What’s hiding in my shoe?

© Public Eye
Who makes our shoes? Where are they made? It has become almost impossible to know the answers. This is why we decided to meet the actors of the shoe manufacturing industry.

In 2015, over 23 billion shoes were manufactured worldwide. This comes to more than three pairs per person. If you live in Switzerland, and are an average consumer, you probably bought six or seven pairs in the last twelve months. The time when shoemakers carried out the delicate work of repairing our good Sunday shoes has long since passed. Eighty years ago, Swiss households spent an average of 37 francs a year on their shoe repairs. This sum accounts for a mere 17 francs today, at a time when the average household income has increased twenty-fold. This industry has also now adopted the model of «fast fashion». The rate at which collections appear no longer follows that of the seasons, and shoes that are sold at cut-price rates are no longer made to last. Shoe repairs and cobblers are out of fashion, and people simply prefer to throw a worn-out pair away, and buy a new one.

Global map of shoe production and sales (2017)

We lost track of where our shoes are made a long time ago. And the workers in the factories have no idea where the shoes will be sold. Nor do they have the slightest idea how much we will be paying for «their» shoes, and we have no idea of how much they earn. They are not informed when we throw the fruit of their labour into the bin, sometimes without even having worn the shoes they made. We know nothing about those who made our shoes, are unaware of the amount of work it involves, or the number of different people involved, where they are based, or their working conditions. We set out to find the answers to all of these questions.

Estimated average wage compared to the estimated living wage in Albania. @Public Eye
Anteil der Lohnkosten am Verkaufspreis.
(Grafik: Public Eye Magazin Nr. 5)

Gefahr für die Gesundheit

In der Schuhindustrie sind Arbeiterinnen und Arbeiter einer ganzen Reihe von gesundheitsgefährdenden Chemikalien ausgesetzt. Der Einsatz von Klebstoffen und Reinigungsmitteln, die oftmals Stoffe wie Benzol, Dichlorethan und Hexan enthalten, führt häufig zu Vergiftungen. Der regelmässige Kontakt mit Benzol kann gar Leukämie verursachen. Beim Vulkanisieren von Stoffen wie Latex zur Herstellung von Gummi werden giftige Dämpfe freigesetzt; vielen wird davon schwindlig, sie kriegen Hustenattacken oder müssen sich übergeben. Atemwegsbeschwerden und Asthma sind häufig. So klagten Beschäftigte der Schuhindustrie in Albanien über Kopfschmerzen, Allergien und Hautprobleme, in Rumänien beschwerten sich Arbeiterinnen und Arbeiter über den beissenden Gestank in der Fabrik, in einer mazedonischen Produktionsstätte berichteten sie von Bronchitis und anderen Lungenproblemen wegen des eingesetzten Leims. Die Arbeitsumgebung ist laut und staubig, immer wieder gibt es Unfälle an alten Maschinen, und längst nicht immer wird die nötige Arbeitsschutzbekleidung zur Verfügung gestellt.

Auch die Arbeit in den Gerbereien ist gesundheitsgefährdend: Rohleder ist schwer, schmutzig und stinkt. Kein Wunder werden zum Grossteil Migranten beschäftigt, in der italienischen Gerbeindustrie insbesondere aus dem Senegal. Und die Arbeit ist gefährlich: Unfälle sind ebenso an der Tagesordnung wie Gelenkschäden wegen des Hebens der schweren Häute und Allergien oder gar Tumore, ausgelöst durch den Kontakt mit chemischen Substanzen. Eines der grössten Risiken ist die Verwendung von Chrom. 80 Prozent allen Leders wird heute mithilfe des Mineralsalzes Chrom III gegerbt. Das Problem: Bei oder nach der Gerbung kann es zur Bildung von Chrom VI kommen – einem krebserregenden und allergenen Stoff, der nicht nur für die Beschäftigten und die Natur schädlich ist, sondern auch für jene, die die Schuhe später tragen.

Der ARD Montags-Check befragt Arbeiterinnen in Rumänien. Machen Sie sich ein Bild von der Schuhproduktion in Osteuropa. (25. April 2016, ARD)

Fehlende Verträge

Informelle Arbeitsverhältnisse sind in der Schuhindustrie mancher Länder eher die Regel denn eine Ausnahme. Ohne Arbeitsvertrag wird den Arbeitenden die Chance auf ein Mindestmass staatlicher sozialer Absicherung oder gesetzlich vorgeschriebener Leistungen genommen: Sie haben weder Rechtsschutz noch werden sie in offizielle Statistiken aufgenommen. Das Problem ist altbekannt: Bereits 1996 gab der damalige Generaldirektor der Internationalen Arbeitsorganisation ILO zu, dass niemand wisse, wie viele Menschen informell in der Kleider- und Schuhproduktion tätig seien.

Lange Arbeitstage und schwache Gewerkschaften

Die Arbeit in der Schuhindustrie ist geprägt von langen Arbeitstagen und regelmässigen Überstunden. In China etwa gilt eigentlich der Acht-Stunden-Tag; die wöchentliche Arbeitszeit ist auf maximal 44 Stunden befristet. Viele Arbeiterinnen geben jedoch an, dass sie regelmässig zu Überstunden gezwungen werden. Weigern sie sich, haben sie disziplinarische Verwarnungen, Abzüge von Vergütungen, Erniedrigungen oder Beschimpfungen zu befürchten. In Indonesien ist Überzeit von drei bis vier Stunden an der Tagesordnung. Die Überstundenvergütung hilft, das magere Einkommen zu verbessern; einmal keine Überstunden zu leisten, heisst, vielleicht nie mehr Überstunden leisten zu dürfen. In der Türkei arbeiten die Menschen im Schuhsektor regelmässig bis zu 13 Stunden. Auch sie sind auf Überstunden angewiesen, um ihre tiefen Grundlöhne aufbessern zu können; der zusätzliche Lohn wird denn auch von den meisten als wesentlicher Bestandteil des regulären Einkommens betrachtet. Auch wo Arbeiterinnen nicht zu Überstunden gezwungen werden, müssen sie diese oftmals leisten, um private Schulden abzuzahlen. Zudem wird häufig „doppelte Buchführung“ betrieben: Eine Liste für die Behörden, eine inoffizielle Liste für die Beschäftigten. Der Mindestlohn wird auf das Konto der Arbeiterinnen überwiesen, darüber hinaus gehende Stunden bar vergütet. Kurzfristig kann das attraktiv sein; auf Dauer entgehen den Arbeiterinnen jedoch wertvolle Einzahlungen in die Renten- und Sozialversicherungen. Sich gegen diese Zustände zu wehren ist für einzelne Arbeitnehmende fast unmöglich, und Gewerkschaften in der Schuhindustrie sind schwach. Gewerkschaftliche Organisation wird vielerorts behindert; Leute, die sich dennoch organisieren, werden staatlich verfolgt.