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Syngenta versucht Paraquat mit Desinformationen zu retten

6. Februar 2008

Zürich, 06.02.2008 - An der morgigen Vorstellung ihrer Jahresbilanz wird Syngenta einmal mehr versuchen, Medien und Investoren mit rosigen Aussichten zu täuschen. Die Konzernkommunikation des letzten Jahres zu ihrem Problem-Blockbuster Paraquat zeigt, wie fahrlässig bis falsch Syngenta-Statements oftmals sind.

Das Pestizid Paraquat ist nach wie vor eines der wichtigsten Produkte des Basler Agrochemiekonzerns. Als der Europäische Gerichtshof letzten Juli die Zulassung von Paraquat für nichtig erklärte, war Syngenta entsprechend bemüht, Medien und Börse zu besänftigen. Die meisten der damaligen Aussagen sind jedoch trügerisch oder schlicht falsch.

Einige Exempel:

  • John Atkin, COO Syngenta Crop Protection, sagte der Handelszeitung am 31.7.07, er sehe keine Anzeichen, dass ein weiteres Land Paraquat verbieten werde. Eine klare Fehleinschätzung, denn am 9.11 07 hat auch Sri Lanka ein Verbot ausgesprochen (Phase-Out in 3 Jahren). Anfang Februar 2008 doppelte Frankreich nach. Zudem hat Dole, der weltweit wichtigste Anbieter von Obst, Gemüse und Schnittblumen, im Oktober 2007 entschieden, kein Paraquat mehr anzuwenden.
  • Zu diesem Zeitpunkt (Oktober 07) hat Syngenta angekündigt, in Europa eine neue Zulassung zu beantragen, da sie insbesondere in Deutschland und Frankreich eine Nachfrage für das Produkt sehen (Syngenta-Sprecher Médard Schoenmaeckers in Le Temps vom 19.10.07). Eine weitere Fehleinschätzung: Deutschland war schon vor dem Verbot nur ein sehr kleiner Markt, und Frankreich hat mit seinem Entscheid vom 1. Februar 2008, die 30 bedenklichsten Wirkstoffe vom Markt zu verbannen, klar gemacht, dass Paraquat selbst bei einer allfälligen Neuzulassung in Europa in Frankreich keine Chance mehr hat.
  • Im Syngenta-Communiqué zum neuen EU-Zulassungsantrag behauptet der COO John Aktin, das Europäische Gericht sei nicht zum Schluss gekommen, dass Paraquat in der Anwendung ein unsicheres oder gefährliches Produkt ist. Dies ist eine irreführende Aussage, da das Gericht festhielt, dass bei der Benutzung von Paraquat eine Gefährdung der menschlichen Gesundheit nicht ausgeschlossen werden kann. Die Zulassung von Paraquat verstösst somit klar gegen die Erfordernis des Schutzes der menschlichen Gesundheit.
  • Ebenso irreführend ist die auf der Firmen-Website verbreitete Aussage, dass bei sachgemässem Gebrauch keine Gesundheitsgefährdung von Paraquat ausginge. Was Syngenta verschweigt, ist dass der sachgemässe Gebrauch in den meisten Entwicklungsländern nicht realisierbar ist. Eine soeben publizierte Syngenta-Studie zeigt auf, dass z.B. in Bangladesh oder den Philippinen selbst minimale Schutzvorschriften (langes Hemd, lange Hose, Schuhe oder Stiefel) von weit weniger als 10% der Anwender eingehalten werden. Dies hält Syngenta jedoch nicht davon ab, das Produkt unter diesen prekären Anwendungsbedingungen weiter zu vermarkten.

«Mit ihrer irreführenden Informationspolitik versucht Syngenta, Analysten und Medien von der Zukunft eines ihrer wichtigsten Produkte zu überzeugen. Dabei wird Paraquat von Regierungen und Anwendern weltweit immer mehr geächtet», hält François Meienberg von der Erklärung von Bern fest.

Weitere Informationen auf www.paraquat.ch oder bei:

François Meienberg, EvB-Bereichsleiter Landwirtschaft, +41 44 277 70 04, food[at]evb.ch

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