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Bewertungskriterien

Datenerhebung

Die Firmenbewertung basiert auf einer 2010 durchgeführten Befragung von Unternehmen. Die Firmen wurden eingeladen, einen Fragebogen auszufüllen, der detaillierte Angaben über das Firmenengagement im Bereich der Unternehmensverantwortung abfragte. Dabei fokussierte die Erhebung auf die vier Themenfelder Transparenz, explizite Anerkennung der Arbeitsrechte (Verhaltenskodex), Kodexumsetzung und Beschaffungspolitik, sowie Kontrollen und Überprüfung von sozialen Mindeststandards. Die Untersuchung stützt sich auf die Eigenangaben der Firmen sowie auf zusätzliche Internetrecherchen. Primär wurden die Massnahmen zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen in den Zulieferbetrieben betrachtet. Ökologische Aspekte wie Verpackung, Umweltbelastung in der Textilherstellung und -verarbeitung, Ökobilanz der Headquarters und der Ladengeschäfte sowie Ressourceneinsatz für Transportwege, etc. wurden nicht in die Befragung und Bewertung miteinbezogen.

Datenevaluierung

Insgesamt 54 der 80 Firmen haben den Fragebogen beantwortet. Mit den so gewonnenen Daten sowie eigenen Recherchen wurden Firmenprofile erstellt. Die gesammelten Informationen wurden anhand einer einheitlichen Analysemethode ausgewertet. Dazu wurde eine Datenbank verwendet, in der pro Firma gegen 160 Fragen beantwortet wurden. Wenn eine Firma den Fragebogen nicht beantwortet hat oder zu einzelnen Fragen keine Auskunft geben wollte, wurden die Unternehmensprofile mit Hilfe öffentlich zugänglichen Daten erstellt

Dateninterpretation

Die erarbeiteten Porträts sowie die dazugehörenden Spinnendiagramme geben Auskunft über die jeweilige Unternehmenspolitik betreffend der Umsetzung und Kontrolle sozialer Standards. Managementmassnahmen haben einen sehr starken Einfluss darauf, wie sich die Situation der ArbeiterInnen in den Produktionsländern überhaupt verändern kann. Bei der Firmenbefragung wurde bewertet, inwieweit ein Unternehmen seine Unternehmenspolitik und -strategie anpasst, um Verantwortung in der Zulieferkette zu übernehmen. Auch bei einem Unternehmen, das in dieser vorliegenden Bewertung gut abschneidet, können Arbeitsrechtsverletzungen auftreten. Es verfügt jedoch über die geeigneten Mittel, um allfällige Verletzungen von Menschen- und Arbeitsrecht aufzuspüren und aktiv Verbesserungen herbeizuführen. Es ist ein wichtiger und entscheidender Anfang, dass eine Firma beginnt, ihre Unternehmensverantwortung für die gesamte Zulieferkette strategisch auszurichten und fest in der Unternehmenspolitik zu verankern. Die Bewertung der Schweizer KMU* ist an die Verantwortung angepasst, die kleine Firmen tragen.

*Belowzero, Careshop, LK International, Mountain Force, Outlyne, R`ADYS, RUKKA; Sherpa Outdoor, Snowlife, Zimtstern

Wie sind die Resultate zu verstehen?

Kriterien im Überblick:

Für die Erstellung der Spinnendiagramme wurden insgesamt 27 Themenkomplexe mit mehreren Teilaspekten pro Firma bewertet. Folgende Bereiche wurden in die Bewertung miteinbezogen:

Transparenz:

Auskunft zur Zulieferkette, Auskunft über Monitoring- und Verifizierungsresultate, (öffentlich) zugänglicher Verhaltenskodex, Veröffentlichung eines Nachhaltigkeitsberichtes

  • Positiv bewertet wurden Firmen, die öffentlich über ihr Engagement bezüglich Unternehmensverantwortung berichten, dazu konkrete Zielsetzungen und Ergebnisse dokumentieren und transparent über ihre Zulieferkette Auskunft geben.

Verhaltenskodex:

Geltungsbereich und Vollständigkeit, expliziter Verweis auf die ILO-Kernarbeitsnormen, Lohn- und Arbeitszeitregelungen, Sicherheit am Arbeitsplatz, formalisierte Arbeitsverhältnisse

  • Positiv bewertet wurden Firmen, die einen umfassenden Verhaltenskodex verabschiedet haben der explizit auf die wichtigen internationalen Rechtsnormen der ILO verweist und einen Existenzlohn beinhaltet.

Kodexumsetzung:

Verhaltenskodex zugängliche für Management und ArbeiterInnen, vertragliche Bindung für die Umsetzung des Kodexes, vorhandene Personalressourcen für Umsetzung des Kodexes, Trainings für Management und ArbeiterInnen, konkrete Umsetzungsmassnahmen für die Bezahlung eines Existenzlohnes in Fabriken, Risikomanagement, Einkaufspolitik

  • Positiv bewertet wurden Firmen, die konkrete Umsetzungsmassnahmen für den Verhaltenskodex formuliert haben und diese mit entsprechenden Dokumenten (öffentlich zugänglich oder gegenüber der CCC) dokumentiert haben.

Monitoring und Verifizierung:

Mitgliedschaft in Monitoring- und/oder Multistakeholder-Initiativen, Mechanismen für Monitoring und Korrekturmassnahmen bei Arbeitsrechtsverstössen, Verifizierungsmechanismen

  • Positiv bewertet wurden Firmen, die Mitglied bei Initiativen mit einem breiten und glaubwürdigen Arbeitsansatz sind (Multistakeholder-Initiativen wie die FLA oder die FWF), die konkrete Mechanismen für Kontrolle und Korrekturmassnahmen haben und diese dokumentieren, sowie Firmen, die bei der Kontrolle mit lokalen Stakeholdern zusammen arbeiten.

Kategorien

Firmen in der Kategorie „Fortgeschritten“ engagieren sich umfassend und gehören zu den Vorreitern der Branche. Die Firmen der Kategorien „Durchschnittlich“ und „Einsteiger“ sind immerhin auf dem Weg dorthin, haben aber entweder erst vor kurzem begonnen, sich umfassend mit ihrer sozialen Verantwortung aus einander zu setzen oder setzen sich nur in einem limitierten Rahmen dafür ein. „Nachlässige“ Firmen haben offenbar andere Geschäftsprioritäten und setzen soziale Verantwortung nicht auf ihre Agenda. Die Kategorie „Verweigerer“ bezeichnet Firmen, die gar nicht auf die Firmenbefragung reagiert haben und sich in keinen öffentlich zugänglichen Dokumenten zu ihrer sozialen Verantwortung geäussert haben.