftigten ein Beschwerderecht ermöglicht.

Zunehmend anerkennen Modehäuser ihre soziale Verantwortung. Auch unter den Produzenten gibt es Vorbilder, die ihren Beschäftigten angemessene Arbeits­bedingungen bieten. In der Schweiz haben die Mabrouc (Switcher), die Migros und die Veillon SA einen umfassenden Kodex eingeführt und engagieren sich für die Umsetzung der unabhängigen Kontrolle. Denn sie wissen, dass die Konsumierenden Skandale nicht länger akzeptieren. Die Clean Clothes Campaign stellt interessierten Personen Briefvorlagen zur Verfügung, welche an Vögele und Jumbo gesandt werden können. Darin werden die zwei Firmen aufgefordert in diesen konkreten Fällen Verantwortung zu übernehmen, für den Schulunterricht der arbeitenden Kinder in Tirupur zu sorgen und die Arbeitsverhältnisse in den Fabriken zu verbessern. Zudem werden sie aufgefordert, existenzsichernde Löhne zu bezahlen, einen vollständigen Verhaltenskodex einführen und dessen Einhaltung durch eine unabhängige Kontrolle mit Beteiligung der Beschäftigten überprüfen lassen. Unterlagen können telefonisch (01 27 77 000) oder via Internet (www.cleanclothes.ch) bezogen werden.

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