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Umwelt- und Sozialstandards: Schweizer Banken weit abgeschlagen

Heute Morgen wurde in Davos ein neuer Bericht des von der Erklärung von Bern mit gegründeten „BankTrack“-Netzwerks vorgestellt. Die gemeinsam mit dem WWF Grossbritannien verfasste Studie untersucht den Umgang mit akuten Umwelt- und Sozialthemen bei 39 weltweit tätigen Banken. Die Schweizer Banken Credit Suisse und UBS sind weit abgeschlagen. Auf einer Skala von 0 bis 4 kommt die Credit Suisse auf 0,54, die UBS nur auf 0,08.

In den neunziger Jahren gehörten die Schweizer Banken zu den ersten, welche Umweltthemen wahrnahmen. Sie überprüften ihre einheimische Kreditvergabe auf Umweltrisiken und verfassten Umweltberichte. Darin ging es zwar vor allem ihren eigenen ökologischen Fussabdruck, beispielsweise ihren Energieverbrauch oder den Einsatz von Recyclingpapier. Welchen Einfluss ihre Finanzierungen auf die Umwelt und die Menschen haben, wurde nicht untersucht. Trotz dieser grossen Einschränkung gehörten die Schweizer Banken immerhin zu den ersten Banken, die sich überhaupt mit der Umwelt befassten.

In der Zwischenzeit haben sich viele internationale Banken bewegt und die Schweizer blieben stehen. Die UBS hat nur gerade in einem von 13 möglichen Bereichen gepunktet. Sie erhielt einen Punkt bei Arbeitsrechten, weil sie wie die Credit Suisse und viele andere Banken den Global Compact der UNO unterzeichnet hat. Damit verpflichten sich Unternehmen auf die Kernarbeitsnormen der Internationalen Arbeitsorganisation ILO. Keine der unterzeichnenden Banken hat allerdings eine spezifische interne Richtlinien für den Umgang mit dem Thema Arbeitsrechten bei ihren Kunden entwickelt, wie die Banken diese Normen umsetzen wollen, bleibt also ein Rätsel.

Der Unterschied zwischen Credit Suisse und UBS ist nicht so gross, wie es auf den ersten Blick erscheint. Credit Suisse hat nur deshalb mehr gepunktet, weil sie im Unterschied zur UBS die so genannten «Equator Principles», ein Umwelt- und Sozialstandard für Projektfinanzierungen, unterzeichnet hat. Die Equator-Banken erhalten in folgenden Aspekten Punkte: Indigene Völker (1), Staudämme (2), Transparenz (1) und Umweltmanagement (1). Auch hier wären jeweils vier Punkte möglich gewesen, dies zeigt, dass die Equator Principles weit entfernt von einem umfassenden und griffigen Standard sind.

Keine der in der Studie untersuchten Banken hat klare Vorgaben für Transparenz über die Folgen ihrer Geschäftstätigkeit für die Umwelt und die Menschen. Bei den Schweizer Banken ist die Geheimniskrämerei noch ausgeprägter. Während andere Banken ihre Standards in enger Konsultation mit Nicht-Regierungsorganisationen entwickelt haben und die Ergebnisse auf ihrer Webseite publizieren, wurde beispielsweise die Richtlinie für Finanzierungen im Waldbereich der Credit Suisse den AutorInnen der Studie nicht gezeigt. Auch bei der UBS hat die Erklärung von Bern die Erfahrung gemacht, dass weder etwas über Standards im Umwelt- und Sozialbereich, noch über deren Umsetzung zu erfahren ist.

Es wäre schon fast eine ideale Welt, wenn Banken gegenseitig über die Qualität ihrer Umwelt- und Sozialstandards in Konkurrenz stehen würden. Tatsächlich erreichen diese Themen kaum ihr Kerngeschäft. Der einzige plausible Grund, solche Standards nicht zu publizieren, besteht darin, sich nicht blamieren zu wollen. Für alle untersuchten Banken, auch diejenigen mit den relativ besten Noten (ABN AMRO und HSBS Group, je 1,31) gilt, dass die Umsetzung der Standards von aussen nicht zu beurteilen ist. Zwar gibt es Anzeichen bei einigen Banken, dass personelle und organisatorische Anstrengungen unternommen werden, um die internen Richtlinien umzusetzen, andererseits sind aber auch die «besten» Banken an kontroversen Projekten beteiligt.

Die Credit Suisse beispielsweise berät als Financial Advisor Shell bei der Zusammenstellung des Finanzierungspaketes für das hoch kontroverse Öl- und Gasförderprojekt «Sachalin II». Als Ergänzung zur Finanzierung durch öffentliche Finanzinstitute wie der Europäischen Entwicklungsbank versucht die Credit Suisse, ein Konsortium von privaten Geschäftsbanken für eine Teilfinanzierung zu gewinnen. Die Öl und Gasförderung auf der sibirischen Insel Sachalin bedroht nicht nur das Überleben der letzten westpazifischen Grauwale. Seit Baubeginn treten immer wieder neue Probleme auf, so zerstört die Pipeline, die dereinst Öl und Gas längs über die ganze Insel führen soll, die Laichgründe seltener Lachsarten. Ganz im Süden der Insel wurde Abraum vom Bau des Verladehafens für Flüssiggas einfach in eine fischreiche Bucht gekippt. Ausserdem fehlen Vorkehrungen, um einem Ölunfall im zugefrorenen Meer begegnen zu können.

Eine Meinungsumfrage des WEF zeigt, dass die Menschen Konzernen am wenigsten Vertrauen entgegen bringen. Solange die Banken bei Ihren Finanzierungen nicht mehr Rücksicht auf die Natur und die Menschen nehmen, wird sich dies nicht ändern.

Andreas Missbach, BankTrack Gründungsmitglied, +41 (0)79 478 91 94

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