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5. Juni 2012

Bern/Zürich/ Lausanne, 06.06.2012 - Biotomaten pflanzen und damit Syngentas Bilanz polieren? Durchaus möglich. Denn der Basler Agrarkonzern kontrolliert zusammen mit dem US-Konkurrenten Monsanto bei gewissen Gemüsearten über 50 Prozent des globalen Saatgutmarktes. Konsumenten-, Landwirtschafts- und Entwicklungsorganisationen sind besorgt und fordern mehr Transparenz. Denn nur so können Händler und KonsumentInnen informierte Kaufentscheide fällen.

Stimmt es, dass das meiste Gemüse, welches wir in der Schweiz essen, von wenigen Konzernen stammt, die auch Pestizide vertreiben? Schweizer Entwicklungs-, Landwirtschafts- und Konsumenten-Organisationen haben gemeinsam eine Studie* in Auftrag gegeben, um mehr über die Konzentration der Saatgutbranche für Gemüse zu erfahren. Die Recherche zeigt, dass die beiden Agrochemiekonzerne Syngenta und Monsanto bei Peperoni 56%, bei Tomaten 62% und bei Blumenkohl gar 71% aller in Europa geschützten Sorten besitzen und somit den Markt dominieren.


Diese Zahlen haben auch für die Schweiz Bedeutung: Denn knapp die Hälfte des hier konsumierten Gemüses wird importiert; die Mehrheit der Gemüsesetzlinge stammt aus dem europäischen Ausland, und auch für die Aussaat werden Sorten aus dem EU-Sortenkatalog übernommen. Immer mehr Saatgut – und daraus hergestellte Lebensmittel – sind zudem patentiert. Auch Bio-Gemüse wird zurzeit noch meist aus diesem konventionellen Saatgut produziert. Daten zu den in der Schweiz effektiv angepflanzten und verkauften Gemüsesorten existieren aber nicht.

Dies ist problematisch, denn Konsumenten oder Detailhändler wissen - anders als etwa bei Äpfeln oder Kartoffeln - nicht, welche Sorten Tomaten, Blumenkohl oder Peperoni sie kaufen oder verkaufen. Die zunehmende Patentierung von Nutzpflanzen treibt zudem die Konzentration im Saatgutsektor weiter voran. Durch das Quasi-Monopol weniger Saatgut-konzerne steigt der Druck auf Kleinbauern und -Züchterinnen, während die Sortenvielfalt bei vielen Gemüsen und damit die Auswahl für die Konsumierenden stetig sinkt.

Laut einer Umfrage sind die meisten Schweizer KonsumentInnen und Detailhändler gegenüber Patenten auf Nutzpflanzen kritisch eingestellt. Ohne Informationen, welche Sorten angebaut oder eingekauft werden, ist es jedoch fast unmöglich nachzuvollziehen, ob ein Gemüse patentiert ist oder nicht und von welchem Konzern es stammt. Die aufgeführten Nichtregierungsorganisationen fordern deshalb dringend mehr Transparenz über die verkauften Sorten und deren Herkunft. Nur dies ermöglicht informierte Kaufentscheide und die effektive Kontrolle des Saatgutmarktes durch die Wettbewerbspolitische Kommission.

*Die Studie wurde von folgenden Organisationen in Auftrag gegeben: Erklärung von Bern, Swissaid, IP Suisse, Bio Suisse, Pro Specie Rara, Stiftung für Konsumentenschutz (SKS), Fédération Romande des Consommateurs (FRC) und Associazione consumatrici e consumatori della Svizzera italiana (ACSI).

 

 

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