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Intervention der EvB an der Generalversammlung von Syngenta 29.4.03

Intervention von Bernhard Herold, EvB, an der GV von Syngenta, Basel, 29. April 2003, zum Thema „Paraquat“

Herr Verwaltungsratspräsident
Sehr geehrte Mitglieder des Verwaltungsrats und der Geschäftsleitung
Sehr geehrte Aktionärinnen und Aktionäre

Bereits an der ersten Generalversammlung von Syngenta vor einem Jahr hat die Erklärung von Bern hier das Wort ergriffen, um die Syngenta aufzurufen, die Produktion des umstrittenen und hochtoxischen Herbizids Paraquat, welches Syngenta u.a. unter dem Namen Gramoxone® vertreibt, einzustellen. Herr Imhof hat damals keine Bereitschaft signalisiert, auf diese Forderung einzutreten. Wir haben aber begründete Hoffnung, dass der Verwaltungsrat nun bereit sein könnte, seine bisherige Position zu überdenken.

Was veranlasst uns zu dieser Hoffnung ?
Seit der Lancierung unserer „Stopp Paraquat“ Kampagne vor einem Jahr zusammen mit vier weiteren Nichtregierungsorganisationen sind einige bedeutende Ereignisse eingetreten und einige wichtige Zwischenziele auf dem Weg zu einem weltweiten Ausstieg aus der Paraquat-Produktion erzielt worden bzw. uns bekannt geworden:

<table border="0" cellpadding="1" cellspacing="0"><tbody><tr><td align="right" valign="top">  </td><td>Im August 2002 hat die Regierung Malaysias als erstes Land in Asien entschieden, die Anwendung von Paraquat zu verbieten.</td></tr><tr><td align="right" valign="top">  </td><td>Chiquita hat entschieden, dass beim Anbau von Chiquita-Bananen kein Paraquat mehr eingesetzt werden darf, da es weniger toxische Alternativen gebe.</td></tr><tr><td align="right" valign="top">  </td><td>Der Schweizer Grossverteiler Migros hat entschieden, dass er neben Bananen auch keine Palmöl-Produkte mehr in seinem Sortiment führen will, bei deren Anbau Paraquat verwendet wird.</td></tr><tr><td align="right" valign="top">  </td><td>Der Dachverband der Zertifizierungsorganisationen des Fairen Handels hat entschieden, dass zertifizierte Betriebe kein Paraquat verwenden dürfen.</td></tr><tr><td align="right" valign="top">  </td><td>Auch in der Forstwirtschaft kommt Paraquat zunehmend unter Beschuss: Holz mit dem weltweiten Nachhaltigkeitslabel „Forest Stewardship Council“ (FSC) muss Paraquat-frei produziert werden.</td></tr><tr><td align="right" valign="top">  </td><td>Auch die bedeutende Schweizer Kaffee-Handelsfirma VOLCAFE verwendet auf den eigenen Kaffee-Plantagen kein Paraquat mehr. Gegenüber der Erklärung von Bern sagte VOLCAFE (ich zitiere): „Wir sind überdies der Meinung, dass Paraquat kein zeitgemässes Mittel mehr ist, um das Unkraut unter Kontrolle zu halten. Gegen das Produkt sprechen insbesondere seine Toxizität, welche für die AnwenderInnen ein hohes Risiko darstellt, aber auch wirtschaftliche Überlegungen. Es gibt heute Alternativen, die günstiger und sicherer sind. Paraquat steht auch auf der schwarzen Liste der Rainforst Alliance.“</td></tr><tr><td align="right" valign="top">  </td><td>In seiner Antwort auf ein Postulat nahm der schweizerische Bundesrat sehr deutlich Stellung zum Totalherbizid Paraquat. Der Bundesrat sagte wörtlich (ich zitiere): „In der Schweiz ist Paraquat, wie oben erwähnt, aus toxikologischen Gründen seit einigen Jahren nicht mehr zugelassen. Diese Nichtzulassung kommt einem Verbot im Sinne der PIC-Konvention gleich.“ Zudem wird sich die Schweiz für die Aufnahme von Paraquat in diese Konvention einsetzen.</td></tr><tr><td align="right" valign="top">  </td><td>Die neuesten staatlichen Erhebungen aus Costa Rica zeigen auf, dass Paraquat das Pestizid ist, welches am meisten Vergiftungsfälle hervorruft.</td></tr><tr><td align="right" valign="top">  </td><td>Zahlreiche besorgte Bürgerinnen und Bürger haben sich mittels dem Versand eines E-mails an Sie, Herr Verwaltungsratspräsident, besorgt gezeigt über die Haltung von Syngenta und Sie aufgefordert, die Produktion von Paraquat einzustellen.</td></tr><tr><td align="right" valign="top">  </td><td>In der Westschweiz wurden Unterschriften für eine entsprechende Petition gesammelt. Bisher sind 4188 Unterschriften zusammengekommen, was allein für die Romandie eine bedeutende Anzahl ist. Ich werde Ihnen diese Petition anschliessend überreichen.</td></tr><tr><td height="5"></td></tr></tbody></table>
Bisher hat sich Syngenta von der weltweiten „Stopp Paraquat“ Kampagne unbeeindruckt gezeigt und sich darauf beschränkt, die angebliche Unbedenklichkeit des Produkts im Falle einer korrekten Anwendung zu predigen. Doch genau hier liegt das Problem. Selbst der frühere Geschäftsführer der Syngenta-Stiftung, Klaus Leisinger, äusserte sich im August 2002 in einem Schreiben an die Erklärung von Bern besorgt über die Anwendung von Paraquat unter kleinbäuerlichen Bedingungen in Entwicklungsländern.

