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Nestlé lenkt ab und Lindt lässt Lücken: Schoggi-Weihnachtsgeschäft «as usual»

1. Februar 2009

Zürich, 01.12.2009 - Das Ablaufdatum der Osterhasen ist kaum verstrichen und schon stehen die Samichläuse an der Schoggi-Front. Auch damit feiern die Schweizer Produzenten Gewinne, während die Kakaolieferanten in Afrika weiter nichts zu lachen haben. Nestlé etwa drückt immer noch die Preise und profitiert mit seinem neuen "Cocoa Plan" unterm grünen Mäntelchen sogar nochmals vom Leid der Bauernfamilien. Heute Abend zeigt der Kassensturz Bilder von der Kinderarbeit auf Kakaoplantagen.

Das Schokoladegeschäft, macht alle glücklich: Die Konsumentinnen durch Genuss, die Detailisten mit Kundschaft und die Schokoladeproduzenten mit dicken Profiten. Und das, obschon der Weltmarkpreis für Kakao so hoch ist wie noch nie. Die Zeche für dieses vor Weihnachten besonders virulente Glücksgefühl zahlen die westafrikanischen Kakaobauern und ihre Familien. Sie bleiben arm und schicken ihre Kinder weiter auf Plantagen statt zur Schule, damit sie zum Überleben der Familien beitragen.

Zur letzten Osterhasenzeit informierte die Erklärung von Bern (EvB) über diese Missstände und forderte die Schweizer Schokoladeunternehmen auf, mit gerechten Preisen und transparenten Lieferketten endlich Verantwortung zu übernehmen. Nun lösen die Samichläuse die Osterhasen ab, auf den Plantagen der Elfenbeinküste aber hat sich nichts geändert. Zwar lancieren Schweizer Chocolatiers neuerdings Nachhaltigkeitsinitiativen. So präsentierte Lindt kürzlich eine Corporate Social Responsibility-Strategie und leistet damit einen wichtigen Beitrag zu mehr Transparenz. Nur: Das Projekt deckt bloss die erste Hälfte einer Tafel Schokolade ab – die Kakaomasse. Herkunft und Produktionsbedingungen der andern Hälfte – jene der Kakaobutter – bleiben weiter im Dunkeln.

Auch Nestlé hat jüngst eine neuen Initiative lanciert. Konkrete Resultate sind vom sogenannten «Cocoa Plan» allerdings nicht zu erwarten. Und zwar weil die Kernforderung der EvB für eine faire Produktion, der garantierte Mindestpreis, darin fehlt. Solange Marktschwergewichte wie Nestlé diese Selbstverpflichtung aber nicht eingehen, ändert sich auch am Notstand der Bauernfamilien nichts. Nachhaltigkeitsprojekte, die nur Verhaltensveränderungen bei den Bauern anstreben ohne zugleich die Nachfragemacht zu ändern, haben reine Feigenblattfunktion. Schlimmer noch, mit ihrem Plan schlägt Nestlé ein zweites Mal Profit aus den Kakaobauern: Nach der jahrzehntelangen Ausbeutung nutzt der Konzern nun die daraus entstandene Not der Bauernfamilien als Marketinginstrument.

Der «Kassensturz» hat einen Beitrag verfasst zu den Lebens- und Arbeitsbedingungen der Kakaopflanzer und ihren Familien. Die heutige Sendung zeigt die Geschichte von Kindern und Kindersklaven auf Plantagen der Elfenbeinküste, der weltweit grössten Kakaoproduzentin.

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