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"Public Eye on Davos" - Strassenaktion „Pinocchio“

24. Januar 2003

Davos, 24.01.2003 - Die Erklärung von Bern hat heute im Rahmen der von ihr koordinierten Konferenz «The Public Eye on Davos», das diesjährige Motto des WEF «building trust» (Vertrauen bilden) mit einer Strassenaktion auf die Schippe genommen. Drei Pinocchios promenierten in den Strassen von Davos. Sie trugen die Aufschrift «Trust me» und die Namen von WEF-Mitgliedern, deren Doppelbödigkeit die Erklärung von Bern kritisiert.

Hintergründe zu den Firmen der Pinocchio-Aktion:

Trust me. I'm Syngenta.

Syngenta und ihre Vorläufer Novartis, Ciba-Geigy, Sandoz und Zeneca haben während Jahrzehnten Produkte propagiert und verkauft, die einen immensen der Umwelt und dem Menschen schadeten. Das krebsfördernde Pestizid Galecron von Ciba-Geigy wurde erst nach einer Kampagne der Erklärung von Bern 1988 vom Markt genommen. Ciba-Geigy stellte während Jahrzehnten das Insektizid DDT her. Heute ist das Produkt weltweit geächtet, mit den DDT-Rückständen wird man aber noch lange zu kämpfen haben. Leider hat man aus den Fehlern der Vergangenheit nichts gelernt. Syngenta verkauft auch heute noch beispielsweise das Insektizid «Monocrotophos», das laut UNO-Umweltprogramm (UNEP) eine akute Gefahr für hunderttausende von Bauern und Bäuerinnen darstellt – insbesondere in Entwicklungsländern. Eines der wichtigsten Produkte von Syngenta ist das Herbizid Paraquat. Es ist wegen seiner hohen Toxizität in der Schweiz seit über 10 Jahren verboten und wird von Firmen wie Chiquita wegen der mangelhaften Anwendersicherheit geächtet. Syngenta preist Paraquat trotzdem immer noch als bedenkenlos an. Diese Produkte und Syngentas Engagement für die Gentechnologie stehen im krassen Widerspruch zur Behauptung der Firma, einen Beitrag zur nachhaltigen Landwirtschaft zu leisten.

Trust me. I'am Enron (┼),Andersen (┼), Accenture (*).

Das Energiehandelsunternehmen Enron ist das beste Beispiel für die Betrügereien, welche seit zwei Jahren die Unternehmenswelt erschüttern. Enron nutzte alle Tricks und Kniffe, um sich gegenüber den Aktienmärkten ins beste Licht zu Rücken. Enron verbuchte zukünftige Einnahmen bereits nach Vertragsabschluss, tarnte Kreditaufnahmen als Handelsgeschäfte und bezahlte Gläubiger mit Aktien. Enron-Manager gründeten tausende von Briefkastenfirmen - unter aktiver Mithilfe von Credit Suisse First Boston (CSFB), der Investmentbankabteilung der Credit Suisse. Verluste die Enron bei Investitionen und Finanzdeals machte, wurden auf diese Firmen übertragen. Das Vermögen der Briefkastenfirmen bestand aus Enronaktien. Deshalb konnten die Verluste nur so lange versteckt werden, wie der Aktienkurs stieg oder nicht zu tief runter ging. Und der Aktienkurs blieb nur oben, solange die geschönte Bilanz nicht aufflog. Andersen war die Buchprüfungsfirma von Enron. Bei gewissenhafter Arbeit hätte sie die Betrügereien aufdecken müssen. Da Andersen aber auch noch Beratungsmandate von Enron hatte, schaute man nicht so genau hin. Als die Betrügereien bei Enron aufflogen, schredderte das Andersen-Büro in Houston tonnenweise Enron Akten - auch dann noch, als die Untersuchungsbehörden Andersen bereits im Visier hatten. Andersen wurde deshalb in den USA wegen Behinderung der Justiz verurteilt, nachdem bereits alle wichtigen Kunden abgesprungen waren. Der Consulting Bereich von Anderesen änderte seinen Namen in Accenture.

Trust me. I'm BP-Shell-TotalFinaElf-ExxonMobil.

Die Erdölindustrie ist mitverantwortlich für die rasche Erwärmung des Weltklimas. Sie will in Naturschutzgebieten bohren und verletzt in den Fördergebieten die Menschenrechte. Zu einer furchterregenden Routine sind auch die Tankerunfälle geworden, wie derjenige der Prestige, deren Öl jetzt Galizien verwüstet, Asturien, Kantabrien, das Baskenland, den Norden Portugals, die französischen Landes und die Gironde heimsucht. Nicht nur die in Zug ansässige Crown Resources, die die Prestige gechartert hatte, macht mit Schrotttankern die Weltmeere unsicher. Ölgesellschaften mit einem Markennahmen sind zwar in der Regel etwas vorsichtiger. Aber nur etwas. Zwei bedenkliche Beispiele von zwei ebenfalls in Zug beheimateten Firmen: Laut der NGO „Amis de la Terre“ transportierte am 3. November 2002 die Shell mit der 24jährigen Enalin 80'000 Tonnen Öl vom Baltikum, wo auch die eine Woche später verunfallte Prestige herkam, nach Singapur, wohin auch die Crown-Ladung sollte. Am 8. November charterte die British Petroleum (BP) die 22jährige North Sea, um 80'000 Tonnen vom Irak in den Mittelmeerraum zu bringen. Drei Wochen später erklärten beide Firmen stolz, die Prestige (26jährig) boykottiert zu haben, weil sie unsicher sei.

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