Meine Damen und Herren, Paraquat ist ein hochtoxisches Produkt der Giftklasse 2. Es gibt kein Gegengift. Die Einnahme ist somit tödlich. Die dem Syngenta-Paraquat Gramoxone® beigefügten Farb-, Geruchs- und Brechstoffe können zwar die Unfallgefahr vermindern, aber sie ändern nichts an der Toxizität des Produkts. Die umfangreichen Sicherheitsvorkehrungen (Schuhe, lange Hosen, Ärmel, Handschuhe, Atemschutz- und Augenmasken, Wechsel der Kleidung nach der Anwendung etc.), welche auf den Gebrauchsanweisungen vermerkt sind, sind ganz einfach nicht flächendeckend durchsetzbar, auch nicht mit noch so guten Stewardship-Programmen.

Dazu kommt, dass Syngenta Paraquat ausgerechnet unter Verhältnissen und in Ländern propagiert, wo die Durchsetzung und Kontrolle dieser Schutzvorkehrungen nicht oder nur ungenügend sichergestellt werden kann. Wir erachten diese Politik als hochgradig unverantwortlich. Im Speziellen denken wir dabei an China, wo Syngenta vor zwei Jahren in Nantong eine neue Paraquat-Fabrik in Betrieb genommen hat. Gemäss dem jüngsten Syngenta Jahresbericht, wurde denn auch in China dank erhöhten Marketinganstrengungen ein Verkaufszuwachs erzielt (Sie finden den entsprechenden Hinweis auf der Seite 10 des Jahresberichts). Herr Verwaltungsratspräsident, können Sie mit Sicherheit sagen, dass Gramoxone® überall in China unter sicheren Bedingungen angewendet wird ? Angesichts der wachsenden Verarmung in den ländlichen Gebieten Chinas haben wir hier grösste Zweifel. Die Situation ist in vielen Gebieten Chinas derart verzweifelt, dass die Selbstmordraten dramatisch zunehmen, besonders unter Frauen. Unglücklicherweise ist das 40jährige Paraquat wegen seiner hohen Toxizität und dem Fehlen eines Gegengifts ein notorisches Selbstmordmittel. Die weitere Verbreitung dieses gefährlichen Produktes in China erfüllt uns mit grosser Sorge.

Herr Verwaltungsratspräsident, ich habe zum Schluss zwei konkrete Fragen an Sie:
1. Sind Sie grundsätzlich bereit, den Ausstieg von Syngenta aus der Paraquat-Produktion in Erwägung zu ziehen ?
2. Sind Sie bereit, in jenen Ländern, welche Paraquat verboten haben, wie Malaysia, darauf zu verzichten gegen diese Verbote zu lobbyieren ?

Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit.

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