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Welternährungstag 2001 – Der Kampf gegen den Hunger braucht eine Agrarforschung im Dienste der Bäuerinnen und Bauern

11. Oktober 2001

Zürich, 11.10.2001 - Anlässlich des Welternährungstages vom 16. Oktober 2001 fordern die Erklärung von Bern und Swissaid einen Kurswechsel in der Agrarforschung. Die Bedürfnisse der Bauern, insbesondere der Millionen von Kleinbauern im Süden, sollen die Richtung der Forschungsaktivitäten leiten. An der heute in Bern durchgeführten Tagung „Agrarforschung für wen?“ von EvB und Swissaid stellten Fachleute aus vier Kontinenten fest, dass insbesondere die private Forschung dieses Ziel bis anhin verfehlt hat. Fallbeispiele zeigten auf, wie gross das Potential einer nachhaltigen Landwirtschaft für die Ernährungssicherung ist.

Rafael V. Mariano, Präsident der philippinischen Bauernbewegung, zeigte in seinem Referat auf, wie viel Schaden für Menschen und Umwelt der gesteigerte Einsatz von Pestiziden während der grünen Revolution anrichtete. Während der Marcos Diktatur hat sich der Pestizid Verbrauch zwischen 1972 und 87 verzwanzigfacht. 99 Prozent der durch den Gebrauch von Pestiziden verursachten Todesfälle ereignen sich in den Ländern des Südens. Rafael Mariano befürchtet, dass die Gentechnologie in der Landwirtschaft wiederum die Kleinbauern benachteiligen wird.

Rachel Hine (UK) von der Universität Essex stellte eine neue Studie vor, die 208 Projekte nachhaltiger Land-wirtschaft, an denen 9 Millionen Bäuerinnen und Bauern beteiligt sind, analysierte. Beispiele aus 52 Ländern Afrikas, Asiens und Lateinamerikas zeigen das enorme Potential zur Steigerung der Nahrungsmittelproduktion mittels nachhaltiger Landwirtschaft auf. Der Ertrag konnte in den untersuchten Projekten bei Kulturpflanzen ohne künstliche Bewässerung in der Regel um 50 – 100 Prozent gesteigert werden, wobei immer auch ein ökologischer und sozialer Zusatznutzen mit den Projekten angestrebt wurde.

Hope Shand (Action Group on Erosion, Technology and Concentration, USA) zeigte auf, wie stark der Rückgang der öffentlichen Agrarforschung und die zeitgleiche Konzentration innerhalb der Agroindustrie die Ernährungs-sicherheit gefährden (74 % der Gentech-Patente in der Landwirtschaft sind im Besitz von sechs multinationalen Firmen). Insbesondere die Privatisierung und Monopolisierung der Forschungsergebnisse durch Patente oder technologische Mittel stellen ein grosses Risiko dar


Die Erklärung von Bern und Swissaid haben vor einem Monat eine Kampagne lanciert, um die Einführung von Gentechkaffee zu verhindern, dessen Reifung künstlich gesteuert wird. Diese Kaffeesträucher sind ein Paradebeispiel für private, gewinnorientierte Agrarforschung, deren Ergebnis Millionen von Kleinbauern in den Ruin treiben könnte.

Vom 5. bis 9. November findet in Rimini die Folgekonferenz zum Welternährungsgipfels von 1996 statt. Um dessen Ziel, die Halbierung der Zahl der hungernden Menschen bis in das Jahr 2015 zu erreichen, fordern die EvB und Swissaid die Stärkung einer öffentlichen Agrarforschung, welche die Bauern und Bäuerinnen in den Mittelpunkt stellt, ökologische Ziele miteinbezieht und auf Gentechnologie verzichtet. Änderungen des internationalen und nationalen Patentrechtes sollen den Zugang zu den Forschungsergebnissen und den genetischen Ressourcen für Forscherinnen und Bauern sicher stellen.

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