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Kriterien für nachhaltiges Palmöl lassen hoch giftige Pestizide zu - Gewerkschaften und NGOs fordern eine Revision

17. November 2005

Zürich/Genf, 17.11.2005 - Die IUL und die Erklärung von Bern fordern substantielle Änderungen der Kriterien für eine nachhaltige Palmöl-Produktion, die den Gebrauch hochgiftiger, für Mensch und Umwelt schädlicher Pestizide zulassen. In der jetzigen Form unterstützen die Kriterien vielmehr die Interessen der Pestizid-Industrie (die Co-Sponsoren der Initiative), als die Gesundheit der Arbeiterinnen und Arbeiter auf den Palmöl-Plantagen. Sie fördern die nachhaltige Produktion von Palmöl nicht und müssen deshalb revidiert werden.

Der runde Tisch zu nachhaltigem Palmöl (Roundtable on Sustainable Palm Oil - RSPO), vom WWF initiiert und von etlichen Produzenten und Verkäufern von Palmöl getragen und unterstützt, wird an seinem Treffen Ende November in Singapur die Kriterien für eine nachhaltige Palmölproduktion diskutieren. Der Entwurf beinhaltet kein Verbot für die giftigsten Pestizide (bei Pestiziden der Giftklasse 1 muss bloss nach Alternativen gesucht werden – ohne aber den Gebrauch dieser Pestizide zwingend auszuschliessen). Mit dem gewählten Wortlaut wird aber auch der Gebrauch von Paraquat weiterhin zugelassen. Paraquat ist ein Total-Herbizid, welches in Palmölplantagen rege benutzt wird. Es führt jährlich zu Tausenden von Vergiftungsfällen bei Plantagenarbeitern und Kleinbauern. Paraquat ist verantwortlich für einen massgeblichen Teil der Zehntausenden von Toten, die mit Pestiziden in Zusammenhang gebracht werden. Diverse Staaten haben den Wirkstoff aus diesen Gründen bereits verboten – ab 2007 soll auch in Malaysia ein Verbot in Kraft treten.

Gewerkschaften von Landarbeitern aus der ganzen Welt, allen voran die International Union der Lebensmittel und Landwirtschaftsarbeiter (IUL), fordern seit Jahren ein weltweites Paraquat-Verbot. «Es gibt keinen Platz für Paraquat in einer sozial- und ökologisch nachhaltigen Landwirtschaft», erklärte der IUL Generalsekretär Ron Oswald. Alle bekannten Labels und Kriterien im Bereich der Landwirtschaft, die eine nachhaltige Produktion auszeichnen, haben das Anliegen der Arbeiterinnen ernst genommen und die Verwendung der giftigsten Pestizide, so auch von Paraquat, explizit verboten. Es sind dies die Fair Trade Labor Organisation (FLO), die Rainforest Alliance (die u.a. Chiquita zertifiziert), das Forest Steward Ship Council und der soeben lancierte Common Code for the Coffee Community. Alle kamen zum Schluss, dass der Gebrauch von Paraquat mit einer nachhaltigen Produktion nicht vereinbar ist.

Es ist sehr verwunderlich, dass die Palmöl-Kriterien die Bedenken zu Paraquat bis heute nicht widerspiegeln. Keine anderen Kriterien sind im Bereich der Pestizide so schwach wie diejenigen zu Palmöl. Ein Grund dafür könnte die Verbindung des RSPO mit der Pestizid-Industrie sein. Der Schweizer Konzern Syngenta, der wichtigste Produzent von Paraquat, spendet das offizielle Abendessen während des RSPO Treffens in Singapur. Es zeugt bekanntlich nicht von guten Manieren, die Hand zu beissen, die einen füttert, doch die Teilnehmer des Roundtable for Sustainable Palm Oil müssen sich entscheiden: Entweder sie dienen den Interessen der Pestizid-Industrie oder denjenigen der Palmöl-Arbeiterinnen und -Arbeiter, für die nur eine Paraquat-freie Produktion nachhaltig ist.

Die Internationale Union der Lebensmittel-, Landwirtschafts-, Hotel-, Restaurant-, Café- und Genussmittelarbeiter-Gewerkschaften (IUL) ist ein internationaler Gewerkschaftsbund, dem 353 Gewerkschaften aus 125 Ländern mit insgesamt mehr als 2,7 Millionen Mitgliedern angehören. Sie hat ihren Sitz in Genf.


Adresse: 8 Rampe du Pont Rouge, Petit Lancy, CH-1213 Genf
Tel: +41 22 793 22 33; Fax: +41 22 793 22 38; Email: iuf[at]iuf.org; Web: www.iuf.org

 

Die Erklärung von Bern (EvB) ist eine unabhängige entwicklungspolitische Organisation und wird weitgehend von ihren 19'000 Mitgliedern getragen. Die EvB setzt sich seit 1968 für globale Gerechtigkeit ein und engagiert sich in den Bereichen Wirtschaftbeziehungen, Handelspolitik, Kultur, Landwirtschaft, Ernährung und Fairtrade.Adresse: Quellenstrasse 25, Postfach, CH-8031 ZürichTel: +41 1 277 70 00; Fax: +41 1 277 70 01; Email: info@evb.ch; Web: www.evb.ch

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