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Die Collevechio Deklaration

Die Collevecchio Declaration ist die wichtigste kollektive Vereinbarung verschiedener NGOs über Veränderungen des Bank- und Finanzwesens im Hinblick auf soziale und ökologische Faktoren.

Collevecchio Deklaration über die Verantwortung von Banken

Finanzinstitute (FI) wie Banken und Vermögensverwalter können mithelfen, die Nachhaltigkeit von Umwelt und Gesellschaft zu fördern. Die vorliegende Erklärung fordert die Banken auf, sechs wichtige Grundsätze über die Verantwortung des Finanzsektors für die Förderung von Nachhaltigkeit zu übernehmen. Die unterzeichnenden Organisationen der Zivilgesellschaft fordern die Banken auf, unverzüglich Schritte einzuleiten, um diese Grundsätze als strategische Leitlinien umzusetzen. Nur so wird die Gesellschaft die Geschäfte der Banken weiterhin billigen. 

Die Rolle und Verantwortung von Finanzinstituten 
Der Finanzsektors ist für die Bereitstellung und Verwaltung von Kapital verantwortlich. Ebenso wie die Kommunikationsindustrie oder der Technologiesektor, steht der Finanzsektor nicht prinzipiell im Widerspruch zu Nachhaltigkeit. Im Zeitalter der Globalisierung spielen Banken aber eine zentrale Rolle bei der Steuerung der globalen Finanzflüsse und bei der Gestaltung der Finanzmärkte. Sie beeinflussen die nationale und internationale Wirtschaftspolitik in falscher Weise, so dass diese viel zu wenig dazu beiträgt, dass die Umwelt nicht verschmutzt wird, die Menschenrechte bewahrt und soziale Gerechtigkeit gefördert wird. 

Die bekanntesten Fälle von Misswirtschaft im Finanzsektor sind die geplatzten Seifenblasen in der High-Tech- und Telekommunikationsbranche. Banken finanzierten aber auch unethische Firmen, korrupte Regierungen und leichtsinnige Projekte. Die Banken spielen in den Ländern des Südens eine immer grössere Rolle. Sie tragen eine wesentliche Verantwortung für internationale Finanzkrisen und die erdrückende Schuldenlast der Entwicklungsländer. Die meisten Banken lehnen jedoch jegliche Verantwortung für die von ihren Geschäften verursachten Schäden an Umwelt und Gesellschaft ab. Dagegen rühmen sie sich für ihren Beitrag zur wirtschaftlichen Entwicklung. Es gibt nur wenige Finanzinstitute, die ihre Stellung als Gläubiger, Finanzanalysten, Vermittler, Berater oder Investoren wirksam nutzen, um bewusst Geldmittel in Unternehmen zu leiten, die sozial und ökologisch nachhaltig wirtschaften, oder die ihre Kunden dazu bewegen, nachhaltige Projekte zu unterstützen. 

Die grosse Mehrheit der Banken nutzt ihren Spielraum für die Veränderung von Finanzmärkten nicht. Sie missachten weiterhin die Umwelt und die lokalen Gemeinschaften. Banken haben allein die Steigerung des Shareholder Value im Visier und sie wollen möglichst hohe Profite erzielen. Banken spielten eine Schlüsselrolle bei der Gestaltung von Finanzmärkten, in denen fast allein kurzfristige Gewinne zählen. Diese kurzfristige Denkweise gibt den Unternehmen starke Anreize, schnelle Gewinne vor die längerfristigen Ziele der Nachhaltigkeit - wie soziale Sicherheit und Erhaltung der Umwelt - zu setzen. 
Durch die Tätigkeit internationaler Organisationen, wie den Bretton Woods Institutionen, hat sich der Einfluss von Banken ständig erweitert, weil die Staaten unter ihrem Einfluss ihre Finanzmärkte dereguliert, die Wirtschaft liberalisiert und Staatsbetriebe privatisiert haben. 

Finanzinstitute förderten diese Politik nicht nur aktiv, sondern sie profitierten davon dank steigenden Gewinnen und grösserem Einfluss. 
In allzu vielen Fällen profitieren Banken von ihrer Macht - zum Schaden der Gesellschaft und der Umwelt. Beispielsweise verlangen Banken von hoch verschuldeten Staaten in Krisenzeiten hohe Risikoprämien, während sie gleichzeitig darauf setzen, dass der Internationale Währungsfonds ihnen mit öffentlichen Mitteln aushilft. Sie torpedieren mögliche Lösungen für die Schuldenkrise, wie zum Beispiel ein Insolvenzverfahren für Staaten, das Nicht – Regierungsorganisationen vorgeschlagen haben und das gegenwärtig beim Internationalen Währungsfonds diskutiert wird. Banken behindern die Eindämmung von Steueroasen, die für Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit schädlich sind. 

Deshalb hinterfragt die Zivilgesellschaft, wie Banken ihre Verantwortung wahrnehmen und sie bestreitet die gesellschaftliche Billigung ihrer Geschäfte. Als wichtige Akteure in der Weltwirtschaft, sollten sich die Banken zur Förderung von Nachhaltigkeit verpflichten. Dabei können sie auf guten Beispielen aufbauen, wie Unternehmen ihre soziale Verantwortung wahrnehmen. Dabei müssen sie aber anerkennen, dass freiwillige Massnahmen allein nicht ausreichen und dass sie die Entwicklung von bindenden Regeln unterstützen müssen, durch die in ihrer Branche Nachhaltigkeit gefördert werden kann. 

