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Preiszerfall und Kinderarbeit: Neuer Kakaobarometer drängt auf politische Lösungen im Schoggisektor

19. April 2018

Der Versuch von Regierungen und Industrie, mit technischen Ansätzen politische Probleme wie die in der Kakao-Produktion allgegenwärtige Armutsfalle oder Kinderarbeit zu beseitigen, bringt kaum Verbesserungen: Dies zeigt der Kakaobarometer 2018, den Public Eye heute gemeinsam mit weiteren Organisationen im Vorfeld der am Sonntag in Berlin beginnenden World Cocoa Conference veröffentlicht. Während Kakaobäuerinnen und -bauern mit einem bis zu 35 Prozent tieferen Kakaopreis als vor einem Jahr auskommen müssen, streichen auch Schweizer Schokoladefirmen satte Gewinne ein. Die Schweiz als Sitzstaat vieler grosser Kakaokonzerne steht politisch besonders in der Pflicht.

Der seit Herbst 2016 sinkende Kakaopreis hat die bereits prekären Lebens- und Arbeitsbedingungen der kakaoanbauenden Familien weiter verschärft. Zugleich profitierten die grossen Schokoladefirmen von tieferen Einkaufspreisen. In der Elfenbeinküste, dem weltweit grössten Produzentenland, fiel der Preis binnen eines halben Jahres um bis zu 35 Prozent. Damit sind Bäuerinnen und Bauern nicht nur weiter denn je von einem existenzsichernden Einkommen entfernt, sondern machen mit ihren Kakaofarmen sogar herbe Verluste. Deshalb bleibt die missbräuchliche Kinderarbeit im Kakaoanbau konstant hoch und wird immer mehr Regenwald für den Schoggi-Rohstoff abgeholzt.

 

Schweizer Firmen wie Nestlé und Lindt & Sprüngli kontrollieren über zehn Prozent des weltweiten Schokoladenmarkts. Mit Barry Callebaut und ECOM Agroindustrial haben auch der weltgrösste Einkäufer von Kakaobohnen respektive die Nummer drei im globalen Kakaohandel ihren Hauptsitz in der Schweiz. Im ersten Finanzhalbjahr 2017/18 steigerte der Barry seinen Gewinn im Vergleich zur Vorjahresperiode um satte 37,5%.

Die Schweiz trägt deshalb eine besondere Verantwortung für die Missstände im Sektor. Doch weiterhin wird für politische Probleme wie Preissetzungsmechanismen und damit einhergehende Armutseinkommen in erster Linie auf technische Lösungen wie Programme zur Produktivitätssteigerung gesetzt. Auch die vor drei Monaten gegründete Schweizer Plattform für nachhaltigen Kakao, eine Initiative von Industrie, Verwaltung sowie einiger zivilgesellschaftlicher Akteure, greift diesbezüglich zu kurz.

Public Eye fordert deshalb vom Bundesrat sicherzustellen, dass Schweizer Kakaokonzerne Menschenrechte und Umwelt auch im Ausland berücksichtigen, sowie konkrete Massnahmen von Schweizer Schokoladefirmen, die den Kakaobäuerinnen und -bauern endlich ein existenzsicherndes Einkommen ermöglichen.

Weitere Infos hier oder bei:
Oliver Classen, Mediensprecher, oliver.classen[at]publiceye.ch, 044 277 79 16
Silvie Lang, Fachverantwortliche Soft Commodities: silvie.lang@publiceye.ch, 044 277 79 10

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Über den Kakaobarometer
Der Kakaobarometer erscheint alle zwei Jahre und wird von einem globalen Konsortium bestehend aus zivilgesellschaftlichen Akteuren aus Europa, den USA und Australien herausgegeben: ABVV-FGTB/Horval (Belgien), FNV (Niederlande), Green America (USA), Hivos (Niederlande), Inkota Netzwerk (Deutschland), International Labor Rights Forum (USA), Mondiaal FNV (Niederlande), Oxfam (USA, Niederlande, Belgien), Public Eye (Schweiz), Solidaridad (Niederlande), Stop The Traffik (Australia/ Niederlande), Südwind Institut (Deutschland), UNICEF National Committee (Niederlande), sowie dem globalen VOICE-Netzwerk.

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