Navigationspfad

Zurück zur Übersicht

Seco schummelt und nimmt Globalisierungskritik nicht ernst

16. Januar 2001

Zürich, 16.01.2002 - Rechtzeitig zum Weltwirtschaftsforum WEF will das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) in seinem Monatsheft die Globalisierungskritik demontieren. Die entwicklungspolitische Organisation Erklärung von Bern (EvB) nimmt den Fehdehandschuh auf und entgegnet: «So nicht!»

«Klar belegte Zusammenhänge» sprächen gegen die Kritik an der Globalisierung, schreibt Bundesrat Pascal Couchepin in seinem Editorial der Sonderausgabe der «Volkswirtschaft» mit dem Titel «Globalisierungskritik auf dem Prüfstand». Belegen lässt sich bekanntlich alles, die Belege müssen der wissenschaftlichen Kritik aber auch standhalten.

Trau keiner Grafik, die du nicht selbst geschönt hast. Die Grafik des Seco belegt: Die «Post-1980-Globalisierer» waren erfolgreich und erreichten ein durchschnittliches Pro-Kopf-Wachstum von 5 Prozent jährlich. Schön für den Durchschnitt, darin werden aber auch Länder versteckt, die keineswegs «erfolgreiche Reformstaaten» waren, obwohl sie die Rezepte der Globalisierer befolgten. Brasilien beispielsweise erlebte von 1980 bis 2000 insgesamt nur 5 Prozent Wachstum. Kleines Detail: Vor der Globalisierung, von 1960 bis 1980, betrug Brasiliens Wachstum 147 Prozent.

Studien mit kurzer Halbwertszeit. David Dollar, Weltbank-Ökonom und einer der Autoren des Seco, ist für die Leichtigkeit berüchtigt, mit der er aus seinen statistischen Ergebnissen politisch relevante Schlüsse zieht. In einer seiner Studien ergaben nur 6 von 37 statistischen Test überhaupt aussagekräftige Ergebnisse. Auch das Verhältnis zwischen der «Offenheit» eines Landes und dem Einkommen der armen Bevölkerung zeigte kein eindeutiger Zusammenhang. Trotzdem zog Dollar im Text der Studie den Schluss: «Globalisierung ist gut für die Armen.»

Hau den Pappkameraden. Das Seco kritisiert die Globalisierungskritik, indem es zuerst einen Pappkameraden bastelt, den es dann prügelt. Es setzt sich nicht mit den Argumenten und Belegen der GlobalisierungskritikerInnen, sondern nur mit karikierten «globalisierungskritischen» Aussagen auseinander.

«Solange staatliche Stellen die sachlichen Argumente nicht ernst nehmen», so Andreas Missbach von der Erklärung von Bern, «braucht sich niemand zu wundern, dass die Globalisierung weiter auch auf der Strasse kritisiert wird.» Die Erklärung von Bern lädt Bundesrat Couchepin herzlich ein, zur Weiterbildung in fundierter Globalisierungskritik die WEF-Parallelkonferenz der EvB «The Public Eye on Davos» in New York zu besuchen.

Zurück zur Übersicht