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Giftiges Gold: Credit Suisse prüft Finanzierung

Weisse Sandstrände, kristallklares Wasser und tropischer Regenwald: die indonesische Provinz Nordsulawesi kommt der Vorstellung von einem Paradies ziemlich nahe. Eine von der Credit Suisse unterstützte Goldmine droht das Paradies und die Lebensgrundlage der lokalen Bevölkerung zu zerstören.

Ein Teil der Küstengewässer ist auf der Liste für eine mögliche Auszeichnung als UNESCO-Weltnaturerbe. Die einmalige Biodiversität der Gewässer setzt sich an Land fort, vor allem in den Nationalparks Tangkok und Dua Saudara. Die Menschen leben vom Fischfang und vom Tauchtourismus.

Ausgerechnet in dieser unberührten und fragilen Landschaft will das Bergbauunternehmen «PT Meares Soputan Mining» (MSM) eine Goldmine in Betrieb nehmen. Das Projekt, das in Toka Tindung durchgeführt werden soll, würde sich katastrophal auf nahe gelegene Küsten und Nationalparks und damit auf die Lebensgrundlage der Menschen auswirken. Die Credit Suisse prüft die Finanzierung der Goldmine mit einem Kredit an den Mutterkonzern der Betreibergesellschaft Archipelago Resources PLC.

Toxische Sümpfe in Toka Tindung

Die befürchteten Umweltauswirkungen der Toka Tindung Goldmine sind immens. Grösster Risikofaktor ist die Lagerung des giftigen Abraums. Nach massiven Protesten von Bevölkerung, Provinzparlament und des Gouverneurs hat MSM die ursprünglichen Pläne, den Abraum einfach ins Meer zu pumpen, aufgegeben. Die Giftschlämme sollen nun in Staubecken an Land gelagert werden. Doch auch dies ist wegen häufiger Erdbeben und Erdrutsche in der Region keineswegs sicher. Verantwortlich für den Bau der Rückhaltebecken ist «Lapindo Brantas», dasselbe Unternehmen, das in der Region von Sidoarjo auf Ostjava bei Gasbohrungen einen Schlammvulkan verursacht hat. Dieser hat ein riesiges Gebiet überflutet und wächst weiter an (Stand: September 2008). Diese Firma ist im Besitz des indonesischen Wohlfahrtsministers Bakrie.

Neben den Abfällen birgt auch die Goldgewinnung grosse Gefahren. In Toka Tindung soll das Gold mit Hilfe von hochgiftiger Zyanidlauge aus dem Gestein gelöst werden. Die Mine soll nur sechs Jahre in Betrieb sein, die toxischen Sümpfe bleiben aber bis in alle Ewigkeit zurück.

Entwicklungspläne der Provinz Nordsulawesi begraben

Die Gewinnung von einem Gramm Gold verbraucht mehr als 100 Liter Wasser, das die Bevölkerung als Trinkwasser, die Landwirtschaft zur Bewässerung und die heimische Industrie zur Produktion benötigen. Die Mine würde ein tiefes Loch hinterlassen und so den Grundwasserspiegel absenken. Nach Angaben der Bergbau-kritischen NGO «Jatam» wäre die Wasserversorgung von mindestens 20.000 Menschen in den Distrikten Likupang Timur und Bitung durch die Mine akut bedroht, das Absinken des Grundwassers würde die Lebensgrundlage von mindestens 30.000 Landwirten zerstören.

Nicht nur der Minenbetrieb, bereits der Bau hat zerstörerische Auswirkungen. Die schweren Schiffe, die seit 2004 im ohne Genehmigung ausgebauten Hafen von Bitung anlegen, und der Schiffsverkehr an der ebenfalls illegal gebauten Anlegestelle in der Bucht von Rinondoran, verringern die Fischvorkommen und zerstören die erstklassigen Tauchgebiete. Im März 2007 begrub eine Schlammlawine die Häuser an der Rinodoran-Bucht. Die Erdmassen, die sich ins Meer ergossen, verursachten ein Fischsterben.

Die Zerstörung von Meeresfauna und Fischvorkommen würde das Aus für die Entwicklungspläne der Provinz bedeuten, die auf Tourismus, Fischfang und Landwirtschaft setzt. Die Einkünfte von 18.000 Fischern und ihrer Familien sind durch die Auswirkungen der Mine bedroht. Im Tourismussektor liegt ein enormes Potential, das in der Planung der Provinzregierung zur primären Einkommensquelle der Region werden soll.

Widerstand und Einschüchterung

Kein Wunder also, dass die Bevölkerung gegen das Minenprojekt protestiert. Um den Bau der Goldmine zu verhindern, wurde die «Küstenallianz gegen Giftschlämme» (AMMALTA) gegründet. Seit Beginn ihrer Aktionen ist AMMALTA mit Einschüchterungen durch Polizei und durch Sicherheitskräfte des Unternehmens MSM konfrontiert. Im Juli 2006 etwa nahmen mehrere tausend Menschen an einem Protestmarsch vom Hafen von Bitung in die Provinzhauptstadt Manado teil. Sie forderten den Rückzug von Archipelago Resources aus Nordsulawesi. Nach der Kundgebung wurde ein Laster mit Heimkehrenden angegriffen. Mehrere Menschen trugen schwere Kopfverletzungen davon, eine schwangere Frau erlitt eine Fehlgeburt. Unter den Angreifern waren laut AMMALTA auch Sicherheitskräfte von MSM. Bis heute bleibt die Polizei den Opfern eine umfassende Untersuchung des Falles schuldig.

