Navigationspfad

Zurück

Foul Play zur WM: Rekordausgaben für Sponsoring, Armutslöhne für Näherinnen

65 Millionen Euro im Jahr bekommt alleine die deutsche Fussball-Nationalmannschaft von ihrem Sponsor Adidas – fast dreimal so viel wie noch 2015. Der neue Bericht „Foul Play“ vom Kollektiv Ethique sur l’ethiquette und der Clean Clothes Campaign deckt auf, dass Nike und Adidas Rekordsummen für Fussball-Sponsoring ausgeben, während Näherinnen in der Produktion der Sportartikel nicht einmal existenzsichernde Löhne erhalten.

Neymar, Sie kennen mich nicht. Aber ich kenne Sie. Ich habe Ihr Trikot genäht.

Sportmode liegt im Trend. Und mit enormen Marketingbudgets heizen die beiden Marktführer Adidas (rund 2,7 Milliarden Euro im Jahr) und Nike (rund 3 Milliarden Euro) diesen Trend weiter an – mehr als 10% des Umsatzes geht dafür drauf. Ein immer grösserer Teil davon wird für Sponsoring ausgegeben (Bei Nike sind es mittlerweile rund 40% ), bei dem Vereine, Nationalmannschaften oder einzelne Sportler als Werbeträger Millionensummen bekommen.

Aufgrund seiner globalen Popularität ist Fussball zur beliebtesten Werbeplattform der Sportartikel-Konzerne geworden. 2018 erhalten die 10 europäischen Spitzenclubs nach Berechnungen des Handelsblatts zusammen 633 Millionen Euro, was einen Anstieg von 55 Prozent seit 2015 bedeutet. Die drei höchsten Einzelverträge bringen Ronaldo (20 Millionen, Nike), Messi (12 Millionen, Adidas) und Neymar (12 Millionen, Nike) jährlich hohe Zusatzeinnahmen. Zum Vergleich: vor 15 Jahren bekam der damalige Top-Fussballer Zidane mit 1 Million gerade mal ein Zwanzigstel der heutigen Rekordsumme.

Sinkender Lohnanteil der Näherinnen

Im Gegensatz zu den Marketingbudgets und Sponsoring-Megadeals sind die Lohnanteile der Arbeiterinnen nicht gestiegen (der Grossteil der Näherinnen von Sportartikeln ist weiblich). Im Gegenteil: machten die Lohnkosten in der Produktion eines Nike Sportschuhs 1995 noch rund 4% des Ladenpreises aus, ist dieser Anteil mittlerweile auf beschämende 2,5% gesunken – die Hälfte dessen, was für Marketing aufgewendet wird.

In Indonesien, wo ein Großteil der Sportbekleidung von Adidas und Nike hergestellt wird, verdienen die Textilarbeiterinnen (zu 80% Frauen) gerade mal zwischen 82 und 200 Euro im Monat. Trotz harter Arbeit können sich die Meisten mit ihrem Lohn nicht einmal das Nötigste finanzieren, geschweige denn ihren Familien ein angemessenes Leben ermöglichen. Ein Existenzlohn müsste nach Schätzung der Asia Floor Wage mindestens 363 Euro betragen.

Statt das Sponsoring auf immer absurdere Rekordspitzen zu treiben, wäre es für die Marktführer Nike und Adidas ein Leichtes, Die Löhne anzuheben. Konkret zum Beispiel indem sie in Indonesien Verhandlungen über ein verbindliches Lohnprotokoll mit Gewerkschaften aufnehmen – was aber beide Konzerne seit 10 Jahren abblocken.

Weitere Informationen:

Zurück