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Pestizidverkauf in Indien: Syngenta und Bayer verletzen FAO-Kodex

Zürich / Lausanne, 13. Oktober 2015

In der indischen Provinz Punjab vertreiben Syngenta und Bayer gefährliche Pestizide, ohne angemessene Anwendungsbedingungen sicherzustellen. Das geht aus dem Bericht einer Koalition asiatischer und europäischer NGO hervor. Die Konzerne verstossen gegen den Verhaltenskodex für Pestizidmanagement* und setzen Landwirtinnen und Landwirte wissentlich erheblichen Gesundheitsrisiken aus. Die EvB und ihre Partner fordern von Syngenta und Bayer, den Verkauf dieser Produkte unter solchen Anwendungsbedingungen unverzüglich einzustellen.

«Tackling the Accountability Gap» Mit welchen Mitteln können Pestizidproduzenten in die Verantwortung genommen werden? Der Film der Koalition.

Der Bericht (PDF, 5.6 MB) befasst sich  mit sechs Produkten*, die Syngenta bzw. Bayer in Punjab vertreiben, der Provinz mit dem zweithöchsten Pestizidverbrauch Indiens. Die dokumentierten Praktiken stellen eine systematische Verletzung des Verhaltenskodex der UNO-Landwirtschaftsorganisation (FAO) dar, dem sich die beiden Branchenleader verpflichtet haben. Bei allen analysierten Fällen sind die Produktinformationen zu den Gesundheitsrisiken und Sicherheitsvorschriften auf Etikett und Anleitung mangelhaft. Verfasst sind sie zudem meist in Hindi, einer Sprache, die nur 8 Prozent der Bevölkerung in Punjab spricht.

Die Interviews mit den Bäuerinnen und Bauern zeigen, dass Syngenta und Bayer nicht die nötigen Massnahmen ergreifen, um den Zugang zu angemessenen Schutzausrüstungen und deren Verwendung sicherzustellen. Der schlechte Informationsstand und die prekäre Lage der Landwirtinnen und Landwirte führen dazu, dass diese die giftigen Produkte praktisch ungeschützt versprühen. Viele leiden an Hautausschlägen, Übelkeit und Augenschmerzen. Durch die Wiederverwendung von Pestizidbehältern für den Haushalt sind auch die Bauernfamilien Vergiftungsrisiken ausgesetzt.

Heute wird in China eine Sitzung von FAO und WHO zum Thema Pestizidmanagement eröffnet. Der für den Verhaltenskodex zuständige Fachausschuss muss Syngenta und Bayer auffordern, den Verkauf von Produkten einzustellen, die schlecht etikettiert sind oder bei denen das Tragen von Schutzbekleidung nicht garantiert werden kann. Der Ausschuss soll sich ebenfalls für das Verbot von Einfuhr, Handel, Vertrieb und Kauf „sehr gefährlicher Pestizide“ unter diesen untragbaren Anwendungsbedingungen aussprechen und eine unabhängige Kontrolle der Pestizidanwendung in der Region Punjab einfordern. Der NGO-Bericht präsentiert zudem Vorschläge zur Verbesserung des Kontrollmechanismus, der bei der Umsetzung des Verhaltenskodex angewandt wird. Denn bisher konnte damit keiner der bestätigten Missstände behoben werden.

Mehr Informationen bei:

Weitere Informationen

* Der internationale Verhaltenskodex für Pestizidmanagement der FAO (International Code of Conduct on Pesticide Management) legt minimale Sicherheitsstandards fest, um die durch die Verwendung von Pestiziden entstehenden Risiken für Gesundheit und Umwelt einzuschränken. So werden beispielsweise Regeln für die Vermarktung, Etikettierung und Verpackung der Produkte definiert. Der Kodex wurde gemeinsam mit der Weltgesundheitsorganisation (WHO) publiziert und richtet sich an Regierungen und Firmen.

* Confidor, Nativo, Larvin und Regent GR von Bayer CropScience, sowie Gramoxone (Paraquat) und Matador von Syngenta. Mit Ausnahme von Nativo enthalten alle Produkte aktive Komponenten, die vom Pesticide Action Network als „sehr gefährlich“ eingestuft werden.

Ad Hoc Monitoring Report (PDF, 5.6 MB)

— Der komplette Bericht (Englisch, 96 Seiten)

Case Summary (PDF, 492 KB)

— Zusammenfassung des Berichts (Englisch, 8 Seiten) 

Farmers Testimonies (PDF, 330 KB)

— Bauern berichten (Englisch)

Q&A (PDF, 250 KB)

— Fragen und Antworten zu Pestiziden in Punjab (Englisch)

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