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Lassen UN-Experten Syngenta und Bayer die Verletzung des internationalen Verhaltenskodex zum Pestizidmanagement durchgehen?

Im Jahr 2015 reichten Public Eye, ECCHR und ihre Partnerorganisationen bei der FAO und WHO einen Bericht ein, der belegt, dass Syngenta und Bayer beim Vertrieb hochgiftiger Pestizide im Punjab (Indien) den „International Code of Conduct on Pesticide Management“ verletzen. Der Bericht wurde im April 2017 am Joint Meeting on Pesticides Management (JMPM) in New Dehli diskutiert. Das Ergebnis: das JMPM nahm den Bericht zur Kenntnis, versäumte es aber, den Vorwurf der Nichteinhaltung des Codes durch Syngenta und Bayer angemessen zu überprüfen. Wenn das Monitoring durch die FAO/WHO nicht verbessert wird, verliert es jede Wirksamkeit.

Der Ad-Hoc Monitoring Report (PDF, 5.6 MB) (“Bericht”), den Public Eye, ECCHR und ihre Partnerorganisationen 2015 bei der FAO und WHO eingereicht haben, stützte sich auf Daten einer Studie mit Bauern aus dem Punjab. Er zeigte, dass Bayer und Syngenta hochgiftige Pestizide verkaufen, ohne sicherzustellen, dass die Bäuerinnen und Bauern über die Gefahren der Produkte informiert werden und die nötigen Schutzmassnahmen anwenden. Die Studienergebnisse stellen in Frage, dass die Unternehmen ihre Verantwortung für Gesundheit und Umwelt wahrnehmen und ihre Geschäftspraktiken ausreichend überwachen. Der International Code of Conduct on Pesticide Management (“Code”) ist das einzige globale Instrument zum Pestizidmanagement, und der Bericht beleuchtet ein in vielen Ländern auftretendes Problem, gegen das zu wenig unternommen wird.

Für die Studie wurden 32 Bäuerinnen in neun Dörfern im Punjab (Indien) befragt. Wie gut hatten sie die Piktogramme und Sicherheitshinweise auf den Verpackungen von sechs Pestiziden verstanden? Hatten sie Zugang zu Schutzkleidung und benutzten sie diese? Hatten sie eine Schulung erhalten? Die Resultate: die Produkte waren mangelhaft beschriftet und Informationen, die gemäss dem Code und den Beschriftungs-Guidelines vorgeschrieben wären, fehlten. Auch wurden weder die Angestellten der Unternehmen noch die Anwender der Produkte angemessen geschult, und der Zugang zu Schutzkleidung war auf den lokalen Märkten nicht gegeben – nur zwei der 32 befragten Personen trugen Schutzkleidung. Die Studie legte zudem offen, dass Angestellte der beiden Unternehmen auf verschiedenen Hierarchie-Ebenen über diese Probleme im Punjab Bescheid wussten.

Der Bericht wurde im April 2017 von einem Expertenpanel am 10. Joint Meeting on Pesticides Management (JMPM) der FAO/WHO in New Dehli behandelt. Im November 2017 präsentierte dieses nun endlich seine Empfehlungen. Da der Ad Hoc Monitoring-Mechanismus seit seiner Gründung 2007 erst dreimal genutzt wurde, bot der Bericht dem JMPM eine einmalige Chance, eine bessere Umsetzung des Codes durchzusetzen.

Leider verpasste das JMPM die Gelegenheit, die infrage gestellte Einhaltung des Codes durch Bayer und Syngenta zu überprüfen. Es nimmt bloss Kenntnis vom Bericht; Empfehlungen für die Geschäftspraxis fehlen gänzlich. Obwohl Artikel 12.6 des Codes „volle Unterstützung zur Einhaltung des Codes“ verlangt, ermutigen FAO und WHO lediglich zur Fortsetzung des „Multi-Stakeholder-Dialogs“ und zum „Monitoring des Codes“. Das JMPM liefert keine konkreten Ergebnisse und Empfehlungen – und nimmt so in Kauf, dass die im Bericht kritisierte Geschäftspraxis fortgeführt wird und die Anliegen der Bäuerinnen und Bauern aus dem Punjab kein Gehör finden.

In einem offenen Brief (PDF, 321 KB), der von verschiedenen Organisationen unterschrieben wurde, kritisieren Public Eye, ECCHR und ihre Partner, dass das JMPM die Verletzung des Codes durch Bayer und Syngenta nicht verurteilte. Der Brief schliesst mit Verbesserungsvorschlägen, die dringend nötig sind, damit der Monitoring-Mechanismus nicht zu einem reinen Feigenblatt verkommt.

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