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Nachhaltige Aktien- und Obligationenfonds

Die volumenmässig bei weitem wichtigste nachhaltige Anlagemöglichkeit für Privatanlegerinnen und -anleger sind nachhaltige Fonds.

Anlagefonds sind Kapitalanlagegesellschaften, die wie ein Sammelbecken funktionieren. Die Fondsgesellschaft gibt klein gestückelte Anteilscheine aus, die wie Aktien gekauft und verkauft werden können. Das Geld, das so zusammenkommt, bildet das Fondsvermögen. Dieses wird von der Fondsleitung nach zuvor im Fondsprospekt dargelegten Kriterien investiert, beispielsweise in Aktien, Obligationen oder Immobilien. Es gibt in der Schweiz mehr als 2'500 Fonds, die auf alle nur denkbaren Branchen, Regionen oder Länder spezialisiert sind.

Für Kleinanlegerinnen und -anleger bieten Fonds den Vorteil der Diversifizierung. Beispielsweise sind in einem Aktienfonds Dutzende von Firmen vertreten. Sinkt der Kurs einer Firma, so ist dies weniger deutlich spürbar, als wenn direkt Aktien dieser Firma gekauft worden wären. Die bessere Risikostreuung erkauft man sich allerdings mit Gebühren beim Kauf und manchmal auch bei der Rücknahme von Fondsanteilen sowie mit den Kosten für die Verwaltung des Fonds. Das Fondsmanagement zieht die Verwaltungskosten vom Fondsvermögen ab.

Anlagefonds sind rechtlich so aufgestellt, dass die Fondsgesellschaften (und manchmal auch die AnlegerInnen) möglichst geringe Steuern bezahlen müssen, weshalb sie meist in Steueroasen angesiedelt sind. Der wichtigste europäische Fondsstandort ist Luxemburg, wo auch die meisten «Schweizer» Fonds rechtlich ihren Sitz haben.

Was geschieht mit meinem Geld in einem nachhaltigen Fonds?

Wer Geld in einen nachhaltigen Fonds investiert, finanziert damit nicht direkt ein Unternehmen. Über die Aktien in einem Fonds wird man Mitbesitzerin oder Mitbesitzer an den Unternehmen, in die der Fonds investiert hat. Das Unternehmen sieht davon direkt nichts. Denn Unternehmen erhalten nur dann neues Kapital, wenn sie zum ersten Mal an die Börse gehen (das sogenannte Initial Public Offering, IPO) oder wenn sie im Rahmen einer Kapitalerhöhung neue Aktien ausgeben.

Grundsätzlich profitiert das Unternehmen aber, wenn seine Aktien gefragt sind und der Aktienkurs deshalb steigt. Es fällt ihm dann beispielsweise leichter, von Banken einen Kredit zu erhalten. Vor allem für Pionierunternehmen kann ein steigender Aktienkurs von entscheidender Bedeutung sein.

Die nachhaltigen Fonds sind aber zu klein, um bei den Grossunternehmen, deren Aktien sie kaufen, entscheidend Einfluss auf den Aktienkurs zu nehmen. Auch das Gewicht aller nachhaltigen InvestorInnen an den Börsen ist zu gering, als dass sich substanzielle Unterschiede im ökologischen und sozialen Verhalten von Unternehmen in dauerhaften Kursunterschieden zeigen würden. Vielmehr bewegen sich auch die Kurse der nachhaltigen Fonds im Strom des Auf und Abs der Börsen, das von Trends, Booms und Crashs bestimmt wird.

Kann ich mit Aktienfonds sparen?

In den meisten Aktienfonds befinden sich mehrheitlich etablierte Grosskonzerne, deren Wert jedoch von der allgemeinen Börsenentwicklung abhängt. In diesem Sinne sparen AktienbesitzerInnen nicht,  sie spekulieren – und zwar darauf, dass die Aktienkurse weiter steigen und der Wert ihrer Fondsanteile mindestens über dem Preis liegt, den sie eingangs dafür bezahlt haben.

Niemand kann voraussagen, wo die Börsenkurse in fünf oder zehn Jahren stehen. Auch in kürzeren Zeiträumen können Börsen crashen, und die Kurse danach über längere Zeit tief bleiben. Nachhaltige Fonds können ebenso von einer allgemeinen Börsenbaisse betroffen werden.

Grundsätzlich gilt: Je länger in Aktien oder Fonds angelegtes Geld liegen gelassen werden kann, desto geringer ist das Verlustrisiko. Wer also Geld zu einem bestimmten Zeitpunkt in der Zukunft braucht und keinen langen Atem hat, kann gezwungen sein, Fondsanteile zu einem Kurs zu verkaufen, der weit unter dem Preis liegt, den er oder sie dafür bezahlt haben.

