Navigationspfad

27. Januar 2003

Davos, 27.01.2003 - Kurzfristige Gewinne wichtiger als langfristige ArbeitsverträgeIn den vergangenen Monaten haben in Asien Zehntausende ihre Stelle in der Bekleidungsindustrie verloren. Sie arbeiteten für Zulieferfirmen grosser Markennamen wie Nike, Adidas und Lewis. Die arbeitslose Ex-Nike-Näherin Ida Mustari aus Indonesien reiste auf Einladung der Erklärung von Bern (EvB) nach Davos, um ihre ausstehenden gesetzlichen Ansprüche von Nike Konzernchef Phil Knight einzufordern.

Nachdem Ida Mustari während neun Jahren für den Nike-Lieferanten PT Doson in Tangerang, Indonesien, geschuftet hat, wartet sie und weitere 7'000 Kolleginnen und Kollegen bisher vergeblich auf die Abgangsentschädigungen, die ihnen rechtlich zustehen. Die Arbeiterin reiste zusammen mit dem Textilgewerkschafter Yeheskiel Prabowo nach Davos, um am „Public Eye on Davos“, der von der Erklärung von Bern (EvB) koordinierten öffentlichen Konferenz, die Forderungen der Doson Belegschaft vorzutragen. Obwohl zur Veranstaltung eingeladen, kam der Ceo von Nike, der WEF-Teilnehmer Phil Knight nicht zu dieser Begegnung.

Bei PT Doson wurden Schuhe ausschliesslich für Nike produziert. Trotzdem ist rein juristisch gesehen der Marktführer für Sportbekleidung seit September 2002, als die Aufträge nach China und Vietnam verlagert wurden, seiner juristischen Verantwortung entbunden. Diese juristische Finte gelingt, weil Nike in der Produktion die Verantwortung als Arbeitgeber vermeidet, indem Zulieferfirmen wie PT Doson lediglich Aufträge erteilt werden.

Die Indonesische Textil-, Bekleidungs-, und Lederarbeiter Gewerkschaft (FSPTSK) hat nun Prozesse angestrengt, die langwierig und kostspielig sein werden, weshalb für sie Nike aus moralischer Sicht die Verantwortung tragen sollte. „Wir sind besorgt darüber, dass ausländische Investoren wie Nike ihr Engagement reduzieren und in Länder verlagern, in welchen die Gewerkschaftsrechte nicht respektiert werden. Und dies ausgerechnet jetzt, wo sich in Indonesien erstmals freie und demokratische Gewerkschaften organisieren“, sagte der FSPTSK-Delegierte Prabowo in Davos. Alleine im letzten Jahr verloren gegen 100'000 Beschäftigte in der indonesischen Bekleidungs- und Textilindustrie ihre Arbeit.

Ebenfalls schlechte Erfahrungen machten im Oktober 2002 die Beschäftigten der Bed and Bath Fabrik in Thailand. Der Firmenboss schloss die Fabrik und machte sich aus dem Staub. Obwohl in dieser Fabrik für so erfolgreiche Markenfirmen wie Nike, Adidas oder Lewis produziert wurde, war niemand bereit, den Entlassenen ihre gesetzlichen Lohnnachzahlungen und Abfindungen zu entrichten. Gegenüber Oxfam Community Aid Abroad (Oxfam Australien) berichteten Arbeiterinnen und Arbeiter von Bed and Bath, dass sie bis zu 110 Stunden in der Woche arbeiteten. Der Fabrikbesitzer bot der Belegschaft gratis Amphetamine an, in dem er diese in die Getränkecontainer mischen liess. Frühere Angestellten sagten, dass die meisten von ihnen diese Drogen nahmen, weil dies der einzige Weg war, um die verlangten Arbeitsstunden durchzuhalten.

„Internationale Konzerne wie Nike könnten stabile, langfristige und angemessen bezahlte Arbeitsplätze anbieten“, sagte NikeWatch-Koordinator Tim Connor von Oxfam Australien an der Public Eye Konferenz in Davos. „Sie könnten weiterhin in Länder investieren, wo die Arbeitsrechte gefördert werden. Stattdessen verlagern Firmen wie Nike, Adidas oder Lewis ständig ihre Produktion. Auf diese Weise werden die Fabrikbesitzer gegeneinander ausspielt, die Flexibilität wird erhöht und die Lieferfristen verkürzt. Unter diesem Druck verschlechtern sich die Arbeitsbedingungen.“


Zurück zur Übersicht