Labels

Zertifizierungsorganisationen wollen nachhaltige Handelsgewohnheiten in der Kakao-Lieferkette fördern und die Lebensgrundlage der Bauern und Bäuerinnen in den produzierenden Ländern verbessern.

Die wichtigsten globalen Labels, welche auch Schokolade zertifizieren, sind Max HavelaarUTZ CertifiedRainforest Alliance und BIO. UTZ und Rainforest haben sich Anfang 2018 zusammengeschlossen; der neue Standard tritt 2019 in Kraft.

Auch wenn die Strukturierungen der Zertifizierungsprozesse ähnlich sind, unterscheiden sich die Zertifizierungen in ihrem Fokus und ihren Anforderungen. Diese Unterschiede in den Anforderungen haben einen direkten Einfluss auf die Kosten und den Nutzen auf der Ebene der Bauern und Bäuerinnen.

Weitere Informationen

  • Fairtrade (Max Havelaar)

    Das Max-Havelaar-Gütesiegel steht für fair produzierte und gehandelte Produkte, so unter anderem für stabile Mindestpreise, die Bezahlung einer Fairtrade-Prämie, langfristige Handelsbeziehungen und umweltschonenden Anbau (mindestens integrierte Produktion, vermehrt auch in Bio-Qualität).

    Ziele

    • Sicherung des Existenzminimums von Kleinbauern und Plantagenarbeiterinnen
    • Verbesserung der Lebenssituation von Kakaobauernfamilien durch Investitionen in eine nachhaltige Zukunftssicherung
    • Bessere Handelsbedingungen und Entscheidungsbefugnis für Produzierende

    Einschätzung

    Da die Fairtrade-Richtlinien sehr umfassend sind, ist auch ihre Umsetzung sehr komplex. Das hat u.a. zur Folge, dass es immer wieder Bauernfamilien gibt, die zwar Mitglied einer Fairtrade-Kooperative, aber nicht genügend über den Fairtrade-Standard orientiert sind. So kennen sie weder ihre Rechte noch ihre Pflichten und wissen beispielsweise nicht, dass sie bei der Entscheidung, wie die an die Kooperative ausbezahlte Fairtrade-Prämie verwendet werden soll, über ein Mitspracherecht verfügen.

    Wer im System des fairen Handels mitmachen möchte, muss sich in einer Kooperative organisieren. Trotz demokratischer Strukturen sind aber auch die Kooperativen nicht gefeit vor Korruption. Zudem sind Kooperativen nicht für alle ethnischen Gesellschaften eine geeignete Organisationsform und funktionieren deshalb nicht so, wie es dem fairen Handel entsprechen würde.

    Zudem lässt der Einkauf im sogenannten Massenbilanzsystem nur eine finanzielle, aber keine physische Rückverfolgbarkeit der Kakaoprodukte zu.

    Aus der Sicht der Bauernfamilien sind ausserdem die Zertifizierungskosten zu hoch angesetzt. Sie wünschten sich mehr Unterstützung bei der die Vorbereitung auf die Zertifizierung (Training, Bildung, Begleitung der Kooperative im Zertifizierungsprozess) sowie eine bessere Kooperation mit anderen Zertifizierungsorganisationen.

    Zudem ist der Mindestpreis auch in Kombination mit der Prämie nicht hoch genug angesetzt, um den Kakaoanbauenden ein existenzsicherndes Einkommen zu ermöglichen.

  • UTZ Certified

    UTZ Certified ist ein Label und Programm für nachhaltigen Anbau von Agrarprodukten. Die Stiftung wurde 2002 gegründet und zertifiziert Kaffee, Tee, Haselnüsse und Kakao.

    Ziele

    UTZ hat zum Ziel, die landwirtschaftlichen Praktiken und die Betriebsführung auf den Kakaoplantagen zu professionalisieren. Das Schwergewicht liegt auf der Produktionssteigerung und Verbesserung der Qualität. Das Label UTZ will gute landwirtschaftliche Praxis, angemessene soziale Bedingungen sowie Umweltschutz fördern, um dem Markt Qualitätsprodukte liefern zu können.

