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The Public Eye Awards 2014: Gap und Gazprom erhalten den Schmähpreis

23. Januar 2014

Die Erklärung von Bern (EvB) und Greenpeace Schweiz vergeben heute in Davos während des Weltwirtschaftsforums (WEF) die gefürchteten Public Eye Awards. Den Jury-Preis erhält der amerikanische Textilgigant Gap, der sich wirksamen Reformen in der Textilindustrie in den Weg stellt. Für den Publikumspreis haben dieses Jahr über 280‘000 Online-Voter abgestimmt und dieser geht mit grossem Vorsprung an den Ölkonzern Gazprom. Ebenfalls ein exemplarisches Beispiel für rücksichtsloses Geschäftsgebaren auf Kosten von Mensch und Umwelt.

«Wir müssen sicherstellen, dass unser Wirtschaftsmodell mit unserem Wertesystem kompatibel ist und nicht, dass die Märkte es uns vordiktieren. Die Public Eye Awards machen auf unsere verlorengegangenen Werte aufmerksam», argumentiert Tomáš Sedláek, Hauptredner an der diesjährigen Pressekonferenz der Public Eye Awards und Star-Ökonom aus Tschechien. Während am WEF die grossen Wirtschaftsführer über ZUKÜNFTIGE Herausforderungen diskutieren, macht die internationale Kampagne The Public Eye Awards auf die AKTUELLEN und gravierendsten Fälle von Menschenrechtsverletzungen und Umweltsünden aufmerksam. Zwar widmet sich dieses Jahr das WEF auch Gesundheits- und Umweltthemen, doch es braucht jetzt mehr als einprägsame Worthülsen an die Medien. Die Public Eye Awards fordern eine kritische Auseinandersetzung mit unserem gegenwärtigen Wirtschaftsmodell, konkrete Massnahmen und rechtlich verbindliche Regulierungen von Staat und Konzernen.

An der Pressekonferenz in Davos diskutierte Tomáš Sedláek, Querdenker und ehemaliger Berater von Václav Havel über ein neues ökonomisches Denken, das aufzeigt, wie klassische Modelle in der Wirtschaft versagten. «Nicht mathematisch abbildbare Prozesse sind es, die letzten Endes über Wohl und Wehe von Volkswirtschaften bestimmen, sondern Wertesysteme, die jenseits mathematischer Rationalität liegen», so Tomáš Sedláek. Daran anknüpfend stellte Brid Brennan vom Transnational Institute of Policy Studies (TNI) den aktuellen State of Power Bericht des Instituts vor, welcher die Macht der multinationalen Unternehmen aufzeigt und wie diese von der Wirtschaftskrise weiterhin profitieren.

Der Public Eye Jury Award geht an Gap, nominiert vom International Labor Rights Forum, SumOfUs und United Students against Sweatshops
Trotz des schwersten Industrieunglücks des Landes, dem Einsturz der Rana Plaza Fabrik, mit über 1'100 Opfern und unzähligen Verletzten, weigert sich der US-amerikanische Textilgigant Gap bis heute, das rechtlich verbindliche Abkommen «Accord on Fire and Building Safety in Bangladesh» zu unterzeichnen. Stattdessen unterminiert das Unternehmen mit einem Pseudo-Abkommen aktiv die Bemühungen für wirksame Reformen in der Textilindustrie. «Gap weigert sich weiterhin, sich vertraglich dazu zu verpflichten, gemeinsam mit ihren Zulieferern und lokalen wie internationalen Gewerkschaften sicherzustellen, dass die Sicherheitsmängel in den Fabriken behoben werden und die Arbeitnehmenden das Recht haben, ihre Arbeit unter gefährlichen Bedingungen zu verweigern» sagte Kalpona Akter, Arbeitsrechts-Aktivistin aus Bangladesch. Sie ist Geschäftsleiterin des Bangladesh Center for Workers Solidarity und war früher selbst Kinderarbeiterin in der Textilindustrie. Heute ist sie eine international anerkannte Arbeitsrechts-
Aktivistin. An der Pressekonferenz gab sie einen Einblick in die unmenschlichen Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie in Bangladesch.


The Public Eye People’s Award – Gazprom, nominiert von Greenpeace Russland
In Verbindung mit der Festnahme der Arctic 30 ist Gazprom, der grösste Konzern Russlands, mittlerweile zu einem Begriff geworden, der für Ausbeutung des letzten intakten Ökosystems der Arktis steht. Auf der ganzen Welt wurde über die risikoreichen Ölbohrungen von Gazprom in der Arktis berichtet, wasseitdem in der Öffentlichkeit bekannt ist Und das mit gutem Grund: Aufgrund der extremen Bedingungen, wie Temperaturen bis minus 50 Grad Celsius, Eisbedeckung, heftige Stürme und Dunkelheit, sind Ölbohrungen in der Arktis besonders riskant. Diesen Herausforderungen begegnet Gazprom mit einem völlig unzureichenden Notfallplan und setzt zudem auf völlig veraltete Technik: Die für das Arktisabenteuer verwendete Plattform Prirazlomnaya besteht teilweise aus Komponenten stillgelegter Plattformen aus der Nordsee und rostete jahrelang in einer Werft in Murmansk vor sich hin. Im Dezember 2011 starben 53 Mitarbeiter, als die Gazprom Bohrinsel Kolskaya kenterte. Im selben Jahr verursachte Gazprom allein an Land 872 Ölunfälle - mehr als jeder andere Ölkonzern der Welt. «Gazprom ist die erste Firma weltweit, welche in den eisigen Tiefen der Arktis nach Öl bohrt. Die Bilanz betreffend Sicherheit der bisherigen Bohrungen ist erschreckend. Überall auf der Welt wird Gazprom heutzutage für mangelhafte Vorkehrungen im Bereich Sicherheit, Umwelt und ihren Mangel an Transparenz öffentlich verurteilt. Dies macht Gazprom zum idealen Gewinner des Publikumspreises 2014 für unverantwortliche Geschäftspraktiken. Der öffentliche Druck wird weiterhin zunehmen und zwar so lange, bis Gazprom seine gefährlichen und rücksichtslosen Pläne, in der Arktis nach Öl zu bohren, versiegen», meint Kumi Naidoo, Executive Director von Greenpeace International.

Verfolgen Sie die Konferenz auf Twitter: @LaDeclaration und @PEAwards

Mehr Informationen finden Sie hier oder unter:

Andreas Missbach, Erklärung von Bern, 044 277 70 07, andreas.missbach[at]evb.ch
Géraldine Viret, Déclaration de Berne, 021 620 03 05, viret[at]ladb.ch

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