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Warnung an UBS: Kein Blut für Kohle in Bangladesch

Zürich, 19. Dezember 2007

Menschen, die vom geplanten Kohlabbau in Bangladesch betroffen wären, haben die UBS aufgefordert, sich von der Betreiberfirma zurück zu ziehen. Denn für das Hochrisiko-Projekt „Phulbari Coal Mine“ wird bereits jetzt über Leichen gegangen. Dass die Schweizer Grossbanken ihre Hausaufgaben in Sachen Menschenrechte nicht gemacht haben, zeigt auch der neue Bericht „Mind the Gap“ (PDF, 1.4 MB) des BankTrack-Netzwerks.

Mit 11,39% der Aktien ist die UBS zweitgrösste Aktionärin des englischen Unternehmens GCM Resources, das in Bangladesch eine hoch umstrittene Kohlemine plant. Das Phulbari-Kohleprojekt im Nordwesten Bangladeshs wird von der betroffenen Bevölkerung mit Einsatz ihres Lebens bekämpft. Dafür gibt es gute Gründe: GCM plant die Kohle im Tagebau zu gewinnen, obwohl sich die Flöze in Tiefen von 140 bis 300 Metern befinden. Durch den Flächenbedarf des Tagebaus würden 50'000 Menschen direkt betroffen, davon müssten nach offiziellen Angaben 43'000 umgesiedelt werden. Werden die Pläne in vollem Umfang realisiert, könnten 200'000 bis 400'000 Menschen vertrieben werden, da das gigantische Loch den Grundwasserspiegel in dieser dicht besiedelten und eigentlich fruchtbaren Gegend permanent absenken würde.

Der grösste Teil der Produktion von Phulbari ist für den Export bestimmt. Der dafür vorgesehene neue Hafen soll in den Sundarbans errichtet werden. Dies ist der letzte verbliebene zusammenhängende Mangrovenwald der Welt, Heimat der bedrohten Tiger und UNESCO-Welterbe. Da Bangladesch eines der vom Klimawandel am meisten bedrohten Länder ist, würden zudem noch viel mehr Menschen indirekt unter den CO2-Emissionen durch den Kohleexport leiden. Im August 2006 schossen Paramilitärs in eine Protestversammlung von über 50'000 Menschen, töteten fünf davon und verletzten über hundert. Die lokalen GCM-Büros wurden daraufhin verwüstet und ihr Personal musste aus Phulbari fliehen. An einer kürzlich stattgefundenen weiteren Protestveranstaltung sagte einer der damals Verletzten: „Wenn nötig werden wir unsere Leichen hergeben, aber nicht die Kohle.“ Die Behörden in Bangladesch haben dennoch noch nicht entschieden, das Tagebau-Projekt zu stoppen.

In dieser verzweifelten Situation wandten sich die Betroffenen an das BankTrack-Netzwerk und die Erklärung von Bern (EvB), um Druck auf die Aktionäre von GCM Resources auszuüben. Wegen der Repression in Bangladesch können sie nicht in eigenem Namen auftreten. Da GCM hauptsächlich aus diesem einen Projekt besteht, forderten sie die Bank auf, ihren Aktienanteil an GCM zu verkaufen. Die UBS antwortete, dass sie ihre Kundenbeziehungen nicht kommentieren würde. „Diese schnoddrige Reaktion zeigt, dass die UBS ihre Hausaufgaben zum Thema Banken und Menschenrechte nicht gemacht hat“, sagt der EvB-Bankenexperte Andreas Missbach. Dies bestätigt auch ein heute erschienener Bericht des BankTrack-Netzwerks. Darin wurde die Qualität der internen Standards von 45 internationalen Banken für sieben Branchen und sieben thematische Bereiche (u.a. Menschenrechte und Klimawandel) untersucht. Die UBS gehört (ebenso wie die Credit Suisse) in keinem Aspekt zu den führenden Banken.

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