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Verhalten von 16 Modefirmen - Neue Informationen aus Tirupur

6. Juni 2001

06.06.2001 - Menschen, welche unsere Kleider nähen, arbeiten oft weit mehr als 60 Stunden in der Woche und verdienen dabei weniger, als was zum Lebensunterhalt notwendig ist. Dies belegt die Recherche der Clean Clothes Campaign (CCC) * , die im Februar 2001 bei zwei Lieferanten von Schweizer Kleiderfirmen im indischen Tirupur durchgeführt wurde. Dem Skandal sollen nun die Taten folgen.

Viele Fernsehzuschauerinnen und Zuschauer waren empört, als der Kassensturz im Oktober 2000 Kinder zeigte, welche im indischen Tirupur noch um Mitternacht für Schweizer Firmen arbeiteten. Eine Recherche der Clean Clothes Campaign (CCC) bei je einem Lieferanten von Vögele und von Jumbo zeigt nun, das die Kinderarbeit ein Indikator für generell untragbare Verhältnisse ist. Die Menschen erleiden ihre Arbeitslast wohl deshalb, weil die Bedingungen in vielen anderen Nähateliers noch schlechter sind. Die Beschäftigten, welche meist zur Unterschicht gehören und oft Wanderarbeiter sind, arbeiten auf Abruf. Regelmässig wird die gesetzlich zulässige Maximaldauer von 60 Wochenstunden (inkl. Überzeit) überschritten. Mehrere der 20 befragten Angestellten gaben an, trotz dieser Tag-und-Nachtarbeit weniger als das gesetzliche Minimum zu verdienen. Dieses beträgt für einen Normalarbeitstag von 9 Stunden 110 indische Rupien (4.- Franken). Die Verantwortung für diese systematische Missachtung international anerkannter Grundrechte und indischer Gesetze tragen auch die europäischen Kleiderfirmen.

Die Mediensprecher von Vögele und Jumbo zeigten sich nach der Sendung Kassensturz tief besorgt über die negativen Schlagzeilen. Vögele wollte die Produzenten auch gleich mit einem Bestellungsstopp bestrafen. Dieser wurde aber zurückgenommen, nachdem die Clean Clothes Campaign intervenierte. In Gesprächen mit den Konzernleitungen betonte die CCC, dass die Firmen ihre Lieferanten nicht auswechseln sollen. Bessere Arbeitsbedingungen können nur durch Zusammenarbeit erzielt werden. Sechs Monate später haben nun beide Firmen strengere Sozialstandards angekündigt. Entscheidend ist aber die effiziente Umsetzung dieser Regeln. Das zeigt die CCC-Recherche: Vögele hat schon seit Jahren einen für ihre Lieferanten gültigen Kodex. Dennoch war den Beschäftigten bisher kein sozialer Verhaltenskodex bekannt. Auch Betriebskontrollen haben sie noch nie wahrgenommen.

Die Arbeitsverhältnisse sind nicht nur bei Jumbo und Vögele teilweise untragbar. Die sozialen Grundrechte werden in vielen Produktionsländern missachtet. Die schlimmsten Zustände herrschen meist bei kleinen Unterlieferanten, welche unter grossem Zeitdruck nur Einzelaufträge ausführen. Dort sind die Löhne noch tiefer und die Bedingungen noch schlechter. Es ist daher nicht haltbar, wenn Schweizer Modehäuser - wie zum Beispiel die Firma Ackermann – ihre Verantwortung an die Zwischenhändler abschieben. Einen Überblick zum Verhalten von 16 Modefirmen bietet der nun vorliegende CCC-Newsletter Nr. 4.

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