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Studie belegt: Killer-Jeans werden trotz Verzichtserklärungen weiter produziert

29. März 2012

Genf, 29.03.2012 - Die heute publizierte Recherche „Deadly Denim“ zur Sandstrahlung von Jeans-Produkten in Bangladesch setzt Textilkonzerne wie H&M, Diesel, Levis und Zara unter Druck. Denn all diese Firmen behaupten, dass sie die Sandstrahltechnik nicht mehr verwenden. Der neue Bericht zeigt aber, dass in ihren Zulieferbetrieben nach wie vor Jeans für den Exportmarkt sandgestrahlt werden.

Obwohl auf zivilgesellschaftlichen Druck im vergangenen Jahr zahlreiche Markenproduzenten ein Sandstrahlverbot erlassen haben, floriert in Bangladesch eine Sandstrahlindustrie für den europäischen Markt, die ihre Arbeiterinnen und Arbeiter weiterhin tödlichen Risiken aussetzt. Es sei unmöglich, viele der von den Auftraggebern geforderten Designvorgaben mit andern Techniken als mit Sandstahlen zu erfüllen, meint ein Fabrikmanager im Interview mit den Rechercheuren der Clean Clothes Campaign (CCC). Und Arbeiter sagen, dass sie trotz offiziellem Verbot der Markenfirmen deren Jeans weiterhin sandstrahlen, wenn die Produktions-Deadlines näher rücken. In manchen Fabriken wird der Sandstrahlprozess gar bewusst auf die Nacht verlegt, weil dann kaum Inspektionen durchgeführt werden.

Die interviewten Arbeiter leiden an Atemproblemen und chronischem Husten und werden gezwungen, bis zu 12 Stunden in den veralteten, staubigen Anlage auszuharren. „In der Fabrik sieht es aus wie in der Wüste während eines Sandsturms“, beschreibt einer der Interviewten die Situation. Die CCC-Recherche belegt, dass neben dem manuellen auch das Kabinensandstrahlen in Bangladesch fatale Risiken bringt. Die Kabinen sind zumeist nur halb geschlossen, so dass viel Staub entweicht. Zudem sind oft noch weitere Personen im Raum, die etwa Sortier- oder Putzarbeiten ausführen. Sie alle sind dem mitunter tödlichen Staub stundenlang ausgesetzt. Der Bericht zeigt zudem, dass medizinisches Fachpersonal kaum über den Kausalzusammenhang von Sandstrahlen und Silikose informiert ist. Erkrankte Arbeiter erhalten daher in Bangladesch oft nicht die korrekte Diagnose und Behandlung, die sie benötigen würden.

Auf dem Hintergrund dieser skandalösen Befunde fordert die in der Schweiz von der EvB vertretene internationale Clean Clothes Campaign alle verantwortlichen Markenfirmen dringend auf, ihre Massnahmen zu verbessern und das Sandstrahlverbot endlich durchzusetzen. Dazu gehört die Anpassung von Designvorgaben und Lieferfristen sowie die Kooperation mit lokalen Gewerkschaften und NGOs. Markenfirmen sollen zudem sämtliche Formen dieser „Veredelungspraxis“ verbieten und nur noch in Zulieferbetrieben produzieren, die weder manuell noch in Kabinen sandstrahlen lassen. Auf der politischen Ebene verlangt die CCC, dass die Regierungen von Produktionsländern nationale Sandstrahlverbote erlassen und dass die EU und die Schweiz ein Importverbot für sandgestrahlte Jeansprodukte prüfen. Von der WHO/ILO fordert die CCC, das sie in ihrem globalen Programm zur Eliminierung der Silikose auch die Textilindustrie einschliessen und in Bangladesch ein nationales Umsetzungsprogramm lancieren.

Die Clean Clothes Campaign hat von 27.-28. März 2012 in Genf eine internationale Konferenz zum Thema Sandstrahlen abgehalten, um die Resultate der Bangladesch-Recherche und die weiteren Schritte für ein globales Sandstrahlverbot zu diskutieren. Die CCC trifft auch die Internationale Arbeitsorganisation der UNO (ILO) und fordert sie auf, sich dem Kampf gegen Killer Jeans anzuschliessen.

Für Interviews zur Verfügung stehen via Frau Luginbühl auch Rechercheure und Betroffene aus Bangladesch, die sich zur Zeit in Genf aufhalten, um die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) der UNO dafür zu gewinnen, sich dem Kampf gegen die Killer-Jeans anzuschliessen.

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