Freihandel mit Mercosur: Klimagase durch Agrarprodukte würden sich mehr als verdoppeln

Eine neue Studie von Alliance Sud und Public Eye zum Schweizer Freihandelsabkommen mit den Mercosur-Staaten zeigt, dass die CO2-Emissionen allein im Agrarbereich um 112% steigen könnten. Hauptgründe sind die massiv vergrösserten Kontingente für den Import von Soja und Rindfleisch sowie für den Export von Schweizer Schokolade.

Der Ausbau des Agrarhandels ist ein Hauptziel des aktuell im Parlament debattierten Mercosur-Abkommens. Einige wichtige Waren haben dabei erhebliche Folgen fürs Klima. Derzeit verursachen diese Im- und Exporte zwischen dem südamerikanischen Mercosur (Argentinien, Brasilien, Paraguay, Uruguay) und der Schweiz rund 307’000 Tonnen CO2e jährlich. Unsere umfassende Untersuchung zeigt: Mit den neuen Kontingenten würden die Emissionen dieser Produkte um 342’000 Tonnen CO2 steigen, was mehr als das Doppelte des heutigen Niveaus wäre (+112%)

Konkret bewirkten die zusätzlichen Agrarimporte in die Schweiz bis zu 190’000 Tonnen CO2-Austoss (+96%). Die zusätzlichen Exporte würden bis zu 152’000 Tonnen CO2e (+523%) verursachen. Das Freihandelsabkommen würde die Klimabelastungen durch den beidseitigen Warenverkehr also massiv verstärken.

Bei den Importen betrifft dies vor allem Sojaderivate und Rindfleisch, die in den Mercosur-Ländern im industriellen Massstab und mit grossen sozialen und ökologischen Folgen produziert werden. Auf der Exportseite würde hauptsächlich der starke Ausbau der Schokoladenkontingente zum markanten Anstieg der klimaschädlichen Treibhausgase beitragen. Obwohl sich diese Negativeffekte auf wenige besonders klimaschädliche Produkte konzentrieren, sieht der Bundesrat keinerlei Massnahmen zur Verringerung der damit verbundenen Risiken vor.

Deshalb steht dieses Freihandelsabkommen, das die Aussenpolitische Kommission des Nationalrats (APK-N) heute berät, auch in fundamentalem Widerspruch zu den Schweizer Klimazielen. Wegen seiner hohen Klimarisiken und dem ungenügenden Schutz für Menschenrechte und Umwelt fordern Alliance Sud und Public Eye von der Kommission die Ablehnung des Abkommens. Es sei denn, sie legt wirksame Begleitmassnahmen vor, die den Import von Produkten aus Entwaldung und Zwangsarbeit verhindern.

Für weitere Informationen:

Manuel Abebe, Handelsexperte, Public Eye, 077 455 42 34, manuel.abebe@publiceye.ch