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Beschaffung und Produktion von Berufsbekleidung

Kampagnenvideo zum Thema Berufsbekleidung (2012)

Public Eye Lieber nackt als in Uniformen, die unter ausbeuterischen Bedingungen hergestellt wurden


Polizistinnen, Feuerwehrleute, Sanitäter, Strassenarbeiterinnen, Chirurginnen und Pöstler gehören zu den schätzungsweise zwei Millionen Personen in der Schweiz, die Berufsbekleidung tragen.

Sie macht Berufsleute erkennbar, schützt vor Verletzungen oder vor Schmutz, und nicht zuletzt garantiert Berufsbekleidung Hygienestandards, wie zum Beispiel im Operationssaal. Kurz: Be-rufsbekleidung ist nicht wegzudenken aus unserem Alltag. Der Staat kauft sie ein, Steuerzahle-rInnen bezahlen sie – und finanzieren damit in vielen Fällen Ausbeutung. Denn Berufsbekleidung wird oftmals unter prekären Bedingungen hergestellt.

Beim Einkaufen von Berufsbekleidung ist Sorgfalt gefragt, denn Textilien sind Risikogüter. Die Verletzung von Menschen- und Arbeitsrechten in der Bekleidungsindustrie sind hinlänglich be-kannt und führen zu Missständen wie Löhne weit unter dem Existenzminimum, überlange Ar-beitszeiten oder mangelnder Gesundheitsschutz. Bund, Kantone und Gemeinden müssen eine Vorbildfunktion übernehmen und

  • bei jedem Kaufentscheid auf Transparenz bestehen: Berufsbekleidungsfirmen müssen die gesamte Lieferkette offenlegen.
  • nur dort einkaufen, wo Firmen ein glaubwürdiges Engagement zur Einhaltung sozialer Mindestkriterien, wie die ILO-Kernarbeitsnormen (keine Zwangsarbeit, keine Kinderar-beit, keine Diskriminierung, Gewerkschaftsfreiheit), aber auch darüber hinausgehende Sozialkriterien wie die Gewährleistung des Gesundheitsschutzes, eine Arbeitszeitbe-schränkung, formelle Arbeitsbeziehungen oder einen existenzsichernden Lohn nachweisen können.

Recherchen von Public Eye zeigen aber, dass der Staat seiner Vorbildfunktion bisher nur lücken-haft nachkommt: Soziale Mindestkriterien wie auch Transparenz spielen bei vielen Kaufentschei-den noch eine untergeordnete Rolle. Kontrolliert wird die Einhaltung von Sozialkriterien kaum.

Berufsbekleidung – ein grosser und wenig transparenter Sektor

Berufsbekleidungsfirmen stehen in der Verantwortung, ihre Produkte unter menschenwürdigen Bedingungen herstellen zu lassen. Aus einer Befragung von 27 Berufsbekleidungsfirmen mit Schweizer Sitz ist ein umfassender Branchenbericht mit Firmenporträts (PDF, 2.4 MB) sowie einer Bewertung der Resultate durch Public Eye/CCC entstanden. Die Befragung macht deutlich, dass in der ge-samten Branche ein grosser Nachholbedarf besteht. Transparenz ist dabei eine der Grundvoraus-setzungen, um Probleme zu erkennen und Verbesserungen anzupacken.

Public Eye/CCC fordert daher, dass Berufsbekleidungsfirmen

  • Verantwortung für die Produktionsbedingungen übernehmen,
  • Transparenz schaffen und öffentlich über die Produktionsbedingungen informieren,
  • einen umfassenden Verhaltenskodex erarbeiten und veröffentlichen. Im Verhaltenskodex muss das Recht auf einen Existenzlohn für alle klar verankert sein. Ausserdem soll er auf arbeitsrechtlich relevante UNO/ILO-Normen verweisen (und sich damit eine messbare ethische Richtlinie geben),
  • konkrete Massnahmen zur Umsetzung des Verhaltenskodex erarbeiten und veröffentlichen. Dazu gehören auch Massnahmen im Bereich der Beschaffung: Vorschriften für EinkäuferInnen der Firma, damit sie Sozialkriterien mit einbeziehen müssen,
  • Umsetzungsmassnahmen für einen Existenzlohn treffen.