Navigationspfad

Gemäss Schätzungen der OECD, auf die sich der Bundesrat in seinem Bericht vom April 2012 über Vor- und Nachteile von Informationsabkommen mit Entwicklungsländern abstützt, fliessen jedes Jahr rund 850 Milliarden Dollar aus den Entwicklungsländern in ausländische Steuerparadiese.

Diese Geldflüsse stammen aus der Korruption, der Veruntreuung öffentlicher Gelder, dem Verbrechertum, der Steuerhinterziehung und ähnlichen Vergehen. Sie leisten der schlechten Regierungsführung, der Wirtschaftskriminalität und den darin verwickelten Organisationen Vorschub und hindern die ärmsten Länder daran, ihre Ressourcen effizient für die wirtschaftliche und soziale Entwicklung einzusetzen. Die veruntreuten Summen wären jedoch dringend notwendig, um die Infrastruktur, das Gesundheitssystem und das Bildungswesen im eigenen Land zu verbessern. 

Als stark internationalisierter Finanzplatz ist die Schweiz weltweit führend im grenzüberschreitenden Vermögensverwaltungsgeschäft. Nach einer Schätzung der Boston Consulting Group, die vom Bundesrat übernommen wurde, beträgt ihr Anteil in diesem Markt ca. 27 Prozent. Damit gehört sie zu den von dieser Problematik unmittelbar betroffenen Ländern. Zwar beteuern ihre VertreterInnen  – namentlich die Mitgliederbanken der Stiftung «Finanzplatz Genf» – , dass das in der Schweiz umgesetzte System zur Bekämpfung der Geldwäscherei «zu den strengsten der Welt gehört», doch werden diese Behauptungen widerlegt durch die Einschätzungen der GAFI und der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), die mehrfach auf diesbezügliche Lücken hingewiesen haben.