Kinderarbeit

In der Elfenbeinküste und Ghana arbeiten über 2 Millionen Kinder unter missbräuchlichen Bedingungen im Kakaoanbau.

Kinderarbeit wird als missbräuchlich bezeichnet, wenn die Kinder psychische und physische Schäden davontragen, ihnen die Kindheit und Würde geraubt und der Zugang zur Schule durch die Arbeit verunmöglicht wird (vgl. ILO-Definition von Kinderarbeit).

Die US-amerikanische Tulane University hat über viereinhalb Jahre lang die Bemühungen der Kakao-Industrie im Kampf gegen missbräuchliche Kinderarbeit analysiert. In ihren Berichten gehen die Forschenden der Universität von über 2 Millionen Kindern aus, die auf ivorischen und ghanaischen Kakaofarmen unter Bedingungen arbeiten, die gegen die ILO-Konventionen zum Schutz der Kinder verstossen.

Als direkte oder indirekte Ursachen missbräuchlicher Kinderarbeit im ivorischen und ghanaischen Kakaosektor können bezeichnet werden:

  • unzureichende Einkommenssituation und damit Armut der Kakaobäuerinnen und -bauern,
  • fehlende Arbeitskräfte auf dem Land,
  • fehlende Regelung des Landbesitzes,
  • postkoloniale Wirtschafts- und Politikstrukturen,
  • fehlende oder mangelhafte Überwachung und Durchsetzung der Gesetze gegen Kinderarbeit in den Produktionsländern,
  • ethnische Konflikte,
  • Landknappheit.

Kindersklaverei und Kinderhandel in Westafrika

Zwei der schlimmsten Formen von Kinderarbeit sind Kindersklaverei und Kinderhandel. In der Elfenbeinküste sind diese Formen der Kinderarbeit weit verbreitet. Viele Kinder, die auf Kakaoplantagen arbeiten, werden eigens zu diesem Zweck verkauft. Die Kinder werden aus den Nachbarländern, beispielsweise aus Mali oder Burkina Faso, aber auch aus Dörfern im Land selbst, versklavt. Auf den Kakaoplantagen arbeiten vor allem Jungen.

Die Kinder sind ungeschützt, werden körperlich und teilweise auch sexuell ausgebeutet und erhalten, wenn überhaupt, nur einen geringen Lohn.

ie mangelnde Schulbildung trübt die Zukunftsaussichten der betroffenen Kinder, welche kaum Möglichkeiten haben, dieser Situation zu entkommen und Grundfertigkeiten zur Verbesserung ihrer Lebenssituation zu erwerben.

Die Anzahl Kinder, die unter sklavenähnlichen Bedingungen auf den Kakaoplantagen arbeiten, kann nicht genau beziffert werden. UNICEF, die International Cocoa Initiative (ICI), die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ), die Tulane University und das Arbeitsministerium der USA gehen aber von Tausenden Kindersklaven aus.

Verantwortung der Ursprungs- und Zielländer

Ursprungsländer wie Mali, Burkina Faso, Togo und Benin sind sich der Problematik des Kinderhandels bewusster als Transitländer oder Zielländer wie beispielsweise die Elfenbeinküste. Die Regierungen der Zielländer weisen die Tendenz auf, sich gleichgültig zu zeigen, weil das Problem nicht ihre eigenen Kinder betrifft. Öffentlichkeit und Politik der Zielländer tendieren dazu, den Kinderhandel als auswärtige Angelegenheit zu betrachten, als illegale Migration, die von ausländischen Gruppierungen organisiert wird. Durch Druck von internationalen Medien und Organisationen werden aber auch diese Länder gezwungen, das Problem ernst zu nehmen und Schutz- und Rückführungsmassnahmen für die Opfer zu ergreifen.

Verbote helfen wenig – es braucht verbesserte Lebensbedingungen

Da die harten Arbeitsbedingungen der Kinder praktisch immer mit den harten Lebensbedingungen der Bauernfamilien im Allgemeinen einhergehen, würde eine Verbesserung der letzteren automatisch zu einem Rückgang der missbräuchlichen Kinderarbeit führen.

Verbote oder die Erstellung von neuen Regeln, die im Kontext des ländlichen Lebens für die Menschen keinen Sinn ergeben, führen selten zu nachhaltigen und positiven Veränderungen. Statt auf die Defizite der Kakaobauerngesellschaft zu fokussieren, und ihnen neue soziale Regeln auferlegen zu wollen, muss die Unterstützung der Familien und Gemeinden von deren Bedürfnissen abhängig gemacht werden. Zu diesen Bedürfnissen zählen

  • Eine gerechtere Verteilung der Wertschöpfung sowie der Verhandlungsmacht entlang der gesamten Wertschöpfungskette,
  • Existenzsichernde Einkommen und damit höhere und stabile Kakaopreise,
  • Diversifizierung der Haushaltseinkommen,
  • Zugang zu Krediten,
  • Zugang zu Bildung für die Kinder,
  • ein verbesserte Infrastruktur,
  • Zugang zu sauberem Wasser,
  • verbesserte Hygienemassnahmen,
  • die Bekämpfung von Krankheiten (z.B. durch Zugang zu Erste-Hilfe-Utensilien),
  • nachhaltigere Nutzung der Böden.

Das Harkin-Engel-Protokoll

Nach einem gescheiterten Versuch in den USA, ein neues Gesetz zur Bekämpfung von Kinderarbeit einzuführen, unterzeichneten am 19.09.2001 der amerikanische Kongressabgeordnete Eliot Engel, der Senator Tom Harkin, die grössten Vertreter der Schokoladeindustrie und der ivorische Botschafter das nicht rechtsverbindliche Harkin-Engel-Protokoll. Ziel des Abkommens war es, bis 2005 die schlimmsten Formen von Kinderarbeit auf den Kakaoplantagen zu beseitigen. Das Ziel wurde bis heute nicht annähernd erreicht und in modifizierter Form auf 2020 verschoben. Das Protokoll ist ein Paradebeispiel für das Versagen von freiwilligem Engagement der Industrie und unterstreicht die Notwendigkeit staatlicher Regulierung.