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Mattel & Co.: Chronik eines angekündigten Skandals

22. August 2007

Zürich, 22.08.2007 - Die Gesundheitsgefährdung unserer Kinder durch giftige Spielwaren aus China ist zweifellos skandalös. Noch viel grössere Gesundheitsrisiken tragen jedoch die Beschäftigten in den südchinesischen Spielzeugfabriken. Die Folgen der dort seit Jahren schon herrschenden Arbeitsbedingungen werden nun also auch in unseren Kinderzimmern spürbar.

Gemäss dem Europäischen Schnellwarnsystem für gefährliche Produkte stammen 44 Prozent aller im ersten Halbjahr 2007 zurückgerufenen Artikel aus China. Besonders oft betroffen ist die Spielwarenbranche (28 Prozent, 177 Fälle). Kein Zufall also, dass Mattel auch in der Schweiz 94'000 in China gefertigte Artikel zurückrufen musste. Für den Marktführer im Spielwarengeschäft war es die dritte Rückrufaktion seit November 2006.

Damals veröffentlichte die Erklärung von Bern (EvB) zusammen mit der Schweizer Spielwarenkoalition einen Bericht über die üblen Arbeitsbedingungen in Chinas Spielzeugfabriken. Bemängelt wurde darin, dass die Spielwarenkonzerne zu wenig unternehmen, um ihre Lieferanten effektiv zu kontrollieren. Es erstaunt daher nicht, dass dort, wo Arbeitsgesetze mit den Füssen getreten werden, auch Umweltnormen verletzt werden. Während die skandalträchtigen Giftrückstände bei uns gemessen werden können, bleiben die menschenunwürdigen Arbeitsverhältnisse im Herstellerland jedoch unsichtbar.

10 von 11 Fabriken weisen systematische Verstösse gegen das chinesische Arbeitsgesetz auf. Jene Giftstoffe, die nun als Gefährdung unserer Kinder entdeckt werden, haben für die meist jungendlichen Beschäftigten in den Fabriken ganz reale Folgen: Toxische Chemikalien schaden schon seit Jahren ihrer Gesundheit. Viele leiden unter dem extremen Produktionsstress, der nicht selten 84 Stunden an sieben Tagen der Woche dauert. Und kommt es zu einem Unfall, sind die Arztkosten zumeist nicht gedeckt. Der Verdienst liegt häufig unter dem gesetzlichen Mindestlohn.

Im Bericht der Spielwarenkoalition wurde Mattel damals schon ein schlechtes Zeugnis ausgestellt: Der US-Konzern richtet sich nicht nach international anerkannten sozialen Mindeststandards und ist kaum bemüht für die Einhaltung der Arbeitsgesetze zu sorgen.

Die EvB fordert Mattel daher einmal mehr auf, bei ihren chinesischen Lieferanten bessere Arbeitsbedingungen sicherzustellen. Wie von allen Unternehmen fordert die EvB auch von Mattel die Einhaltung der lokalen Arbeitsgesetze und der Umweltnormen in der Produktion. Stefan Indermühle, EvB-Experte für Arbeitsbedingungen, ist überzeugt: „Erst wenn es gelingt, die Gesetzlosigkeit in den Fabriken zu überwinden, sinkt auch das Gesundheitsrisiko durch giftige Spielzeuge für unsere Kinder.“

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