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Korruption in Guinea, Untersuchung in Genf: Die Steinmetz-Gruppe am Pranger

22. Oktober 2013

Zürich, 22.10.2013 - Alle Schlüsselpersonen der Beny Steinmetz-Bergbaugruppe (BSG), gegen die wegen Korruption beim Erwerb von Schürfrechten in Guinea ermittelt wird, wohnen am Genfersee oder im benachbarten Frankreich. Firmengründer Steinmetz ist am 18.10.2013 erstmals in dieser Sache von der Staatsanwaltschaft Genf vernommen worden. Recherchen der Erklärung von Bern zeigen derweil ein äusserst undurchsichtiges Firmengeflecht, das der israelische Milliardär von Genf aus dirigiert. Diese für aus der Schweiz operierende Rohstoffkonzerne exemplarische Komplexität dient zwei Zielen: sich der juristischen Verantwortung wie auch dem Zugriff des Fiskus zu entziehen.

Public Eye

Das von der EvB rekonstruierte BSG-Organigramm erklärt die grossen Schwierigkeiten von Steuer- und Ermittlungsbehörden bei der Untersuchung solch verschachtelter Konstruktionen. Schweizer Rohstoffunternehmen siedeln ihre Beteiligungen und Tochterfirmen zwar fast immer in kaum regulierten und steuerlich attraktiven Weltgegenden an. Die BSG-Strukturen übertreffen den diesbezüglichen Branchenstandard aber noch. Deshalb beschäftigt der aktuelle Korruptionsverdacht gegen die Gruppe wegen der Vergabe von Schürfrechten für eines der weltgrössten Eisenerzvorkommen derzeit die Justizbehörden von sechs Ländern (Guinea, USA, Schweiz, Grossbritannien, Frankreich und Guernsey). Zum Verständnis der Finanzflüsse bei BSG muss man aber auch die Jungferninseln, Zypern, Liechtenstein und andere Jurisdiktionen mit tiefen Steuern und hohem Verschleierungsgrad von Eigentumsstrukturen im Blick haben.Die in Genf domizilierte Onyx Financial Advisors fungiert in diesem fein gewobenen Spinnennetz faktisch als Entscheidungszentrum. So ist Paul Protopapas als Ko-Leiter dieses Unternehmens zugleich verantwortlich für die Gesamtfinanzen der Steinmetz-Gruppe. Und seine Onyx-Geschäftsleitungskollegin Sandra Merloni-Horemans dirigiert parallel dazu ein halbes Dutzend direkt assoziierte Firmen mit Sitz in Guernsey, Amsterdam, Conakry und anderswo. Ebenfalls von Genf aus operiert der Anwalt Marc Bonnant, ein alter Freund von Steinmetz und Prokurist der Balda-Stiftung, über welche die BSG-Gewinne an die Familie des Patrons ausgeschüttet werden. Auch Steinmetz selbst lenkt sein Imperium nachweislich aus der Calvinstadt, wo er seit 2005 einen Wohnsitz hat.Der Fall BSG zeigt die dringende Notwendigkeit verbindlicher Transparenzmassnahmen im Rohstoffsektor, speziell bezüglich der dortigen Eigentumsverhältnisse und Finanzflüsse. Die Schweiz muss hier der Entwicklung in den USA und der EU hin zu stärkerer Offenlegung von Firmenzahlungen (wie Steuern, Lizenz- und Konzessionsgebühren) an die Regierungen rohstoffreicher Länder schnell folgen. BSG ist aber auch ein Lehrbuchbeispiel dafür, wie Steuerparadiese systematisch zur Verschleierung illegaler Aktivitäten in schwach regierten und regulierten Entwicklungsländern genutzt werden. Um diesem Treiben einen Riegel zu schieben müssen im Schweizer Handelsregister die Besitzer und wirtschaftlich Berechtigten von Firmenstrukturen offen gelegt werden.

Weitere Informationen hier oder bei

Oliver Classen, EvB-Mediensprecher, 044 277 70 06, oliver.classen[at]evb.ch

Hintergrund:

Im westafrikanischen Kleinstaat Guinea könnte der sonst untrügliche Geschäftsinstinkt von Beny Steinmetz, dessen Genfer Firma Onyx Financial Advisors Ende August von der Staatsanwaltschaft durchsucht wurde, für einmal versagt haben. Denn 2011 hat Alpha Condé, Guineas erster demokratisch gewählter Präsident, eine Untersuchung der Vergabepraxis von Schürfrechten bei seinen Vorgängern angeordnet. Dieser bislang beispiellose Vorgang brachte einen „Jahrhundertraub“ ans Licht. Massgeblich darin verstrickt ist die BSG, welche 2006 in den letzten Lebenstagen von Diktator Lansana Conté für lächerliche 165 Millionen Dollar die Konzession zwei Blöcke des gigantischen Eisenvorkommens von Simandou erworben hatte. Nur 18 Monate später konnte sie beim Verkauf von Teilen dieser Rechte an den brasilianischen Rohstoffriesen Vale 2,5 Milliarden Dollar einstreichen.

Seit Anfang 2013 läuft in den USA eine Strafuntersuchung gegen BSG. Trotz anders lautender Dokumente und Zeugenaussagen stritt Steinmetz bislang alle Korruptionsvorwürfe ab. Letzte Woche hat der Minenmogul in einem Interview gar zum rhetorischen Gegenschlag ausgeholt und Guineas amtierenden Präsidenten einer „rufschädigenden Desinformationskampagne“ gegen ihn beschuldigt. Wie die französische Investigativ-Plattform Médiapart meldet, musste Steinmetz in dieser Sache am 18.10.2013 den Genfer Justizbehörden Rede und Antwort stehen.

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