    Einschätzung

    Im Gegensatz zum Fairtrade-Label setzt UTZ Certified keine Mindestverkaufspreise fest, sondern überlässt die Preisbildung dem Markt. Auch die Prämie, die ausbezahlt wird ist nicht fix. Die geringe Verhandlungsmacht der Bäuerinnen und Bauern benachteiligt diese in den Prämienverhandlungen sehr. Ob die Einhaltung der UTZ-Kriterien finanziell honoriert wird, hängt damit von der Bereitschaft der KakaohändlerInnen ab, einen Aufpreis für zertifizierte Produkte zu bezahlen. Zudem lässt der Einkauf im sogenannten Massenbilanzsystem nur einen finanzielle, aber keine physische Rückverfolgbarkeit der Kakaoprodukte zu.

    Unter dem Strich ist UTZ hauptsächlich ein System für die Qualitätsverbesserung eines Produkts: Der Aufpreis wird für die bessere Qualität gezahlt. UTZ folgt dem Gesetz von Angebot und Nachfrage, das besagt: mehr Geld für höheren Wert. Hier fehlt der Ansatz für Chancengleichheit.

    Zudem hat auch UTZ keinen Ansatz, der den Bäuerinnen und Bauern ein existenzsicherndes Einkommen garantiert.

  • Rainforest Alliance

    Die Rainforest Alliance ist eine internationale Umweltschutzorganisation und gehört dem Sustainable Agriculture Network an. Grosse Unternehmen mit von der Rainforest Alliance zertifizierten Produkten sind Tchibo, Chiquita, Nestlé und Unilever.

    Ziele

    • Erhaltung der Biodiversität
    • Schaffen einer nachhaltigen Lebensgrundlage für Bauern und Bäuerinnen

    Diese Ziele sollen durch die Implementierung verbesserter Bewirtschaftungssysteme erreicht werden. Rainforest Alliance verlangt keine fixe Prämie, sondern bezahlt den Kooperativen eine Prämie, deren Wert durch den Markt bestimmt ist. Wie und ob die Prämien verteilt werden, gehört allerdings nicht zum jährlichen Audit-Prozess der unabhängigen Prüfenden.

    Einschätzung

    Die Rainforest-Alliance-Standards zielen vor allem auf die Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft und nicht primär auf die Verbesserung der Handelsbedingungen ab. Von der Rainforest Alliance geforderte Verpflichtungen gelten vorwiegend für die Produzenten, nicht aber für die Abnehmerinnen. Es fehlen zudem auch Forderungen nach einem Mindestpreis für den Kakao und Vorfinanzierungen. Somit erhalten Bäuerinnen und Bauern meist kein Einkommen, welches ihre Existenz sichert.

  • BIO

    Bio richtet den Fokus auf eine biologische Landwirtschaft ohne chemische Pestizide, synthetische Dünger und gentechnisch veränderte Organismen. Bio legt Wert auf naturnahe Produktionsverfahren, die an lokale Bedingungen angepasst sind.

    Zertifizierte biologische Kakaoproduzenten und -produzentinnen müssen sich an alle gesetzlichen Anforderungen betreffend biologischer Produktion der importierenden Staaten halten.

    Kakaobauern und Kakaobäuerinnen erzielen mit biologischem Kakao einen höheren Preis als mit konventionellen Kakao. Die zum Weltmarktpreis zusätzlich ausbezahlte Prämie für biologischen Kakao variiert zwischen US$ 100 und US$ 300 pro Tonne. Ursprungsländer mit kleineren Volumen können allerdings weit höhere Prämien erzielen. Diese Prämie sollte nebst den Kosten für die Einhaltung der Anforderungen an eine biologische Kakaoproduktion auch die Zertifizierungskosten abdecken.