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Nach kurzen Verhandlungen haben die EFTA-Staaten und Kolumbien im November 2008 ein umfassendes Freihandelsabkommen unterzeichnet. Das Abkommen wurde im Mai 2009 vom Nationalrat und anschliessend auch vom Ständerat gutgeheissen. Nach dem Ratifizierungsprozess in Kolumbien trat das FHA Mitte 2011 in Kraft.

Kolumbien ist eines der weltweit gefährlichsten Länder für Gewerkschafterinnen und Vertreter von zivilgesellschaftlichen Organisationen. Die massiven Menschenrechtsverletzungen umfassen aussergerichtliche Hinrichtungen und Gewalt gegenüber Gewerkschaftern, Morde und Vertreibungen von Indigenen und Afrokolumbianerinnen, aber auch die Entführung und Ermordung von Menschenrechtsverteidigern. Zudem herrscht eine weitgehende Straflosigkeit für die Täter dieser Gewaltverbrechen.

Mit intensivem Lobbying versuchte Public Eye mit weiteren Organisationen, die Ratifizierung im Parlament zu verhindern. Den ParlamentarierInnen wurde vorgeschlagen, ein Moratorium zu erlassen, bis sich die desolate Menschenrechtslage in Kolumbien substanziell verbessert. In einem von über 30 zivilgesellschaftlichen Organisationen unterzeichneten Brief wurden alle Mitglieder des Nationalrats aufgefordert, die Ratifizierung des FHA zwischen der EFTA und Kolumbien abzulehnen. Public Eye und ihre Alliierten initiierten auch diverse parlamentarische Anfragen, luden den bekannten kolumbianischen Senator und Oppositionspolitiker Jorge Enrique Robledo zu Gesprächen mit den schweizerischen VolksvertreterInnen ein und versorgten letztere mit umfassenden Informationen zur Menschenrechtslage in Kolumbien und zu den verbreiteten Morden an Gewerkschaftern und Menschenrechtsverteidigerinnen.

An einer Anhörung  bei der Aussenpolitischen Kommission (APK) des Nationalrates hat Public Eye zusammen mit der Arbeitsgruppe Schweiz-Kolumbien und Alliance Sud nochmals die fehlende Kohärenz der schweizerischen Aussenpolitik kritisiert, die sich einerseits die Förderung der Menschenrechte auf ihre Fahnen schreibt, andererseits aber im Freihandelsabkommen mit Kolumbien die schwerwiegenden und systematischen Menschenrechtsverletzungen mit keinem Wort erwähnt.

Nach intensiver parlamentarischer Debatte wurde das Abkommen mit Kolumbien schliesslich von einer Parlamentsmehrheit gutgeheissen und nach dem kolumbianischen Ratifizierungsprozess in Kraft gesetzt. Public Eye ist enttäuscht über die mutlose Haltung des Parlaments, das es verpasst hat, ein klares Zeichen zugunsten der Menschenrechte zu setzen.