Die Rendite nachhaltiger Fonds

Nachhaltigkeit bedeutet nicht unbedingt Renditeverzicht. Dies zeigen die Phasen, in denen nachhaltige Fonds konventionelle Fonds schlagen. Dadurch, dass viele nachhaltige Fonds Ausschlusskriterien haben, haben sie jedoch auch unter Umständen am Aufschwung einer ganzen Branche nicht teil.

In nachhaltige Aktienfonds zu investieren, ist immer mit Risiken verbunden. Was die Performance angeht, unterscheiden sich die Fonds beträchtlich, ebenso bei den Gebühren und teilweise bei der Besteuerung. Auch die Kursentwicklung der Währungen, in denen der Fonds anlegt, hat einen Einfluss auf die Performance.

Geringeres Risiko: Obligationen

Zusätzlich zu den reinen Aktienfonds gibt es Fonds, die einen Teil Obligationen halten, oder aber reine Obligationenfonds. Im Gegensatz zur Aktie wird mit einer Obligation (oder Anleihe) kein Anteil am Eigenkapital des Unternehmens erworben. Die KäuferInnen der Obligation gewähren dem Unternehmen einen Kredit bzw. Fremdkapital. Deshalb gibt es bei Obligationen auch keine formellen Mitbestimmungsrechte. Nachhaltige Fonds halten neben Unternehmensanleihen auch Obligationen von Ländern, Regionen oder Städten, die nach sozialen und ökologischen Kriterien ausgewählt werden. Was genau mit dem Geld passiert, das in Staatsanleihen angelegt wird, wissen KäuferInnen jedoch nicht. Klar ist bloss, dass Obligationen weniger riskant sind als Aktien.

Qual der Wahl: Wie unterscheiden sich nachhaltige Fonds?

Die einzelnen Fondsangebote unterscheiden sich in folgenden Punkten:
•    Ausschlusskriterien
•    Auswahlkriterien (Fondsansatz)
•    Fonds-Research
•    Existenz eines Beirats
•    Wahrnehmung der AktionärInnenstimmrechte

Ausschlusskriterien
Ausschlusskriterien sind ein erster Filter, den ein Fonds verwenden kann, um gewisse Firmen gar nicht erst zu berücksichtigen. Ausgeschlossen sind meist ganze Branchen, beispielsweise die Rüstungsindustrie, die Atomwirtschaft, Gentechnologie oder Firmen, die Tropenholz verarbeiten oder von Kinderarbeit profitieren. Die Auswahl der Ausschlusskriterien erfolgt immer im Hinblick auf die Zielgruppe der Fonds.

Auswahlkriterien (Fondsansatz)
Egal, ob ein Fonds Ausschlusskriterien hat oder nicht, er braucht Kriterien, die entscheiden helfen, welche Firmen in den Fonds aufgenommen werden, sog. Auswahlkriterien, welche den Ansatz des Fonds bilden.

Da es kaum börsenkotierte Grossfirmen gibt, die eindeutig gleichzeitig ökologisch, sozial und ethisch unbedenklich sind, werden häufig die jeweils «besten» Firmen einer Branche ausgewählt. Nach diesem Branchenleader-Ansatz («best in class») geht der weitaus grösste Teil der Fonds in der Schweiz vor, meist in Kombination mit bestimmten Ausschlusskriterien. Das heisst, das Fond-Research-Team versucht,  in jeder Branche die jeweils fortschrittlichsten Firmen zu finden.

Ein anderer Ansatz orientiert sich an Themen, die für eine nachhaltige Entwicklung als besonders bedeutsam betrachtet werden, beispielsweise erneuerbare Energien oder klimaschonende Technologien. Bei diesen Themenfonds ist der Bereich, in den investiert wird, enger abgesteckt. Zudem gibt es in diesen Branchen eher jüngere und kleinere Firmen, im Unterschied zu den etablierten Grosskonzernen, die Fonds nach dem Branchenleader-Ansatz dominieren. Allerdings lohnt sich auch bei Themenfonds ein genauer Blick darauf, ob die dort vertretenen Firmen den eigenen Vorstellungen entsprechen.

Einige Fonds mischen ihrem Portfolio einen Anteil an sogenannten «Pionieren» bei. Pionierfirmen sind jüngere und innovative Firmen, welche ein hohes Nachhaltigkeitspotential haben. Normalerweise sind sie in jenen Themenfonds zu finden, welche in ausgewählte nachhaltige Technologiebereiche (z.B. Fotovoltaik, Windenergie) investieren. Andere vorwiegend auf Branchenleader ausgerichtete Fonds verwenden den Pionieransatz unterschiedlich: Während einige Fonds explizit einen gewissen Prozentsatz an Pionierfirmen anstreben, werden bei anderen Leader und Pioniere gar nicht unterschieden.