Verpflichtung zu sechs Grundsätzen 

Banken stehen wie alle Unternehmen im Dienste der Gesellschaft und sie sollen in ihrem Interesse tätig sein. Deshalb sollten sie die Regeneration und den Schutz der Umwelt fördern und sich für die Menschenrechte und soziale Gerechtigkeit einsetzen. Diese Grundsätze müssten ein Teil der Art und Weise sein, wie Banken Finanzprodukte und -dienstleistungen anbieten und ihre Geschäfte abwickeln. 
Finanzen und Handel stehen im Zentrum des historischen Prozesses der Entkoppelung von Produktion und Konsum von der Ressourcenbasis des Planeten. Weil die Wirtschaft an ihre ökologischen Grenzen stösst, sollte der Finanzsektor seinen Anteil an der Verantwortung für diese Entkoppelung tragen. Ein angemessenes Ziel der Banken wäre deshalb die Bewahrung der Umwelt und die Förderung sozialer Gerechtigkeit, statt nur auf die Maximierung des Wachstums und das finanzielle Resultat zu starren. Zur Erreichung dieses Ziels sollten sich die Banken an folgende Grundsätze halten: 

1. Verpflichtung zur Nachhaltigkeit 

Banken sollen nicht nur Profitmaximierung im Auge haben, sondern eine Vision entwickeln, wie sie zur Nachhaltigkeit von Umwelt und Gesellschaft beitragen können. Ein Engagement für Nachhaltigkeit bedeutet für Finanzinstitute, dass sie die Respektierung ökologischer Grenzen, den sozialen Ausgleich und die Gerechtigkeit in der Wirtschaft vollständig in ihre Firmenstrategien einbauen und in allen Kerngeschäftsbereichen (Kredit, Investition, Vermittlung und Beratung etc.) umsetzen. Banken müssen Nachhaltigkeitszielen die gleiche Bedeutung zumessen wie der Gewinnmaximierung und der Kundenzufriedenheit. Sie müssen sich aktiv dafür einsetzen, dass nur Geschäfte finanziert und abgewickelt werden, welche die Nachhaltigkeit fördern. 

2. Verpflichtung 'keinen Schaden zu verursachen' 

Banken müssen sich verpflichten, keinen Schaden an Mensch und Umwelt zu verursachen, indem sie die negativen Auswirkungen ihrer Portfolios und ihrer Geschäftstätigkeit reduzieren und vermeiden. Finanzinstitute sollen Richtlinien, Verfahren und Normen schaffen, welche auf dem Vorsorgeprinzip beruhen, das besagt, dass jede Beeinträchtigung von Umwelt und Gesellschaft möglichst klein zu halten ist und alle Geschäfte, welche im Widerspruch mit Nachhaltigkeit stehen zu vermeiden sind. 

3. Verpflichtung zu Verantwortung 

Finanzinstitute tragen die volle Verantwortung für die Auswirkungen ihrer Geschäfte auf Gesellschaft und Umwelt. Finanzinstitute müssen für alle Risiken, die sie eingehen und verursachen, gerade stehen. Dazu gehören finanzielle Risiken ebenso wie die sozialen Kosten und Umweltkosten, welche bisher allein der Allgemeinheit aufgebürdet wurden. 

 

4. Verpflichtung zur Rechenschaft 

Banken sind all jenen rechenschaftsplichtig, die von ihrer Tätigkeit betroffen sind. Dies betrifft insbesonders all jene Menschen, die unter den negativen Folgen von Aktivitäten von Firmen und Projekten leiden, die von Banken finanziert wurden. Rechenschaft erfordert, dass die Betroffenen Einfluss auf die finanziellen Entscheide haben, welche ihre Lebensqualität und ihre Umwelt beinflussen. Dazu braucht es Gesetze, die Banken müssen aber unabhängig davon durch eigene Massnahmen und Mechanismen die Rechte der Betroffenen sicherstellen.  

5. Verpflichtung zu Transparenz 

Banken müssen gegenüber allen Anspruchsgruppen transparent sein, sie müssen regelmässig gründliche, standardisierte Berichte veröffentlichen. Darüber hinaus sollen sie aber auch auf die speziellen Informationsbedürfnisse von Betroffenen eingehen und auch über die Strategien, Verfahren und einzelnen Geschäfte Auskunft geben. Das Geschäftsgeheimnis soll nicht als Vorwand benutzt werden, um den Betroffenen Informationen zu verweigern. 

6. Verpflichtung Märkte nachhaltiger zu machen und Regulierung zu fördern 

Finanzinstitute müssen sicherstellen, dass Märkte fähig werden, Nachhaltigkeit zu förden. Dazu braucht es staatliche und internationale Vorgaben, Richtlinien und Regulierungsmechanismen, damit die vollen externen Kosten nicht mehr länger der Gesellschaft und der Umwelt aufgebürdet werden. Banken sollen diese Bemühungen aktiv unterstützen.

 

 

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