Ein weiterer Konflikt dreht sich um die nicht genehmigte Anlegestelle in der Bucht von Rinondoran. AMMALTA sammelte über 3.000 Unterschriften gegen diese Konstruktion. Trotzdem besteht die Anlegestelle weiter, Bauelemente für die Giftschlammstaubecken wurden hier entladen. Seitdem veranstalten die aufgebrachten Fischer regelmässig Seeblockaden. Mehrere Male wurden auch Posten und kleinere Lager von MSM bei Protestaktionen zerstört. Die darauf folgenden Gerichtsverfahren erwecken laut AMMALTA den Anschein von Schauprozessen. So seien die vorgebrachten Beweise widersprüchlich, und Videoaufnahmen würden belegen, dass die angeklagten Aktivisten nicht die wirklichen Täter sind. Es scheint viel mehr, dass Polizei und Staatsanwaltschaft im Interesse von MSM agieren, mit dem Ziel, Kritiker des Unternehmens mundtot zu machen.

An eine Anhörung vor dem Energie- und Umweltausschuss des indonesischen Parlaments schickte MSM neun Bürgermeister und fünf Dorfvorsteher, die von der angeblichen Begeisterung der Bevölkerung über das Minenprojekt berichten sollten. Da sich aber im Vorfeld der Anhörung herausstellte, dass MSM seine neuen Fürsprecher mit geschenkten Autos bestochen hatte, wurden die Dorfchefs von der Sitzung ausgeschlossen.

Gouverneur Nordsulawesis sagt «Nein» zum Projekt

Nicht nur die Bevölkerung lehnt die Mine ab. Auch der erste gewählte Gouverneur von Nordsulawesi, Sinyo Harry Sarundajang, ist ein Gegner des Projekts. Es würde die Entwicklungspläne der Provinz behindern. «Ich bin lieber ein grüner Gouverneur, als einer, der die Zerstörung unserer Umwelt erlaubt», sagte er an einer Pressekonferenz.

Dem Entscheid des Gouverneurs ging ein langer Streit um die Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) für die Toka Tindung-Mine voran. Der ursprüngliche Projekteigner, die australische Aurora Gold Ltd, hatte 1998 noch während der Suharto-Diktatur eine Zustimmung zur UVP erhalten. Wegen der durch die Ereignisse in Osttimor 1999 verursachten australisch-indonesischen Spannungen konnte das Projekt zunächst nicht weiterverfolgt werden. Da nach indonesischem Recht eine UVP nach drei Jahren verfällt, erklärte der Umweltminister die ursprüngliche UVP im Jahre 2005 für ungültig. Der Minister für Energie und Bergbau, Purnomo Yusgiantoro, behauptete jedoch, die alte UVP genüge, MSM solle mit dem Projekt fortfahren.

Rechtliche Grundlage für den Bau der Mine fehlt

Die Genehmigung von Umweltverträglichkeitsprüfungen obliegt aber dem Umweltministerium. Trotzdem berief sich die mittlerweile von Archipelago übernommene MSM beim Bau der zwei Anlegestellen auf Purnomos Äusserungen. Später bemühte sie sich aber doch um eine neue UVP, die vom Umweltminister abgesegnet wurde. Allerdings machte der Gouverneur von Nordsulawesi von seinem Recht Gebrauch und lehnte die UVP innerhalb der gesetzlichen Frist von 30 Tagen ab. Damit fehlt MSM weiterhin jegliche rechtliche Grundlage für Bau und Betrieb der Mine.

Warnung der EvB an die Credit Suisse

Ende Juni 2008 schrieb Archipelago Resources in einer Medienmitteilung, die Credit Suisse hätte einen Kredit von 48 Millionen Dollar für Toka Tindung gesprochen. Am ersten August erhielt die CS vom Gouverneur der Provinz einen Brief, in dem er deutlich herausstellte, dass die Mine die nötigen Bewilligungen für den Betrieb nicht erhalten hat. Er legt seine Gegnerschaft dar und dass er nicht bereit sei, seine Meinung über die sozialen und Umweltauswirkungen zu ändern. «Die Beteiligung an diesem kontroversen Projekt hat das Potential, den guten Ruf der Credit Suisse in Indonesien und anderswo schwer zu schädigen.»

Die Erklärung von Bern (EvB) hat die Credit Suisse (CS) schon im Frühjahr 2008 vor einer Finanzierung der Goldmine in Toka Tindung gewarnt. Die Bank informierte die EvB Mitte August, dass entgegen der Meldung von Archipelago Resources noch keine formelle Zusage für die Finanzierung gemacht worden sei. Die CS würde das Projekt nur finanzieren, wenn das indonesische Umweltministerium und der Gouverneur von Nordsulawesi dem Projekt zustimmten. Ebenso müsse es vom bankinternen «Reputational Risk Committee» (Komitee für Reputationsrisiken) genehmigt werden.

Die EvB fordert von der Credit Suisse: Keine Finanzierung der Goldmine in Toka Tindung.

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