Das Fonds-Research

Um herauszufinden, welche Firmenaktien in Frage kommen, braucht die Fondsleitung eine spezialisierte Nachhaltigkeitsbewertung, ein sog.«Umwelt- und Sozial-Research». In dieser Bewertung werden die Firmen nach einer Vielzahl von Indikatoren eurteilt, damit eine Rangliste («Rating»)  erstellt werden kann.

Diese Bewertungskompetenz kann ein Fonds selbst aufbauen, wobei Banken auf das Know-how in anderen Bereichen zurückgreifen können. Eine weitere Möglichkeit, das Fond-Research zu betreiben, sind externe Anbieter von Firmen-Ratings. Das können spezialisierte Unternehmen wie «Inrate» sein, oder grössere AnbieterInnen, die Indizes von nachhaltigen Firmen erstellen. Der Dow Jones Sustainability Index zum Beispiel filtert die nachhaltigsten 10% jeder Branche aus den 2'500 Unternehmen des Dow Jones Global Total Stock Market Index heraus. Ein nachhaltiger Fonds kann dann ohne eigenes Research in Firmen aus diesem Sustainability-Index investieren.

Ein Schwachpunkt der gesamten Bewertung betrifft die Herkunft der verwendeten Informationen. Ein grosser Teil davon stammt nämlich von den Firmen selbst. Die Research-Abteilungen schicken in der Regel Fragebogen an die Firmen, mit denen sie die gewünschten Informationen einholen. Hinzu kommt die Auswertung von Presseartikeln, den Veröffentlichungen und den Websites von Nichtregierungsorganisationen (NGO). In Einzelfällen finden mit den Firmen auch Gespräche statt, und ganz selten werden auch Gewerkschaften befragt.

Unabhängig von der Nachhaltigkeitsbewertung findet bei jedem Fonds eine konventionelle Einschätzung der finanziellen Chancen und Risiken statt. Meist ist es so, dass die Nachhaltigkeitsanalyse eine Gruppe von Unternehmen bestimmt, die grundsätzlich für den Fonds in Frage kommen. Der Entscheid, welche Aktien dann tatsächlich gekauft werden, wird aufgrund der Renditeerwartung getroffen.

Beirat
Einige Fonds verfügen zusätzlich über einen externen Beirat, der mit unabhängigen ExpertInnen besetzt ist. Der Beirat soll dazu beitragen, dass der Fonds die anvisierten Nachhaltigkeitsziele erreicht. Dazu kann er die grundsätzliche Ausrichtung und die Abläufe eines Fonds kommentieren und kritisieren, oder bei der Auswahl von Firmen, deren Aktien ein Fonds kauft, mitreden. Der Beirat kann ein Gegengewicht zum Fondsmanagement bilden, wenn er auf Langfristigkeit und Prinzipientreue beharrt, während das Management versucht sein könnte, in eine extrem lukrativ erscheinende Firma zu investieren, auch wenn sie unter Nachhaltigkeitskriterien ein Grenzfall ist.

Wahrnehmung der AktionärInnenstimmrechte
AktionärInnen haben als MitbesitzerInnen von Firmen klare Rechte: Sie haben über die Dividende Anteil am Gewinn, andererseits das Recht, über den Zustand der Firma informiert zu werden, und schliesslich Mitbestimmungsrechte durch die Stimmrechte an der Generalversammlung. Weil der Kauf und Besitz von Aktien eines Unternehmens allein noch keinen grossen Unterschied macht, bietet es sich für an Nachhaltigkeit interessierte InvestorInnen an, ihre Stimmrechte dafür einzusetzen, dass das Unternehmen in Bezug auf Nachhaltigkeit auf Kurs kommt.

Wirklichen Einfluss haben AktionärInnen über das Initiativrecht, mit dem sie von sich aus Themen, die vom Management nicht beachtet werden, auf die Agenda setzen zu können. Die Möglichkeit, dies zu tun, sind von Land zu Land sehr unterschiedlich. In den USA genügt der Besitz von Aktien im Wert von 2'000 Dollar, um einen Antrag («shareholder resolution») zu formulieren. In der Schweiz wird diese Schwelle vom Obligationenrecht sehr viel höher angesetzt: Es braucht dazu Aktien im Nennwert von einer Million Franken, was einem durchschnittlichen Börsenwert von ungefähr 10 Millionen Franken entspricht. In den USA sind deshalb Anträge, die ökologische oder soziale Themen aufgreifen, in den vergangenen Jahren zum Normalfall geworden. In der Schweiz beschränkt sich der Aktionärsaktivismus bisher auf Fragen der Unternehmensführung, wie des Lohnsystems.